Wirtschaft
01.03.2013

Andritz erhöht Gewinn und ärgert Umweltschützer

"Zu glauben, wenn Andritz nicht liefert, wird der Bau gestoppt, ist naiv", kontert der Turbinenbauer.

Profit auf Kosten von Menschen und Umwelt“ und „zerstörerische Projekte“ steht auf den Flugblättern, die Umweltschützer am Freitag vor dem Wiener Hotel Meridien verteilten. Drinnen präsentierte Wolfgang Leitner, Chef und 29,2 Prozent-Aktionär des Grazer Turbinen- und Anlagenbauers Andritz, eine weitere Erfolgsbilanz des börsenotierten Konzerns.

Der Umsatz konnte im Vorjahr um 12,6 Prozent auf 5,177 Milliarden Euro ausgebaut werden, das Konzernergebnis um 5,3 Prozent auf 243,6 Millionen Euro. Aktionäre erhalten 1,2 Euro je Aktie Dividende, nach 1,1 Euro 2011. Der Profit sei unter anderem mit Mega-Kraftwerksprojekten, die Umwelt und Lebensraum von Menschen zerstören, gemacht worden, kritisieren die Öko-Vertreter. Gemeint sind vor allem drei Großprojekte, an die Andritz Turbinen liefert: Das Wasserkraftwerk Ilisu in der Türkei, sowie die umstrittenen Staudammprojekte Belo Monte in Brasilien und Xayaburi in Laos. „Natürlich sind das Großbaustellen, die vieles verändern“, räumt Leitner ein. Andritz spiele dabei aber nur eine kleine Rolle. Das Unternehmen liefere höchstens 20 Prozent der Turbinen dieser Kraftwerke. „Zu glauben, wenn Andritz nicht liefert, wird der Bau gestoppt, ist naiv“, kontert der Andritz-Chef.

Unabhängig von diesen Großprojekten bereitet die Unsicherheit wegen der erneuerbaren Energien in Deutschland dem Konzern Sorgen. Leitner geht davon aus, dass wegen des Ökostrom-Booms der Bau von Speicherkraftwerken für einige Zeit ruhen dürfte. Der Auftragseingang im Bereich Wasserkraft, in dem Andritz 35 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet, ist 2012 um 4,2 Prozent auf zwei Milliarden Euro zurückgegangen. Der Orderbestand ist mit 3,8 Milliarden Euro aber nach wie vor hoch.

Vorsichtiger Ausblick

Im laufenden Geschäftsjahr erwartet Leitner einen weiteren Anstieg von Umsatz und Gewinn. Nach dem Kauf des deutschen Pressenherstellers Schuler und einiger kleinerer Firmen im Vorjahr, die insgesamt eine Milliarde Euro Umsatz dazu brachten, denkt der Andritz-Chef an keine weitere Großakquisitionen. Zunächst müsse der 550 Millionen Euro teure Kauf von Schuler verdaut werden.