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Wirtschaft
09/25/2019

Analyst: "Wohlhabende profitieren von der aktuellen Zinspolitik"

Die Europäische Zentralbank hat laut Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise ihr Pulver verschossen. Zum Handkuss kommen vor allem Sparer und Wohnungssuchende.

von Robert Kleedorfer

Die Konjunktur entwickelt sich sowohl global als auch in Österreich langsamer als zuletzt. Das zeigen Zahlen des Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo und er Statistik Austria (siehe Grafik). „Über den Sommer hat sich die Weltwirtschaft weiter eingetrübt“, bestätigt Michael Heise, Chefvolkswirt der deutschen Allianz Versicherung bei einem Besuch in Wien. Die Gründe seien die allseits bekannten: der drohende Brexit, die Lage in Italien und der Handelskonflikt, wobei die US-Wirtschaft selbst sich als relativ robust erweise.

Geht es mit der Konjunktur abwärts, so reagieren Notenbanken in der Regel mit Zinssenkungen, um die Wirtschaft mit billigerem Geld zu stimulieren. Doch die Europäische Zentralbank (EZB) habe ihr Pulver bereits verschossen, stellt Heise fest. „Die Geldpolitik hat ihr Ziel verfehlt, zugleich aber gibt es sehr starke Nebenwirkungen.“ Diese würden die Stabilität der Finanzmärkte gefährden, weil die Risikobereitschaft der Anleger erhöht werde.

 

 

Beispiel Anleihenmarkt: Viele Papiere werden mit negativen Renditen auf den Markt gebracht. Wer Gewinn erzielen will, muss eine höhere Ausfallsgefahr in Kauf nehmen. Beispiel Immobilien: Die Preise steigen schneller als die Einkommen. „Die Millennials haben echte Schwierigkeiten, Wohnraum zu schaffen“, so Heise. Und die Immobilienpreise würden weiter steigen. Beispiel Altersvorsorge: Wegen der geringen Verzinsung wird in der Pension weniger abfallen. Und Beispiel Sparen: „Die Wohlhabenden profitieren mehr, weil sie Wertpapiere und Immobilien besitzen. Während die unteren Einkommensschichten aufs Sparbuch setzen.“

Ratschläge

Heise hat daher zwei Ratschläge parat: zum einen an die EZB, ihre Strategie zu überprüfen. "Die aktuelle Geldpolitik ist am Ende ihrer Möglichkeiten." Maßnahmen wie noch etwas höhere Negaitvzinsen für Banken würden nicht viel oder gar nichts bringen. Lobende Worte findet er dabei für den neuen Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank Robert Holzmann. „Das Inflationsziel der EZB von derzeit knapp zwei auf 1,5 Prozent zu reduzieren, ist ein sehr sinnvoller Gedanke.“ So wären Zinserhöhungen möglich gewesen und diese hätten die Marktverzerrungen gedämpft. Beim Inflationsziel werden eine verbesserte Definition von Preisstabilität durch Einbeziehung von Kerninflation, Eigenheimkosten und Inflationserwartungen sowie eine Korridor für die Inflation vorgeschlagen. Zudem sollte es eine stärkere Beachtung von Nebeneffekten auf die Finanzstabilität geben.

Zum anderen rät er der Politik, zu handeln. „Strukturreformen sind in jedem Land möglich, ohne neue Schulden zu machen.“ Doch solange die gGeldpolitik in dieser Frage Verantwortung übernehme, werde nichts passieren, fürchtet der Experte.

 

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