An den Börsen brodelt es kräftig

Aktionäre sind besorgt über steigende Zinsen, schwächere Wirtschaftsprognosen, Handelskrieg und Sanktionen.

US-Präsident Donald Trump baut vor. Monatelang hatte er, solange die Aktienkurse steil anzogen, den Börsenboom als Beweis für seine blühende Wirtschafts- und Handelspolitik zitiert. Noch am Mittwoch der Vorwoche twitterte er, die Börsen hätten „soeben wieder ein Allzeithoch erreicht, das 102. in meiner Amtszeit – ein Präsidentenrekord mit großem Abstand“.

Eine Woche später ist davon keine Rede. Die Börsen sind auf scharfe Talfahrt geschwenkt und der Präsident hat einen Schuldigen ausgemacht: die US-Notenbank. „Die Fed ist verrückt geworden“, sagte Trump vor einem Wahlkampfevent in Pennsylvania. Es sei ein Fehler, dass sie die Zinsen so stark erhöhe.

Wer ist da „verrückt“?

Der Angriff auf die unabhängige Notenbank sorgte für scharfe Konter. „Ich würde (Fed-Chef) Jay Powell nicht gerade mit Verrücktheit assoziieren“, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde beim Jahrestreffen des Währungsfonds in Bali. Und sie prügelte Trump indirekt für seine erratische Politik. Länder, die Handels- und Währungskriege anzetteln, müssten sich im Klaren sein, dass darunter das weltweite Wachstum leidet und es „unbeteiligte Zuschauer“ schädigt.

Aktionäre sind mit Trump allerdings in einem Punkt einig: Die steigenden Zinsen schaden den Börsen. Die Investoren treibt die Sorge, dass die US-Notenbank stärker an der Zinsschraube drehen könnte als prognostiziert. Dann würden US-Aktien im Vergleich zu Anleihen noch unattraktiver. Für Christoph Schultes, Analyst bei der Erste Group, ist genau diese Ertragsdifferenz zwischen Aktien- und Anleihen in den USA einer der Hauptgründe für die jüngste Talfahrt. Denn die durchschnittliche Dividendenrendite der im US-Börsenindex S&P 500 vertretenen Aktien betrage derzeit nur noch 1,9 Prozent. Zehnjährige US-Staatsanleihen aber werfen schon 3,7 Prozent ab.

„Eine tolle Jahresendrallye an den Börsen, wie sie es häufig gab, erwarte ich daher eher nicht“, verweist Schultes auf keine allzu schönen Aussichten für Aktieninhaber. Dazu komme auch noch, dass amerikanische Aktien bereits ziemlich teuer seien. Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis liege bei 20. „Da sind hohe Gewinnsteigerungen der Unternehmen im Kurs eingepreist“, gibt er zu bedenken.

Ob die US-Konzerne das liefern, was die Börsen von ihnen erwarten, wird sich bereits in den nächsten Tagen weisen. Schon Freitag beginnt die Berichtssaison, jene Zeit also, in der die Manager die wirtschaftlichen Ergebnisse für das dritte Quartal veröffentlichen. „Davon hängt viel ab“, ist auch Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen Bank International (RBI) überzeugt. Die Erwartungen der Analysten: ein durchschnittliches Gewinnplus von 19 Prozent. „Liegen die Unternehmensergebnisse deutlich darunter, wird es auch an den Börsen weiter bergab gehen“, sagt Brezinschek.

Europa fällt mit

Die europäischen Börsen sind heuer bei weitem nicht so stark gestiegen wie die New Yorker Wall Street. Leider heißt das nicht, dass sie nun auch weniger fallen könnten. Denn noch immer geben die USA den Ton an den Finanzmärkten an. Und stürzt die Wall Street, stürzt auch der FTSE-Index in London, der DAX in Frankfurt und natürlich der ATX in Wien.

Dasselbe gilt für Asien. Der Nikkei-Index in Tokio rasselte am Donnerstag gleich um 3,89 Prozent nach unten. Auch die europäischen Börsen starteten tiefrot, im Laufe des Tages reduzierten sich die Verluste aber wieder. Der DAX schloss mit einem Minus von 1,5 Prozent. 

An der Wall Street ging es am Donnerstag weiter bergab. Der Dow Jones schloss 2,13 Prozent tiefer. Das Fazit der Börsianer: „Wir werden uns in nächster Zeit wohl an stark schwankende Aktienkurse gewöhnen müssen.“ Die Tagestrader haben also wieder Hochsaison, die Privatanleger schauen besser eine Zeit lang nicht auf ihr Portfolio.

Kapsch erfreut

An der Wiener Börse gab es am Donnerstag inmitten der vielen Verlierer einen positiven Ausreißer. Die Aktie von KapschTrafficCom stieg kräftig und schloss letztlich drei Prozent im Plus.

Das Unternehmen hatte am Vorabend berichtet, gute Chancen auf die Errichtung und den Betrieb des Mautsystems in Deutschland zu haben. Das Auftragsvolumen belaufe sich auf bis zu 120 Millionen Euro, der Vertrag soll zwölf Jahre laufen.

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