Jeff Bezos tritt heuer als Amazon-Chef ab, bleibt aber Chef des Verwaltungsrats.

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Wirtschaft

Nach Bezos-Abgang: Wer den reichsten Mann der Welt beerbt

Jeff Bezos gibt den Chefposten im dritten Quartal 2021 an Andy Jassy ab, bleibt als Verwaltungsratschef aber einflussreich.

02/03/2021, 11:48 AM

Vor rund 27 Jahren grĂŒndete Jeff Bezos in einer Garage bei Seattle einen Online-Buchladen. Aus seiner Faszination fĂŒr das Internet und einer großen Vision entstand einer der wertvollsten Konzerne der Welt: Amazon.

Nach ĂŒber einem Vierteljahrhundert leitet der weltgrĂ¶ĂŸte OnlinehĂ€ndler nun den Wechsel an seiner Vorstandsspitze ein - Bezos wird den Vorsitz im dritten Quartal 2021 an Andy Jassy abgeben, den Leiter des boomenden Cloud-GeschĂ€fts.

Die Cloud-Sparte

Amazons grĂ¶ĂŸter Profittreiber ist derweil nicht der Onlinehandel, sondern das Cloud-GeschĂ€ft mit IT-Services und Speicherplatz im Internet. Insofern ist es auch nur logisch, dass mit Andy Jassy der Leiter dieser Sparte zum kĂŒnftigen Vorstandschef befördert wurde. Amazons Cloud-Plattform AWS, die von vielen Unternehmen und Apps genutzt wird, erhöhte den Quartalsumsatz um 28 Prozent 12,7 Mrd. Dollar.

Trotz des starken Wachstums blieb das GeschĂ€ft etwas unter den Erwartungen. Das Betriebsergebnis kletterte um 37 Prozent auf 3,6 Mrd. Dollar, woran klar zu erkennen ist, was fĂŒr ein attraktiver Gewinnbringer Amazons Cloud-Flaggschiff weiterhin ist.

Bezos bleibt bei Amazon

Eine Ära endet damit aber noch nicht, Bezos will weiter mitmischen. Amazons am Dienstag nach US-Börsenschluss veröffentlichter GeschĂ€ftsbericht fĂŒr 2020 wurde angesichts der großen Personalie zur Nebensache.

Bezos dĂŒrfte als geschĂ€ftsfĂŒhrender Vorsitzender des Verwaltungsrats, der dem Vorstand ĂŒbergeordnet ist, auch kĂŒnftig viel Einfluss bei Amazon ausĂŒben. In einem Memo an die Mitarbeiter erklĂ€rte der 57-JĂ€hrige, dass es bei seiner Entscheidung nicht darum gehe, sich in den Ruhestand zu verabschieden. "Ich hatte noch nie mehr Energie", betonte Bezos. In seiner zukĂŒnftigen Rolle als Verwaltungsratschef wolle er seine Energie und Aufmerksamkeit auf neue Produkte und Initiativen ausrichten. Außerdem gewinne er so mehr Zeit fĂŒr andere Projekte wie seine Stiftungen, seine Raumfahrtfirma Blue Origin oder die Zeitung "The Washington Post", die in seinem Privatbesitz ist.

Der Garage entwachsen

Am 5. Juli 1994 grĂŒndeten Jeff und seine damalige Ehefrau MacKenzie Bezos in Bellevue bei Seattle einen Online-Buchhandel. Das Unternehmen hieß zunĂ€chst Cadabra, wurde jedoch rasch in Amazon umbenannt. Laut der Bezos-Biographie "Der AllesverkĂ€ufer" von 2013 klang Cadabra zu sehr nach Kadaver. Was mit BĂŒchern begann, entwickelte sich zum grĂ¶ĂŸten Internetkaufhaus der Welt. Heute ist Amazon noch viel mehr als das und hĂ€lt mit seinen Cloud-Services, die etwa Start-ups IT-Anwendungen und Speicherplatz im Netz bieten, unzĂ€hlige Firmen am Laufen. Mit Whole Foods betreibt Amazon zudem eine eigene US-Supermarktkette.

Damit noch nicht genug: Im Streaming-GeschĂ€ft versucht Amazon mit seinem Prime-Dienst MarktfĂŒhrer Netflix Konkurrenz zu machen; mit dem Aufbau einer eigenen Lieferlogistik setzt der Konzern Paketzusteller wie UPS, Fedex und DHL unter Druck. Und niemand weiß so recht, welche Branchen Amazon als nĂ€chstes aufmischen wird. Bezos machte der Erfolgszug seines Unternehmens als GroßaktionĂ€r steinreich. Mit einem geschĂ€tzten Vermögen von 197 Mrd. Dollar (fast 163,6 Mrd. Euro) ist er dem "Bloomberg Billionaires Index" (Stand Mittwoch) zufolge derzeit der zweitwohlhabendste Mensch der Welt hinter Tesla-Chef Elon Musk.

Amazon an der Börse

An der Börse hatte der rasant expandierende Bezos-Konzern wegen chronisch roter Zahlen indes lange Zeit einen schweren Stand. Doch seit Bezos zuverlĂ€ssig Gewinne liefert, ist er zum Liebling der Wall Street geworden. Im September 2018 gelang es Amazon als zweiter Aktiengesellschaft nach dem iPhone-Riesen Apple, beim Börsenwert die magische Marke von einer Billion Dollar zu knacken. Seitdem ging es weiter krĂ€ftig nach oben - die Marktkapitalisierung von Amazon lag zuletzt bei enormen 1,7 Billionen Dollar. Auch die Nachricht von Bezos' RĂŒcktritt konnte Anleger am Dienstagabend nicht schocken - die Aktie hielt sich im nachbörslichen Handel weiter im Plus.

Denn das GeschĂ€ft lief auch im Schlussquartal 2020 glĂ€nzend: In den drei Monaten bis Ende Dezember knackte Amazon beim Umsatz dank des Bestell-Booms in der Coronakrise und eines starken WeihnachtsgeschĂ€fts erstmals die Marke von 100 Mrd. Dollar. GegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum legten die Erlöse um 44 Prozent auf 125,6 Mrd. Dollar zu. Den Nettogewinn konnte Amazon auf 7,2 Milliarden Dollar deutlich mehr als verdoppeln. Im gesamten GeschĂ€ftsjahr 2020 verdiente der Konzern 21,3 Mrd. Dollar, was einem Anstieg um 84 Prozent und einer neuen Bestmarke entspricht.

Kritik

Durch seinen Erfolg mit Amazon hat sich Bezos bei Weitem nicht nur Freunde gemacht. Dem Konzern wird vorgeworfen, mit seiner großen Marktmacht und seinen Niedrigpreisen den Einzelhandel zu zerstören. Auch wegen umstrittener Arbeitsbedingungen gibt es hĂ€ufig Kritik an Amazon.

Der mĂ€chtigste Feind von Bezos aber saß bis vor kurzem noch im Weißen Haus: Ex-US-PrĂ€sident Donald Trump und ihn verband eine erbitterte Dauerfehde. Als Hauptgrund galt indes weniger das GeschĂ€ftliche, sondern vor allem Trumps Abneigung gegenĂŒber der "Washington Post", die hĂ€ufig kritisch ĂŒber ihn berichtet.

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