Mikroalgen in 5,5 Meter hohen Glasröhren.

© /Ecoduna

Junge Aktien
05/26/2016

Aktionäre für Mikroalgen gesucht

Junge Aktien. Ecoduna braucht "Mitstreiter" für den Start der industriellen Produktion.

von Christine Klafl

Die "Vitafoods"-Messe in Genf ist die internationale Veranstaltung für Nahrungsergänzungsmittel. An der diesjährigen Messe vor rund zwei Wochen nahmen rund 750 Aussteller teil. Sie kamen aus allen Weltregionen – von China bis Amerika. Auch ein österreichisches Unternehmen war dabei: Ecoduna aus Bruck an der Leitha. Das Unternehmen gilt als internationaler Industrieführer in der Produktion von Mikroalgen. "In den drei Messetagen habe ich die gesamte heurige Produktion verkaufen können", erzählt Ecoduna-Chef Johann Mörwald. Die Produktion des laufenden Jahres ist mit eineinhalb Tonnen Biomasse zwar noch nicht groß. Aber es soll deutlich mehr werden. Und das auch mithilfe von Anlegern.

Ecoduna hat in den vergangenen Jahren ein völlig neues Verfahren für die Algenproduktion entwickelt. Die grünen Einzeller werden in sechs Meter hohen Glasröhren (Photobioreaktoren genannt) gezüchtet. In diesem geschlossenen System ist eine Verunreinigung unmöglich, was für hohe Qualitäten bürgt. Das ist auch am erzielbaren Preis abzulesen. Üblicherweise wird ein Kilo Algenpulver für rund 45 Euro gehandelt. Ecoduna bekommt 60 Euro pro Kilo.

Zur Demonstrationsanlage soll jetzt eine wachsende Produktionsanlage kommen. Dazu gehört etwa ein riesiges Glashaus (ein Hektar groß), in dem die Glasröhren aufgestellt werden, sowie ein Produktionsgebäude für die schonende Trocknung der Algen. Mörwalds Fahrplan dazu: 2017 soll die Anlage errichtet, im zweiten Halbjahr die Produktion hochgefahren werden. "Ein Teilbetrieb wird schon im dritten Quartal möglich sein", meint Mörwald, früher Chef des Diskonters Hofer. Ecoduna werde dann mit einer Kapazität von hundert Tonnen "schon zu den großen Playern in Europa zählen". In den nächsten Jahren soll das Unternehmen in Bruck an der Leitha dann bereits 600 Tonnen Biomasse aus Mikroalgen produzieren können.

Kapitalerhöhung

Bis dahin ist aber noch Geld nötig. Nach einer ersten Kapitalerhöhung im März, die fünf Millionen Euro brachte, wird Mitte Juni die nächste Kapitalerhöhung um weitere fünf Millionen Euro folgen. Ausgegeben werden junge Aktien zum Stückpreis von fünf Euro. Die Aktien werden an keiner Börse gehandelt, der Anleger erhält eine Abschrift aus dem Aktienbuch. Um Anlegern einen Ausstieg aus dem Papier zu ermöglichen, richtet Ecoduna eine Online-Plattform ein, wo Käufer und Verkäufer zusammentreffen können.

Aktuell gibt es 201 Aktionäre. Den mit rund acht Prozent größten Anteil hat Franz Emminger, der Erfinder der Produktionstechnik, die Ecoduna verwendet. Diese Technik ist übrigens weltweit patentiert. "Mehrere haben vier bis fünf Prozent", so Mörwald. Zu dieser Gruppe zählt auch er.

Mit weiteren fünf Millionen Euro sollen Großinvestoren an Bord des Algenproduzenten kommen. Mörwald: "Da gibt es schon sehr konkrete Gespräche."

Expansion

Was die Aktionäre erwartet: "Volle Expansion bis 2018/’19", so Mörwald. Ziel sei eine Verfünffachung des Aktienwertes. 2018 soll die Gewinnzone erreicht sein. Ein, zwei Jahre darauf könnte dann der Schritt an die Börse folgen. "Vielleicht wird es auch einmal die Vergabe von Lizenzen geben", so einer der Träume Mörwalds.

Von Bruck an der Leitha aus will Ecoduna nichts weniger als die weltweite Marktführerschaft in der Produktion von veganen Omega-3-Fettsäuren erreichen. Laut Mörwald ist Omega 3 derzeit ein Riesenthema. Und Algen gewinnen bei diesem Riesenthema an Bedeutung, weil nach Alternativen zu Fettsäuren aus Fisch gesucht werden. Durch Überfischung und die Verschmutzung der Meere wird es zunehmend mühsamer und damit auch teurer, Omega-3-Fettsäuren aus Fisch zu gewinnen. Der Markt mit Nahrungsergänzungsmitteln, in denen Omega-3- und -6-Fettsäuren enthalten sind, wächst jährlich um unglaubliche 16 Prozent. Heuer soll er geschätzte 36 Milliarden Dollar schwer sein.

Mittlerweile auch ein Milliardenmarkt ist der Algen-Einsatz in der Kosmetik. In diesem Bereich ist L’Oreal der Marktführer. "In ein paar Jahren sind wir groß genug, dass wir auch mit Großen wie L’Oreal oder Nestlé reden können", hat sich Mörwald vorgenommen.

Der bestechende Vorteil von Mikroalgen und der Produktionstechnik von Ecoduna in Glasröhren (hängende Gärten genannt): Es kann tonnenweise Biomasse für die verschiedensten Anwendungen produziert werden, ohne dafür fruchtbaren Boden zu brauchen.

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