Aktienkurse fallen, Goldpreis steigt

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Der Ausverkauf an den Börsen setzt sich aus Angst vor einer Rezession fort. Der Wiener ATX verlor rund zwei Prozent.

Auch am Freitag gab es an den internationalen Aktienbörsen keine Entspannung. Zu den größten Verlierern zählte der Frankfurter DAX mit minus 2,2 Prozent. Dem Wiener Leitindex ATX erging es mit minus 2,05 Prozent kaum besser. Der Index rutschte damit auf den tiefsten Stand seit rund zwei Jahren. Die Furcht vor einer Rückkehr in die Rezession und die Schuldenkrise belasten das Klima.

Doch wie tief kann es noch gehen? "Derzeit liegen die Kurse der ATX-Unternehmen fünf bis sechs Prozent unter ihrem eigentlichen Wert", erklärt Günther Artner, Vize-Chefanalyst der Erste Bank. Er hält ein Niveau von zehn Prozent unter diesem Wert für möglich, das wären dann rund 2000 Punkte. Von dieser Marke ist der ATX mit rund 2080 Punkten nicht mehr weit entfernt.

Ein Restrisiko, dass es darüber hinaus nach unten geht, bestehe, so Artner. Im März 2009 etwa stoppte der Absturz erst bei 1400 Punkten. Allerdings, so schränkt der Fachmann ein, sei die jetzige Finanzkrise mit den Folgen der Lehman-Pleite nicht vergleichbar. "Das war damals ein Extremfall. Und eine mögliche Rezession ist jetzt in den Kursen schon großteils eingepreist."

Konflikte

Skeptischer beurteilt ein anderer Analyst einer heimischen Großbank, der ungenannt bleiben wollte, die Lage. "In Wirklichkeit weiß niemand, wie weit es noch nach unten geht. Es gibt keine positiven Nachrichten, die den Abwärtstrend stoppen könnten." Immer mehr Kleinanleger würden aussteigen, das beschleunige die Talfahrt. Obendrein würden viele Kurzfrist-Anleger ("Daytrader") versuchen, aus den großen Kursbewegungen Kapital zu schlagen. Dies bringe zusätzliche Unruhe in den Markt. Ebenso nicht förderlich sei die zunehmende Debatte um die auseinander gehende Kluft zwischen Arm und Reich und die damit zusammenhängenden Konflikte, etwa jüngst in London. "Das Infragestellen des gesamten Wirtschaftssystems bringt auch die Börsenwelt aus dem Gefüge."

Gold

Gewinner der Lage ist Gold. Das Edelmetall erreichte am Freitag mit 1878,2 Dollar je Unze erneut einen Rekord. Als Gründe nennen Experten neben den Konjunktursorgen die mögliche Anbindung des Schweizer Franken an den Euro-Kurs. Damit verliere der neben Gold zweite sichere Hafen an Attraktivität. Venezuelas Staatschef Hugo Chavez heizt den Goldkurs zusätzlich an. Er will die Goldminen des Landes verstaatlichen. Das birgt die Gefahr einer Verknappung des Edelmetalls. Die Erste Bank sieht den Goldpreis langfristig bei 2300 Dollar.

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(kurier) Erstellt am
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