© Roman Boensch/Flughafen Wien AG

Luftfahrt
03/11/2015

Ticketsteuer: Abschaffung soll Tourismus beflügeln

Eine Million mehr Passagiere schaffen laut AUA-Betriebsrat Junghans 1000 neue Jobs

von Kid Möchel

Eine breite Allianz aus Luftfahrt- und Tourismuswirtschaft fordert die Abschaffung der Luftverkehrssteuer, besser bekannt als Ticketsteuer. Rund 106 Millionen Euro hat die Finanz dadurch im Vorjahr eingenommen, im Jahr 2013 waren es etwa 98 Millionen Euro. Doch diese Abgabe, die es nur noch in Österreich und Deutschland gibt, gilt als sehr wettbewerbsfeindlich. Zuletzt wurde sie in Irland abgeschafft. Dort brachte die Streichung der Abgabe einen Passagierzuwachs von sieben Prozent. In Österreich gehen die Uhren aber noch anders. Dabei muss man wissen, dass die österreichische Luftverkehrswirtschaft 78.000 Arbeitplätze sichert und 1,8 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) beiträgt.

Massiver Nachteil

„Wir fühlen uns im Wettbewerb sehr stark benachteiligt“, klagt AUA-Vorstand Andreas Otto. So müssen Flyniki jährlich rund 15 Millionen Euro, die AUA 30 Milllionen Euro und die Lufthansa sogar 50 Millionen Euro hinblätern. Umgelegt auf die Tickets heißt das: Sieben Euro beträgt der Aufschlag auf die Kurzstreckenflüge, bis zu 30 Euro auf die Langstrecke. Christian Lesjak, Geschäftsführer von flyniki, zeichnet ein Bild von der wettbewerblichen Misere: "Wir fühlen uns von der Politik in zu kleine Schuhe gesteckt, mit denen man nicht laufen kann." Das Wachstum von flyniki sei gehemmt. "Wir müssen die Luftverkehrsteuer loswerden", sagt Lesjak. "Die Abschaffung würde sich unmittelbar konjunkturell auswirken und der gesamte Tourismussektor würde profitieren."

Geld würde reinvestiert werden

Die AUA oder die Lufthansa werden bei einer Abschaffung der Ticketsteuer das Geld nicht in die eigene Tasche stecken, sagt der AUA-Manager. „Wir würden das Geld reinvestieren, in die Flotte und in die Kurstrecken- und Langstrecken-Flüge“, sagt AUA-Manager Otto. Und in der Folge würden man auch die Inlandsflüge in Verbindung mit der Langstrecke ausbauen.

Bei den österreichischen Regionalflughäfen wie Linz und Klagenfurt schlägt die Sondersteuer besonders stark durch. „Die Flughäfen sind dadurch schwächer ausgelastet“, bestätigt Gerhard Kunesch, Chef des Linzer Airports. Allein in Linz werden jährlich drei Millionen Euro Luftverkehrssteuer abgeführt. Indes hat der Flughafen Klagenfurt durch aus Konkurrenz in den südlichen Nachbarländern. "Der Tourist is preissensibler als der Geschäftsreisende", sagt Max Schintlmeister, Geschäftsführer des Flughafen Klagenfurt. "Das Wachstum am Flughafen Klagenfurt geht nur über den Touristen-Passagier."

Die Abschaffung der Abgabe würde die Tickets um 4,2 Prozent verbilligen und den Tourismusstandort Österreich beflügeln. Allein der Flughafen Wien fertigte 2014 rund 22,5 Millionen Reisende ab.

„Wir wollen aber 20 weitere Direktverbindungen in internationale Großstädte, das ist eine Voraussetzung für das Erreichen unserer beiden Ziele - Steigerung der Nächtigungen um 40 Prozent und die Erhöhung des Nettonächtigungumsatzes in der Hotellerie um 60 Prozent“, sagt Wien-Tourismus-Chef Norbert Kettner. „Wenn man es den Airlines schwer macht, wird man an Wien vorbeifliegen.“ Detail am Rande: Auf dem Flughafen Bratislava wird keine Sondersteuer eingehoben.

Indes hat AUA-Betriebsratschef Alfred Junghans 3700 Unterschriften gegen die Ticketsteuer gesammelt und am Dienstagvormittag im Finanzministerium deponiert. "Die Mitarbeiter der Airline-Industrie haben in den vergangenen Jahren viel geben müssen, um die Arbeitsplätze zu sichern", sagt Junghans. "Die Petition zur Abschaffung der Flugabgabe ist ein Weckruf an die Politik, um nicht nur Arbeitsplätze zu sichern, sondern auch neue zu schaffen."So rechnet AUA-Betriebsratchef Alfred Junghans vor, dass ein Wachstum um eine Million Passagiere 1000 neue Jobs schafft.
Laut Flughafen-Wien-Chef Günter Ofner ist die Forderung nach Abschaffung der Ticketsteuer Teil eines Expertenberichts für die geplante Steuerreform. "Unter dem Strich würde der Finanzminister mehr einnehmen, als wenn die Ticketsteuer bleibt", meint Ofner. Man könnte eine Win-Win-Situation schaffen, denn es würden nicht nur der Standort Österreich gesichert, sondern auch viele Arbeitsplätze geschaffen werden. "Wir haben die Gelegenheit genützt, um im Finanzministerium vorzusprechen", sagt Ofner. "Ich hoffe, wir können nächste Woche sagen, es hat etwas genützt."

Der Ball liegt jetzt beim Minister bzw. der Regierung. In die Karten lässt man sich dort noch nicht schauen. „Die politischen Verhandlungen laufen noch“, sagt Michaela Berger vom Finanzministerium zum KURIER. „Es wird ein Gesamtpaket geben.“

Triste Passagierzahlen 2015

Indes musste die AUA im Jänner und Februar 2015 Passagierrückgänge hinnehmen. Vor allem die russischen Touristen blieben aufgrund der Russland-Ukraine-Krise aus. Die Austrian Airlines (AUA) haben im Februar nur 584.800 Personen transportiert, das ein Rückgang von 13,2 Prozent zum Vorjahr. Im Jänner 2015 hatte der Passagierrückgang 15,3 Prozent betragen.

Von Jänner bis Februar 2015 hat die AUA ihren Flugplan ausgedünnt und so die Kapazität gemessen in angebotenen Sitzkilometern (ASK) um 7,8 Prozent reduziert, teilte die Fluglinie am Dienstag laut APA mit. Im Februar allein betrug der Rückgang 6,7 Prozent zum Vergleichszeitraum des Vorjahres. In Europa ging die Passagierzahl der AUA um 14,2 Prozent auf 488.200 Personen zurück. Die Europa-Auslastung verringerte sich um 1,4 Prozentpunkte auf 68,4 Prozent.

Interkontinental flogen im Februar 2015 nur noch 96.600 Menschen mit der AUA, um 7,6 Prozent weniger als Vergleichzeitraum 2014. Die Langstrecken-Auslastung ging um fünf Prozentpunkte auf 74 Prozent zurück. Seit Jahresbeginn reduzierte sich die Gesamtauslastung um 1,6 Punkte auf 71,7 Prozent. Die Zahl der geflogenen Passagierkilometer verkürzte sich insgesamt um 9,8 Prozent, in Europa sogar um 19,3 Prozent. Die Passagierzahl blieb um 14,5 Prozent unter Vorjahr. Künftig will die AUA im Winter vor allem warme Fernreise-Destinationen anpeilen, um saisonbedingte Schwankungen auszugleichen. Dazu zählen die Malediven, Mauritius und Miami.

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