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Wirtschaft
03/26/2019

Abgefahren: Wie die Westbahn mit Hilfe aus China ihre Züge beschleunigen will

Laut mehreren Branchenkennern soll der chinesische Staatskonzern CRRC mit der Privatbahn verhandeln, Deal dreht sich angeblich um 15 Doppelstock-Schnellzüge.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber, Thomas Pressberger

Beim österreichischen Privatbahnbetreiber Westbahn jagte am Montag eine Sitzung die andere. In der Früh war durch einen KURIER-Bericht bekannt geworden, dass sich die ÖBB um den Ankauf des gesamten Fuhrparks (17 Doppelstock-Triebwagen) der Westbahn bemühen. Das belegt eine genau darauf zugeschnittene europaweite Ausschreibung der ÖBB Personenverkehr AG.

Die ÖBB bestätigten den geplanten Deal im Gespräch mit dem KURIER. „Wenn es auf dem Markt die Möglichkeit gibt, neues Zugmaterial zu bekommen, dann sehen wir uns das an“, sagte ÖBB-Sprecher Robert Lechner zum KURIER. „Damit können wir ältere Garnituren wie die auslaufenden 4020er möglicherweise früher austauschen. Das wäre gerade in der Ostregion für unsere Kunden ein großer Vorteil.“

Die Züge der Westbahn stammen aus der Werkstatt des Schweizer Herstellers Stadler. Sie haben laut Westbahn-Bilanz einen Buchwert in Höhe von 232 Millionen Euro. Dazu muss man wissen, dass diese Züge fremdfinanziert sind und die Westbahn (2017) bei Banken mit 205 Millionen Euro in der Kreide steht. Allein die Zinszahlungen betrugen 2017 rund 4,3 Millionen Euro. Aber was macht die Westbahn ohne ihre Triebwagengarnituren? Sie kauft entweder neue Garnituren oder holt sich vielleicht sogar einen Partner mit einem entsprechenden Schienenfuhrpark an Bord.

Kryptische Aussage

Offiziell teilt die Privatbahn in einer Aussendung nur kryptisch mit: „Die Westbahn plant, mit dem am schnellsten lieferfähigen Qualitätslieferanten auf dem Weltmarkt ein noch weiter verbessertes Zugkonzept für Doppelstockzüge mit 200 km/h rasch umzusetzen und gleichzeitig damit dem Bahnverkehr die schnelle Bereitstellung von jungen Gebrauchtzügen zu ermöglichen.“

Heimische Bahnexperten gehen davon aus, dass mit dem angesprochenen Qualitätslieferanten der chinesische Eisenbahn-Weltmarktführer CRRC (187.000 Mitarbeiter, 37,8 Milliarden Dollar Umsatz) gemeint ist; oder ein großer Player der westlichen Hemisphäre, der bereits in China und Indien Züge produzieren lässt.

Dem Vernehmen nach will die Westbahn 15 neue Doppelstock-Züge ordern. Bei einem Deal mit dem chinesischen Staatskonzern CRRC könnte nicht nur der niedrige Kaufpreis, sondern die angebotene Finanzierung von großem Vorteil sein. Im November 2018 präsentierte CRRC seine hochmodernen Doppelstock-Schnellzüge auf einer Messe in Changsha.

Übrigens: Als Türöffner für die Chinesen wird dabei der kanadische Bahnkonzern Bombardier genannt. So unterhält Bombardier sieben Tochterunternehmen und sechs Joint Ventures in China.

Zum Beispiel betreibt die Bombardier Sifang Transportation (BST) in der ostchinesischen Provinz Quingdao ein Werk für Personen- und Hochgeschwindigkeitszüge. Der 50:50-Partner ist dort die CRRC Sifang Co Ltd, eine Tochter der CRRC Group. Die China Railway Corp bestellte zehn Schnellzüge (mit bis zu 350 km/h Höchstgeschwindigkeit) um umgerechnet 410 Millionen Euro.

Bombardier dementiert fleißig

Indes dementiert die Wiener Bombardier Transportation, der von der Westbahn genannte Lieferant zu sein. „Bombardier ist es nicht, wir haben zwar Partner und Joint Ventures in China, aber wir bedienen nur den chinesischen Markt damit“, sagt Bombardier-Transportation-Austria-Chef Christian Diewald. „Mit CRRC beliefern wir nicht den europäischen Markt und haben es auch nicht vor.“

Insider sagen, es ist kein Zufall, dass CRRC 2016 ihre Europa-Zentrale CRRC ZELC Verkehrstechnik GmbH in Wien aufgemacht hat. „Die Chinesen sind sehr aktiv am Markt und versuchen bei allen möglichen Ausschreibungen zum Zug zu kommen“, sagt der Wiener Schienenverkehrs-Berater Robert Söllner zum KURIER. „Vor allem in Deutschland sind sie bei Ausschreibungen aufgetreten.“

Hier schließt sich der Kreis. Ein weitere Insider sagte nämlich zum KURIER: „Mit einem Partner wie der Westbahn dürfte eine Zulassung neuer Züge für die CRRC in Europa leichter zu bekommen sein.“ Damit würde Österreich den Chinesen als Art Einfallstor für den europäischen Markt dienen. Den Chinesen gehe es weniger um Österreich, als um den deutschen Markt, der Aufholbedarf bei der Bahninfrastruktur hat.