Wirtschaft
14.07.2017

Abgaskrimi: Auch Mercedes schlittert mit Vollgas in eine dicke Dieselwolke

Auch Daimler-Konzern soll getrickst haben. Was prüfte aber das deutsche Kraftfahrtbundesamt bei den Erstzulassungen?

Der Abgasskandal bei Dieselfahrzeugen weitet sich aus. Neben der VW-Gruppe ist nun auch der Daimler-Konzern (Mercedes) ins Fadenkreuz der Strafverfolger geraten. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt zumindest gegen zwei Manager wegen des Verdachts des Abgasbetrugs. Zuerst hatte die Süddeutsche Zeitung darüber berichtet. Im Mittelpunkt stehen mehr als eine Million Mercedes-Pkw und Kleintransporter mit Motoren der Reihe OM 642 und OM 651, die in den Jahren 2008 bis 2016 verkauft wurden.

Der Motor OM 642 ist in den Mercedes-Modellen G, ML, Sprinter, CLS, GLK und S mit einem Hubraum 280/300/350 verbaut, der Motor OM 651 in vielen kleinen Modellen wie dem A 200 und B 200. Neu sind die Vorwürfe nicht. Die Konsumentenschutzorganisation Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat Daimler schon im November 2015 bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. "Wir haben unsere Messergebnisse den Strafverfolgungsbehörden übermittelt und diese auch über die Temperatur gesteuerte Abschaltung der Abgasreinigung informiert", sagt DUH-Chef Jürgen Resch zum KURIER. So soll eine Software bei weniger als 17 Grad bzw. zehn Grad Celsius die Abgasreinigung bei den genannten Modellen abstellen. Laut Resch sollen vor allem kleine Mercedes (A-, B- und C-Klasse), die mit Renault-Motoren ausgestattet sind, betroffen sein. "Diese Motoren sind in Sachen Abgase deutlich schlechter als Mercedes-Motoren", sagt Resch.

Der Hintergrund

Bei Straßenmessungen der DUH im Rahmen ihres Emissions-Kontroll-Instituts sollen insbesondere die Mercedes-Modelle mit Renault-Motor besonders hohe Stickoxid-Realemissionen ausweisen. Bei Straßenmessungen im Frühjahr sollen beispielsweise der Mercedes B 180 d mit 1039 mg Stickoxide (NOx) pro Kilometer erreicht haben, das ist die 13-fache Überschreitung des für die Typzulassung vorgeschriebenen Grenzwerts von 80 mg NOx/km. Entsprechende Messungen wurden von der DUH bereits veröffentlicht und den nationalen wie internationalen Behörden überlassen. Dazu muss man aber auch wissen, dass Straßenmessungen bisher nicht gesetzlich vorgeschrieben sind.

"Wir kooperieren"

Der deutsche Autobauer hält sich bedeckt. Denn: Jede Aussage könnte gegen Mercedes verwendet werden. "Es handelt sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren, das wir nicht kommentieren", teilt Mercedes mit. "Wir kooperieren vollumfänglich mit den Behörden." Indes stellt sich die Frage, was hat das deutsche Kraftfahrtbundesamt ( KBA) bei der ursprünglichen Zulassung dieser Fahrzeuge geprüft? Oder wurde das KBA womöglich ausgetrickst? Oder hat man einfach geschlafen? Aber das ist ein anders Kapitel.