© APA/dpa/Jochen Lübke

Abgas-Skandal
11/19/2015

AdvoFin wird gegen VW Strafanzeige erstatten

Wiener Prozessfinanzierer schießt sich auf VW wegen mutmaßlcih nicht zeitgerechter bzw. fehlender Ad-Hoc-Meldungen ein.

von Kid Möchel

Die Abgas-Affäre des Volkswagen-Konzerns wird die Staatsanwaltschaft Braunschweig noch länger beschäftigen. Die Anklagebehörde führt nicht nur ein Ermittlungsverfahren wegen der manipulierten Stickoxid-Werte bei weltweit elf Millionen Fahrzeugen gegen VW, sondern prüft auch die zu niedrig ausgewiesenen CO2-Emissionen auf strafrechtlich relevante Handlungen. In letzterem Fall könnten zumindest 800.000 Fahrzeuge betroffen sein. Denn: Höhere CO2-Werte ergeben einen höheren Treibstoffverbrauch. Sollte sich der Verdacht von Straftaten erhärten, wird die Braunschweiger Justiz ein zweites Verfahren gegen den Auto-Riesen einleiten. Doch dem Autobauer droht weiteres Ungemach.

Der Wiener Prozessfinanzierer AdvoFin bereitet nicht nur Sammelklagen für VW-Anleger vor, sondern wird auch die Strafverfolgungsbehörden mobilisieren. Grund sind mutmaßlich fehlende, unvollständige und falsche Ad-hoc-Meldungen rund um die Abgas-Affäre.

"Unsere Anwälte arbeiten derzeit an einer Sachverhaltsdarstellung für betroffene Aktionäre, die wir in Deutschland einbringen werden", bestätigt AdvoFin-Vorstand Franz Kallinger dem KURIER. Zuletzt hat AdvoFin für 3000 geschädigte Immofinanz-Anleger 64,8 Millionen Euro Schadenersatz im Zuge einer außergerichtlichen Einigung herausgeschlagen.

Schwere Vorwürfe

VW könnte die mutmaßliche Verletzung der Veröffentlichungspflicht teuer zu stehen kommen. "VW hätte die Aktionäre zeitgerecht über das Nicht-Erreichen der Abgaswerte informieren müssen", sagt Kallinger. "Es wurden entsprechende Ad-hoc-Meldungen unterlassen." Nachsatz: "So wurden Milliarden Euro Anlegergelder vernichtet."

Laut Handelsblatt und dem ZDF-Magazin Frontal räumten Vertreter des Autobauers am 19. August in Gesprächen mit der kalifornischen Umweltbehörde CARB Unregelmäßigkeiten bei Programmen für die Motorsteuerung ein, heißt es unter Berufung auf eine Akte aus der niedersächsischen Staatskanzlei. Darin sei von einem „Teilgeständnis“ die Rede. Doch die VW-Verantwortlichen dürften schon viel früher Bescheid gewusst haben. „Mehr als ein Jahr lang fanden Gespräche statt, bis Volkswagen die Manipulation eingeräumt hat“, sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) im Oktober im Landtag in Hannover. „Dieses Eingeständnis hätte sehr viel früher erfolgen müssen.“ Zur Erklärung: Das Land Niedersachen ist Kernaktionär von VW und hält 20 Prozent der Aktien.

Nach Abschluss ihrer Prüfungen hatte die US-Umweltbehörde EPA am 18. September den Vorwurf der Abgas-Manipulation gegen VW öffentlich erhoben. Da lag der Kurs der VW-Vorzugsaktie noch bei rund 162 Euro. Zwei Tage später räumte VW Unregelmäßigkeiten ein. Am 22. September veröffentlichte der Konzern eine Gewinnwarnung. Da war der Kurs schon auf knapp 109 Euro runtergerasselt. Gestern, Mittwoch, betrug der Kurs noch rund 101 Euro. Dem Vernehmen nach bestreitet der VW-Konzern die Vorwürfe.

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