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70 Prozent billiger: Autobauer verlagern Produktion nach Ungarn

Audi, BMW und Mercedes-Benz haben mehrere Milliarden in ihre Werke in Österreichs östlichem Nachbarland gesteckt, auch Zulieferer sind vor Ort.
Mercedes Benz plant extension in Kecskemet, Hungary

Kecskemét liegt rund 960 Kilometer entfernt von Stuttgart. Die Kleinstadt (110.000 Einwohner) in der Großen Ungarischen Tiefebene, 90 Kilometer südöstlich von Budapest, ist seit 2012 ein wichtiger Produktionsstandort von Mercedes-Benz. Am Montag eröffnete Mercedes dort das nach eigenen Angaben größte Autowerk des Landes. 1 Milliarde Euro hat der Konzern investiert, um die Fabrik massiv auszubauen. Mit mehr als 5.000 Beschäftigten ist der Mercedes-Standort schon heute der größte Arbeitgeber der Region. Das Werk kann nun bis zu 400.000 Fahrzeuge pro Jahr produzieren – mehr als jede andere Mercedes-Fabrik in Europa. 

Der Grund ist simpel: „Die Produktionskosten in Deutschland sind in der Automobilindustrie die höchsten der Welt“, sagt Helena Wisbert, Professorin für Automobilwirtschaft an der Ostfalia Hochschule in Wolfsburg. In Ungarn liegen die Produktions- bzw. Lohnkosten rund 70 Prozent unter dem deutschen Niveau.

Ausbau der Werke

Bisher liefen in Kecskemét die A-Klasse und der SUV GLB vom Band. Jetzt kommt die elektrische C-Klasse hinzu. Dafür entstanden zwei neue Hallen für Karosserie und Montage, eine Lackiererei und eine Batteriemontage.

Intern klagt Mercedes zunehmend über die strukturellen Kosten in Deutschland, vor allem für Arbeit. „Jede Vergabe neuer Produkte und jede Zuweisung von Aufgaben an deutsche Standorte verschlechtert die relative Kostenposition“, hieß es kürzlich in einem Brief an die Beschäftigten. Der Konzern steht unter Druck: Absatz, Umsatz und Gewinn sind rückläufig, besonders die Zölle und der Wettbewerb in China belasten den Autobauer.

Mercedes ist aber nicht allein in Ungarn. Im ostungarischen Debrecen (200.000 Einwohner) hat der Münchner Autobauer BMW seine Zelte aufgeschlagen und im Herbst 2025 ein hochmodernes Werk für 2 Milliarden Euro eröffnet. Die Fabrik ist auf Elektroautos ausgelegt, den Anfang macht der SUV iX3. Zugleich werden Hochvoltbatterien hergestellt.

Bereits seit 1994 produziert Audi Hungaria in Györ, im Westen Ungarns. „Das Unternehmen produziert mehr als 170.000 Audi Fahrzeuge im Jahr sowie Karosseriebauteile für die Exklusiv- und Sportmodelle des Audi und Volkswagen Konzerns. Darüber hinaus bietet Audi Hungaria verschiedene kompetenzorientierte Dienstleistungen für den gesamten Volkswagen Konzern an“, teilt der Ingolstädter Konzern auf seiner Homepage mit. Auch dem VW-Mutterkonzern wird nachgesagt, in Györ künftig mehrere Modelle herstellen zu wollen.

Zulieferer vor Ort

Rund um die Werke hat sich ein ganzes Ökosystem deutscher Zulieferer gebildet. Bosch produziert Komponenten für E-Autos und unterhält in Budapest sein größtes europäisches Entwicklungszentrum. ZF Friedrichshafen betreibt in Budapest, Debrecen, Eger und Kecskemét Standorte. Produziert werden Getriebe und E-Achsen. Die Conti-Abspaltung Aumovio betreibt in der Hauptstadt ein KI-Entwicklungszentrum. Im vergangenen Jahr haben deutsche Autokonzerne rund 300.000 Autos in Ungarn gefertigt. Mehr Fahrzeuge wurden nur in Tschechien, der Slowakei und in Spanien produziert.

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