Wirtschaft 06.04.2012

1972 war eine Tankfüllung am teuersten

Nie war Tanken teurer wie heute. Soweit die Gerüchtebörse. Mit der Realität hat das nicht viel zu tun.

Faktum ist: Stellt man die Spritpreise in Relation zu den Einkommen, dann schaut die Welt der Autofahrer anders aus. Als Anfang der 1970er Jahre die Treibstoffpreise in die Höhe schossen war eine Tankfüllung am teuersten. Zwanzig Jahre später war Benzin günstiger zu haben. Derzeit ist das Preisniveau wieder hoch, aber immer noch niedriger als 1972.

Ein Facharbeiter der den im Kollektivvertrag festgelegten Mindestlohn verdient, muss heute für einen Liter Eurosuper siebeneinhalb Minuten arbeiten. Vor zwanzig Jahren waren es rund sechseinhalb Minuten. Für 1972 hat die Statistik Austria keine Zahlen für Superbenzin, sondern lediglich für Normalbenzin erfasst. Selbst für einen Liter vom billigeren Normalbenzin musste ein Facharbeiter damals neuneinhalb Minuten malochen.

Teurer Diesel

VW Golf: Früher verbrauchten die Autos mehr Sprit, wurden aber auch leichter gebaut.
© Bild: EPA

Am meisten Grund zur Klage haben die Besitzer von Fahrzeugen mit Dieselmotoren. In Relation zum Einkommen stieg die Arbeitszeit für einen Liter Diesel in den vergangenen zwanzig Jahren von knapp unter fünf Minuten auf fast sieben Minuten.

Zwar benötigen moderne Motoren weniger Sprit, aber die Autos haben an Gewicht und Motorleistung zugelegt. Ein Golf 1 (gebaut in Deutschland von 1974 bis 1983) hatte ein Leergewicht von 750 bis 805 Kilo. Beim Golf VI (gebaut seit 2008) fallen je nach Motorisierung zwischen 1217 und 1541 Kilo an. Der stärkste Motor im ersten Golf leistete 100 Kilowatt. Einen Golf VI gibt es mit 199 Kilowatt.

Manche Produkte sind in Relation zu den gestiegenen Einkommen billiger zu haben. Die zum Erwerb eines Kilo Brotes notwendige Arbeitszeit ist seit 1972 um drei Minuten gesunken.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

( Kurier ) Erstellt am 06.04.2012