Stefan Pierer, Pierer Mobility

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Wirtschaft
04/01/2020

180-Grad-Wende: Pierer schüttet für 2019 doch keine Dividende aus

Kurz davor hatte Stefan Pierer (KTM, Husqvarna) die Ausschüttungspläne verteidigt. Nun heißt es, man müsse die Händler unterstützen.

Noch am Mittwochvormittag hatte Stefan Pierer, Vorstand und Mehrheitseigentümer von Pierer Mobility, früher KTM Industries AG, im Ö1-Morgenjournal die Dividendenpolitik seines Unternehmens verteidigt: Für das Geschäftsjahr 2019 sollten 0,30 Euro je Aktie an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Für 2020 gebe es hingegen den Plan, keine Gewinnbeteiligung auszuzahlen.

Am Nachmittag kam dann die scharfe Kehrtwende: In einer Adhoc-Nachricht teilte das Unternehmen mit, dass auch für das abgelaufene Geschäftsjahr keine Dividende ausgeschüttet wird. Begründet wurde das mit den schärferen politischen Maßnahmen gegen das Coronavirus und den wirtschaftlichen Folgen für den derzeit geschlossenen Fachhandel.

Nach Darstellung der Börsenplattform derboersianer.com geschah der Kurswechsel infolge des großen öffentlichen Drucks und nach Interventionen aus Regierungskreisen.

Finanzielle Unterstützung

"Es ist davon auszugehen, dass die wirtschaftlich negativen Auswirkungen auf den Einzelhandel im Allgemeinen – und den Zweiradhandel im Speziellen – noch längere Zeit als bisher angenommen andauern", heißt es in der Aussendung. Daher werde es notwendig sein, das "Händlernetz in dieser schwierigen Zeit bestmöglich finanziell mit verschiedensten Maßnahmen zu unterstützen".

Als „befremdlich, ideologisch aufgeladen und den völlig falschen Zeitpunkt“ bezeichnet Robert Ottel, Präsident des Aktienforums, die politische Diskussion über ein Ausschüttungsverbot der Dividenden für 2019. Diese Forderung wurde etwa von SPÖ-Finanzsprecher Kai Jan Krainer erhoben, der ein Gesetz will, das Unternehmen, die Staatshilfe bekommen, untersagt, gleichzeitig eine Gewinnbeteiligung auszuschütten.

Auch die Arbeiterkammer Wien (AK) sprach sich dafür aus, die Auszahlung von staatlichen Hilfen an Auflagen zu knüpfen und fordert neben einem Dividenden-Stopp zusätzlich eine "Beschränkung der Managergehälter bei 500.000 Euro und die Streichung der Boni für das heurige Geschäftsjahr," hieß es in einer Aussendung vom Mittwoch.

"Zerstört Vertrauen"

Die Eigenkapitalgeber, darunter seien auch Pensionskassen und Mitarbeiterbeteiligungsstiftungen, würden zu den heimischen Unternehmen und Arbeitgebern stehen, sagt hingegen Ottel vom Aktienforum. Eine Sanktionierung der Nutzung von Kurzarbeit durch Einschränkung der Eigentumsrechte würde deren Zielsetzung konterkarieren und Arbeitsplätze vernichten.

„Politische Interventionen zerstören das grundsätzliche Vertrauen in die Integrität des Kapitalmarkts und deren Unternehmen", so Ottel. Gerade ausländische Investoren in den kleinen österreichischen Kapitalmarkt würden da genau hinschauen.

Verständnis

Der Kleinanlegervertreter Wilhelm Rasinger appellierte in der Debatte um die Dividendenausschüttungen indessen an die Solidarität der Aktionäre. "Die Aktionäre werden Verständnis haben müssen, wenn ihre Dividenden gekürzt werden. Die sind nicht in Stein gemeißelt," so Rasinger in den "Oberösterreichischen Nachrichten". Denkbar wäre jedoch aus seiner Sicht, einen Teil der Dividende bereits vor der Hauptversammlung auszuzahlen und über den Rest zu einem späteren Zeitpunkt zu entscheiden, so Rasinger laut dem Bericht.

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