162 Milliardäre besitzen so viel wie die halbe Weltbevölkerung

Bezos ist wahrscheinlich der reichste Mann der Welt
Vermögen der reichsten 500 letztes Jahr um ein Viertel gestiegen, inzwischen arbeiten Frauen weltweit pro Tag zwölf Milliarden Stunden unbezahlt.

Der Unterschied zwischen Arm und Reich in der Welt ist laut der Hilfsorganisation Oxfam weiterhin dramatisch hoch, die Schere geht weiter auseinander. Auch die Vermögenskonzentration habe an der Spitze im vergangenen Jahr weiter zugenommen, betonte die Organisation kurz vor Beginn der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos.

Die NGO beruft sich dabei unter anderem auf die Finanznachrichtenagentur Bloomberg, deren Angaben zufolge das Vermögen der 500 reichsten Menschen der Welt im Vorjahr um ein Viertel gestiegen ist. Vor allem auch zwischen Frauen und Männern ist der Wohlstand Oxfam zufolge ungleich verteilt. Demnach besitzen Männer weltweit 50 Prozent mehr Vermögen als Frauen.

Oxfam fordert, mehr in öffentliche Kinderbetreuung und soziale Absicherung in armen Ländern zu investieren, sowie weltweit Frauenrechte und -organisationen zu stärken. Auf der ganzen Welt müssten zudem Konzerne und Menschen mit sehr großem Vermögen einen fairen Anteil zum Allgemeinwohl beitragen.

 

Ein Grund für die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern ist der diesjährigen Studie "Time to Care" (deutsch etwa "Zeit, sich zu kümmern") zufolge von Frauen geleistete Arbeit zu Hause - wie etwa Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder Sorge für den Haushalt. "Frauen und Mädchen leisten den Löwenanteil unbezahlter Haus-, Pflege, und Fürsorgearbeit - weltweit pro Tag weit mehr als 12 Milliarden Stunden." Dies entspreche einem Gegenwert von mehr als 11 Billionen US-Dollar pro Jahr, wenn diese mit dem Mindestlohn bezahlt würden. Für Frauen stelle diese unbezahlte Arbeit häufig eine Armutsfalle dar.

Der Einfluss von sogenannter Care-Arbeit auf Einkommen, Vermögen, Bildungschancen und Armutsgefährdung erfahre im Zusammenhang mit Ungleichheit zu wenig Aufmerksamkeit, sagte Ellen Ehmke, Analystin für soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland. "Wir sollten den Wert dessen anerkennen."

"Der direkte Zusammenhang zwischen Vermögensungleichheit und Care ist, dass Frauen viel weniger Vermögen aufbauen können über ihr Leben, weil sie einen Großteil ihrer Arbeit in unbezahlter Pflege und Fürsorge leisten", sagte Ehmke. In ländlichen Gebieten ärmerer Länder verbringen Frauen täglich bis zu 14 Stunden mit Pflege- und Fürsorgearbeit, wie Oxfam berichtet. "Auch Mädchen müssen dabei häufig mithelfen." Die Klimakrise verschärfte die Situation - unter anderem weil etwa Wege zu Wasserstellen länger werden oder der Anbau von Gemüse schwieriger werde.

Auch in reicheren Ländern verschärfe die vornehmlich von Frauen geleistete Fürsorgearbeit die Ungleichheiten im Wohlstand. Solange es nicht ausreichend öffentlichen Angebote gebe für etwa Kinderbetreuung, könnten in Familien mit hohem Einkommen beide Eltern viel früher wieder arbeiten gehen als in Familien mit niedrigerem Einkommen. Dadurch werde die Ungleichheit zwischen Haushalten noch weiter vertieft.

Welt sieht in Kapitalismus "mehr Schaden als Gutes"

Eine andere Studie, die ebenfalls anlässlich des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos vorgestellt wurde, hinterlässt ebenfalls einen negativen Beigeschmack: Das kapitalistische Wirtschaftssystem trifft einer Umfrage zufolge in zahlreichen Ländern auf starke Skepsis.

In seiner derzeitigen Form richtet der Kapitalismus nach Auffassung der Mehrheit "mehr Schaden als Gutes in der Welt" an. Dieser Einschätzung stimmten in einer internationalen Erhebung der US-Kommunikationsagentur Edelman 56 Prozent der Befragten zu. Befragt wurden mehr als 34.000 Personen in 28 Ländern.

Das "Edelman Trust Barometer" wird seit dem Jahr 2000 ermittelt. Es misst das Vertrauen von Bürgern in zentrale Institutionen. Über die Jahre stellten die Autoren eine wachsende Wahrnehmung von sozialer Ungleichheit fest. "Die Menschen bezweifeln, dass die Welt, in der wir heute leben, optimal für eine gute Zukunft ist", erläuterte Studienleiter David Bersoff.

Zu den genannten Sorgen zählen das Tempo des technischen Fortschritts, Arbeitsplatzunsicherheit, Misstrauen in die Medien und das Gefühl, dass die nationalen Regierungen den aktuellen Herausforderungen nicht gewachsen seien.

Am wenigsten Vertrauen wird dem Kapitalismus in Thailand und Indien entgegengebracht. Auch in Frankreich ist die Skepsis hoch. Nur in Australien, Kanada, den USA, Südkorea, Hongkong und Japan widersprach eine Mehrheit der Negativbeurteilung. Generell genießt der Kapitalismus in Asien mehr Vertrauen als in anderen Gegenden der Welt. Österreich ist in der Umfrage nicht inkludiert.

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