150 Jahre Baukonzern Porr: Höhenrausch und Tunnelblick

Das Al-Wakrah-Stadion in Katar für die Fußball-WM 2022.
Vom Wiener Mauerfall bis zur digitalen Revolution: Das Wiener Unternehmen war an der Fertigung vieler Bauwerke im In- und Ausland beteiligt.

1869: Im indischen Porbandar wird Mahatma Gandhi geboren. In New York gründet der deutsche Auswanderer Marcus Goldman ein Unternehmen, das sich zum Investmentbanking-Riesen Goldman Sachs auswachsen wird. Und in Wien? Am 16. März genehmigt der Innenminister die Gründung der „Allgemeinen österreichischen Baugesellschaft“, die später unter dem Namen Porr zu einem der größten Bauunternehmen werden sollte. Nur rund drei Wochen später notiert die Aktie erstmals an der Wiener Börse – morgen, Montag, exakt vor 150 Jahren.

„Damit ist die Porr das älteste Unternehmen an der Börse“, sagt Karl-Heinz Strauss sichtlich stolz. Der Bau- und Immobilien-Profi ist seit Herbst 2010 Porr-Boss und hat seit seinem Einzug in der Chefetage das Unternehmen kräftig ausgebaut. Etwa beim Personal: Ende 2010 gab es rund 10.000 Mitarbeiter, „jetzt gibt es mehr als 20.000 Kolleginnen und Kollegen“, erklärt Strauss.

 

150 Jahre Baukonzern Porr: Höhenrausch und Tunnelblick

Bau der Großglockner Hochalpenstraße.

 

Mit vielen von ihnen wird er das Firmenjubiläum feiern. Von Mai bis Oktober wird er dafür jeweils Donnerstag und Freitag das Porr-Reich bereisen. Worauf ist er im Rückblick besonders stolz? „Auf die Porrianerinnen und Porrianer“, sagt Strauss ohne Nachdenken, „die sind das Fundament“. Der Pioniergeist sei durch eineinhalb Jahrhunderte hindurch wach geblieben.

Schon im ersten Jahr des Bestehens errichtete die noch blutjunge Baugesellschaft in Wien 28 Wohnhäuser an der Ringstraße und am Franz-Josephs-Kai. Der Hintergrund dafür: Ende 1857 war die kaiserliche Entscheidung gefallen, die Stadtmauern schleifen zu lassen und das Bauverbot für das Gebiet davor, Glacis genannt, aufzuheben. Das leitete einen unglaublichen Bauboom ein.

 

150 Jahre Baukonzern Porr: Höhenrausch und Tunnelblick

Bau der Wiener UNO-City.

Eines der ersten öffentlichen Gebäude, das die spätere Porr damals ausbaute, war das Straflandesgericht in der Hauptstadt, von den Wienern liebevoll „Landl“ genannt. Und schon im Gründungsjahr erfolgte der Auftrag zur Umgestaltung der Bahn von Linz nach Budweis. Die war noch als Pferdeeisenbahn unterwegs, die Porr sollte für die Elektrifizierung sorgen.

In den Jahren 1873 und 1874 errichtete die Gesellschaft in der Wiener Innenstadt ein Haus, das Weltbekanntheit erringen sollte: Denn zwei Jahre später legte sich der Gastronom Eduard Sacher das Gebäude zu, um unter seinem Namen ein Luxushotel zu eröffnen.

Fußball

Wirklichen Pioniergeist mussten die Porrianer immer wieder beweisen. Etwa ab 1930, als sie in großteils unerschlossenem Gebiet in bis zu 2600 Metern Seehöhe am Bau der Großglockner-Hochalpenstraße beteiligt waren (siehe Bild oben). Auch tief unter der Erde, im Tunnelbau, erwarb sich das Unternehmen Expertise. Gebraucht wurde die etwa beim (Mit-)Bau der Wiener U-Bahnen. Oder bei Tunnelprojekten im Rahmen von „Stuttgart 21“, einer riesigen Bahnbaustelle. Oder bei dem Bau einer U-Bahnlinie in Doha. Katar bereitet sich unter anderem auf die Austragung der Fußball-WM im Jahr 2022 vor. Die Porr gehört zu einem Konsortium, das eine der neuen Fußball-Arenen, das Al-Wakrah-Stadion, errichtet (siehe unten rechts).

Wer die Baubranche mit dem Schupfen von Ziegeln und dem Anrühren von Beton verbindet, mag teilweise noch recht haben. Heute gehören allerdings auch große Portionen technisches Know-how dazu. Die Digitalisierung hat auch diese Branche voll erfasst. Ausgerüstet mit einer Virtual-Reality-Brille können Auftraggeber durch das Modell ihres künftigen Gebäudes „gehen“ und müssen sich längst nicht mehr mit gezeichneten Plänen herumschlagen.

BMW-Komplex

Als Beispiel dafür, wie smart und effizient auch große Bauvorhaben abgewickelt werden können, erzählt Porr-Chef Strauss von einem neuen Bürokomplex des Autobauers BMW in München für rund 3000 Mitarbeiter. Für die Planung waren sieben Monate, für den Bau dann nur 13 Monate nötig. Wie früher gilt für Strauss aber auch heute: „Bauen hat die Porr in ihrer DNA.“

Die neuen Technologien scheinen zu locken: Die Porr werde mit Bewerbungen regelrecht bombardiert, erzählt der Firmenchef. Wo sieht Strauss die Herausforderungen der Zukunft für die Branche? „Bei der Nachhaltigkeit der Materialien. Und bei der Brennstoffzelle für die Mobilität.“

Porr aktuell

Laut vorläufigen Zahlen  wuchs 2018 die Produktionsleistung um 18 Prozent auf den Rekordwert von 5,6 Mrd. Euro. Der Bestand an Aufträgen überstieg erstmals die Marke von 7,0 Mrd. Euro. Durch den Druck auf die Margen (teurere Materialien, höhere Löhne durch Facharbeitermangel) blieb das Ergebnis aber „nur“ konstant. Die Porr gehört zu 53,7 Prozent  Karl-Heinz Strauss und Klaus Ortner. Der Rest ist im Streubesitz.

150 Jahre Baukonzern Porr: Höhenrausch und Tunnelblick

Der Wiener Ringturm entsteht.

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