Das Internet ist für alle da – oder?

Das Internet ist für alle da – oder?
Das WWTF Projekt „Roadmap DigiTrans“ erarbeitet die Rolle der Institutionen in der Förderung des Digitalen Humanismus.

Es braucht keine bestimmte Ausbildung, kein erforderliches Mindestalter oder teure Anschaffungen, um in die digitale Welt einzusteigen. Und dennoch haben nicht alle Menschen den gleichen Zugang zum Netz. Digitale Kluft nannte man früher das Phänomen, das Digital-Kundige von technisch Unerfahrenen unterschied, doch mittlerweile geht es um viel mehr. „Die Erwartung, dass im globalen Dorf plötzlich alle über ein Sprachrohr verfügen und Wissen für alle gleich zugänglich wird, hat sich in vielerlei Hinsicht nicht erfüllt bzw. wird sogar von unerfreulichen und nachteiligen Entwicklungen begleitet“, sagt Bernhard Jungwirth, Geschäftsführer des Österreichischen Instituts für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) und Leiter des Projekts „Roadmap DigiTrans“.

Das Projekt des ÖIAT, das den Umgang mit der Digitalisierung durch verschiedene Initiativen fördert und ausbaut, zielt nun speziell auf die Institutionen ab. „Wir wollen Vertreterinnen und Vertreter von Non-Profit- und öffentlichen Organisationen ein besseres Verständnis von Digitalisierung vermitteln, weil sie, in ganz unterschiedlichen Rollen, die digitale Welt wesentlich mitgestalten“, sagt Jungwirth.

Das Internet ist für alle da – oder?

Bernhard Jungwirth, Geschäftsführer ÖIAT 

Fokus Menschen

Im Zentrum der Roadmap stehen die Werte des Digitalen Humanismus. Ein Ansatz, der sich auf ein menschenzentriertes Verständnis von Technologie stützt. Technik wird dabei in erster Linie als ein Tool betrachtet, das dem Menschen nützlich und hilfreich ist. Wie weit wir davon im Moment entfernt sind, zeigen Phänomene wie Hass im Netz, die rasche Verbreitung von Fake News oder auch der Verlust von Privatsphäre. Neben Usern gibt es damit auch viele Loser, auch unter den Institutionen. „Viele sind überfordert von dem rasanten Fortschritt und haben einen großen Bedarf an Orientierung bei aktuellen digitalen Entwicklungen“, erklärt Jungwirth. Mit dem Fahrplan sollen sie für technischen Ausbau sowie auf Ebene sozialer und ethischer Fragestellungen zukunftsfit gemacht werden.

Regelwerk

Die Chancen der Digitalisierung wollen genutzt werden, die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig. Deshalb braucht es Regeln, die das digitale Miteinander definieren. Institutionen können hier wichtige Verbindungsglieder darstellen. Auch die Wissensvermittlung spielt dabei eine Rolle. Denn zum einen ist mit dem Internet ein gewaltiger Pool an Wissen verfügbar. Das bietet zahlreiche Möglichkeiten und Chancen. Zum anderen erfordert genau dieser Umstand von allen Nutzenden auch eine gewisse Kompetenz, um damit umgehen zu können. Die Auswahl der Information oder die Einschätzung der Glaubwürdigkeit des Inhalts stellt nicht wenige vor große Hürden. „Darüber hinaus: Die Digitalisierung des Lernens ist kein Selbstzweck. Wir sind gefordert, den tatsächlichen didaktische Mehrwert von digitaler Wissensvermittlung in der Praxis deutlich zu machen. Die einfachere Zugänglichkeit allein kann es nicht sein“, betont Jungwirth.

Ein „gutes digitales Leben“ ist, was es anzustreben gilt, sodass die Vernetzung eine Orientierung in einer immer komplexer werdenden Welt bietet, anstatt genau jene Verbindung durch die Schattenseiten der Digitalisierung zu kappen.