Wellness
20.01.2018

Skifahren: Pro & Contra

Wie leiwand ist Skifahren wirklich? Vier Brettln, zwei Meinungen: Die FREIZEIT-Redakteure ANDREAS Bovelino und BERNHARD PRASCHL über ihre Pistenerfahrungen.

Pro: Ohne Stress im 2. Durchgang

Andreas Bovelino

Wir Salzburger werden entgegen einigen Gerüchten nicht mit Skiern an den Füßen geboren, das ist nicht einmal Marcel Hirscher passiert. Nur schnallt man sie uns normalerweise relativ früh an. Mit vier Jahren war ich ein Fan von Alfred Matt, Patrick Russel und Jean Noël Augert, fuhr breitbeinig, mit dem Hintern wackelnd und furchtlos jeden Kinderhügel hinunter. Schneepflug? Langweilig. Man genießt die Geschwindigkeit und wirft sich zum Bremsen in den Schnee.

Knie zsam! „Knie zsam!“, sagte mein Vater und Skilehrer früh und mit gebührender Schärfe, „Talski belasten!“, „Weg vom Hang!“. Und: „Stell dich nicht so an!“, wenn ich auf der Buckelpiste beim Weitmoser-Lift die Nerven wegschmiss und am liebsten heulen wollte. Er war ein guter Vater. Aber kein guter Skilehrer. Im Salzburgischen Süden war er bekannt als „Blitz vom Kitz“, also nicht Kitzbühel, sondern Kitzsteinhorn. Was gut passt, weil er mich nach seinem Lieblingsskifahrer, dem echten Blitz aus Kitz benannt hat: Andreas Molterer. Ich fürchte, ich hab ihn ziemlich enttäuscht, was meine alpine Laufbahn anbelangt. Er hat vor lauter Vorfreude gleich nach den Sommerferien angefangen, unsere Ski zu präparieren, in seiner Werkstatt schliff er nächtelang Kanten und bügelte Wachs auf Rennbeläge. Ich hab gehofft, dass der Winter ausfällt. Mit zehn hab ich beschlossen, nie wieder Skifahren zu gehen, wenn ich einmal groß genug bin, um selbst darüber zu entscheiden. Nach meinem letzten Schulskikurs mit 15 habe ich diesen Vorsatz in die Tat umgesetzt.

Sohn auf SkiDas konnte ich gut 30 Jahre durchhalten. Dann kam unser Sohn. Und dieses diffuse Gefühl: Skifahren sollte er schon lernen. Und so wurde aus mir spät aber doch ein beinahe regelmäßiger Skifahrer. Den Anspruch, meinem väterlichen Vorbild nahezukommen und die Schlossalm von der Hohen Scharte bis ins Tal mit höchstens fünf perfekten Schwüngen zu bewältigen, hab ich nicht mehr, weil ich jetzt im Pflugbogen vor meinem Buben hergurke. Der überholt mich, weil er Schneepflug für langweilig hält. Ich pflücke ihn dann nach seiner Ganzkörperbremsung wieder aus dem Schneehaufen. Meine Liebste freut sich, dass wir endlich in die Berge fahren. Ich freu mich, mit einem befreundeten Vater in der Sonne rumzulümmeln, während unsere Kinder im Skikurs Spaß haben. Den Versuch, meinem eigenen Sohn Skifahren beizubringen, hab ich ganz schnell aufgegeben. Warum? Als er weinend nicht mehr weiterkonnte und wie üblich keinen meiner Ratschläge befolgte, hab ich ihm einen Satz entgegengeknurrt, der mich selbst erschreckt hat: „Stell dich nicht so an!“

Contra: Schnee von gestern

Bernhard Praschl

Jethose, Paraplex, Helm, eine Moog-Plattenbindung in Gold. Alles probiert. Nur Loch-Ski nicht und auch keinen C4. Der legendäre Ski von Franz Klammer. Vielleicht wäre mit ihm aus der Skifahrerkarriere ja wirklich etwas geworden. Aber muss ja nicht sein. Die Meierwiese am Pöstlingberg ist ja auch mehr Hang als Piste. Und Berg? Alpinaffine Menschen würden Hügel zum Linzer Hausberg sagen.

Furchtlos wie FranzEgal, in den schneesicheren Siebzigerjahren kannten wir als Schüler nur ein Ziel: Furchtlos wie Franz Klammer oder Annemarie Moser runterzubrettern. In der Realität schaute es zwar eher wie runterrutschen aus. Zumindest bei mir.

Die Schulskikurse in Saalbach-Hinterglemm und in Donnersbachwald sowie die Skiurlaube mit den Eltern im Zillertal hätten die Rutsch’n für mehr gelegt. Aber wie das Leben eben so spielt: Kaum griff ich in Ischgl mit der spacigen Moog-Plattenbindung nach den Sternen, riss ich auch schon einen Stern, einen kapitalen. Ich Semi-Flachländer hatte die Lage im Hochgebirge verkannt. Und verkantete. Autsch! Die Folge kann ich heute noch tasten: Eine schwere Luxation im linken Knie. Irgendwo muss ich noch den Nagel aufbewahrt haben, der das Bein damals zusammengehalten hat.

Der Pistenschreck Ist lange her und abgehakt. Und natürlich bedeutete dieses Handicap noch lange nicht das Ende meiner unvermeidlichen Existenz als Pistenschreck. Doch die Knochen werden auch nicht jünger, die Gelenke kaum geschmeidiger, und der letzte Skiausflug mit durch Nieselregen hartnäckig vereisten Brillen gab mir den Rest. Seither lagern Leider-nein-C4 im Keller.

Gymnastik mit Ilse Buck Nur noch jeder dritte Österreicher geht im Winter regelmäßig auf die Piste, lese ich. Da befinde ich mich also in guter Gesellschaft. Und ist ja auch wahr. Wahrscheinlich ist für uns gescheiterten Amateurracer die Loipe überhaupt die bessere Wintersport-Variante. Warum eigentlich nicht? Die Ilse-Buck-Skigymnastik und die Karl-Schranz-Hocke beim Zähneputzen sind natürlich nach wie vor ein Muss. Selbstverständlich auch im Sommer. Ich bin ja kein Golfspieler. Noch nicht.