┬ę Reinhard Vogel

Wellness
09/19/2018

Schlechtes Image: Warum wir Bienen lieben und Wespen hassen

Bienen und Schmetterlinge sind im Insektenranking hingegen am beliebtesten.

Wespen geh├Âren wie Bienen zu den ├Âkologisch und ├Âkonomisch wichtigsten Lebewesen. Beide best├Ąuben, aber Wespen halten auch Sch├Ądlinge im Zaum und dezimieren Insekten, die Krankheiten ├╝bertragen k├Ânnen. Trotzdem haben sie ein schlechtes Image und sind weitaus unbeliebter als Bienen. Diesen Umstand haben Forschende des University College London (UCL) mit einer Studie beleuchtet.

"Es ist klar, dass wir eine unterschiedliche emotionale Bindung zu Wespen als zu Bienen haben", sagte Studienleiterin Seirian Sumner gem├Ą├č einer Mitteilung des UC. "Wir leben seit langem in Harmonie mit Bienen zusammen und haben einige Arten domestiziert." Die Interaktionen zwischen Menschen und Wespen seien hingegen meist wenig harmonisch. Sumner nennt ruinierte Picknicks und Wespennester an Wohnh├Ąusern als Beispiele.

Um das Image von Bienen und Wespen n├Ąher zu beleuchten, f├╝hrten die Forschenden eine Umfrage durch, an der rund 750 Personen aus 46 L├Ąndern teilnahmen - ├╝ber zwei Drittel davon aus Gro├čbritannien. Darin ging es um ihre Wahrnehmung von Insekten wie Schmetterlingen, Fliegen, Bienen und Wespen. Die Befragten sollten drei W├Ârter nennen, um diese Insektengruppen zu beschreiben, und sollten bewerten, wie sie sich beim Anblick derselben f├╝hlten - egal wie wichtig sie f├╝r das ├ľkosystem seien.

Schmetterlinge und Bienen am beliebtesten

Tats├Ąchlich zeigte sich die bereits vermutete universelle Abneigung gegen├╝ber Wespen in den Antworten der Befragten, wie die Wissenschafter im Fachblatt "Ecological Entomology" berichteten. Gr├╝nde daf├╝r seien sehr wahrscheinlich ein mangelndes Interesse an Naturthemen und Unwissenheit um die ├Âkologische Rolle von Wespen, hie├č es in der Mitteilung. Schmetterlinge erhielten die h├Âchste emotionale Bewertung, dicht gefolgt von Bienen. In der Gesamtwertung waren Bienen jedoch am beliebtesten.

Neben der Befragung analysierten Sumner und ihre Kollegen au├čerdem, wie es in den vergangenen Jahrzehnten um die Forschung ├╝ber Bienen und Wespen stand. Auch hier zeigten sich die Wespen in Sachen Beliebtheit weit abgeschlagen: Von 908 untersuchten Fachpublikationen seit 1980 drehten sich 886 um Bienen und nur 22 um Wespen. Bei Konferenzbeitr├Ągen sah es kaum anders aus. Von 2.543 analysierten Beitr├Ągen aus den letzten 20 Jahren behandelte die ├╝berwiegende Mehrheit - rund 81 Prozent - Bienen.

Dieses Ungleichgewicht in der Forschung unterst├╝tze vermutlich noch das negative Image der Wespen, schreibt das University College London. Es gebe offenbar wenig Bem├╝hungen, die positive Rolle dieser Insekten im ├ľkosystem besser zu verstehen und zu kommunizieren.

Negative Einstellung

Die negative Einstellung gegen├╝ber Wespen sei durch eine kleine Anzahl sozialer Wespenarten bestimmt, wie der Gemeinen Wespe und der Hornisse, hie├č es weiter. Diese machen nur einen winzigen Bruchteil aller Wespen aus, kommen aber am h├Ąufigsten mit Menschen in Kontakt. Das l├Ąstige Verhalten sozialer Wespen erzeugt die Vorstellung, sie seien gef├Ąhrlicher als Bienen, obwohl ihr Stich ├Ąhnlich schmerzhaft ist.

Durch den R├╝ckgang von Bienenpopulationen und die weltweite Sorge um die Best├Ąubungsleistung, die damit verloren geht, genie├čen Bienen gro├čes Interesse und Unterst├╝tzung. Allerdings geht auch der Bestand der Wespen zur├╝ck, die ebenfalls wichtige Best├Ąuber sind.

Es w├Ąre fantastisch, wenn das Interesse an Bienen auch f├╝r Wespen gelten w├╝rde, lie├č sich Studienautor Alessandro Cini vom University College London und der Universit├Ąt Florenz in der Mitteilung zitieren. Aber das w├╝rde eine Wende in der Einstellung gegen├╝ber Wespen ben├Âtigen.

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