Wellness
26.08.2017

RunNa: Vorsicht, hochgradig ansteckend!

Egal ob topfit oder im Kampf gegen den Krebs: Laufen verändert.

Urlaubszeit ist Lesezeit. Zumindest bei mir. In der Regel kommen Bücher in den Koffer, die ich schon längstens lesen wollte, mir aber im Alltag bisher immer die Zeit dafür fehlte. Nicht so dieses Jahr: „Marathon Woman“ von Kathrine Switzer ist diese Tage mein treuester Begleiter am Strand. Das erste Mal habe ich es vor etwa zwei Jahren gelesen. Damals trainierte ich für meinen ersten Marathon, dementsprechend fasziniert war ich von der Geschichte der Frau, „die den Laufsport revolutionierte“, wie der Untertitel des Buches besagt.

Doch heute geht es mir gar nicht um die großartige Kathrine Switzer, sondern um einen Absatz gleich am Anfang auf Seite fünf in ihrem Buch: „Das Laufen ist eine einschneidende Erfahrung für Frauen. Es bewirkt Erfolgsgefühle, fördert Durchsetzungsvermögen und Selbstvertrauen. Kein Bereich unseres Lebens bleibt von dieser positiven und erfreulichen Veränderung unberührt.“

Weil man im Urlaub ja besonders viel Zeit hat, habe ich lange über diesen Absatz nachgedacht. Wie hat sich mein Leben durch das Laufen verändert? Ich bin ausgeglichener, sagen meine Eltern. Selbstbewusster sagen meine Freunde. Es gibt einige Bereiche in meinem Leben, die nicht Friede, Freude, Eierkuchen sind. Ganz im Gegenteil. Das hat mich geprägt. Das Laufen ist für mich Lebensfreude pur. Mich bewegen und dadurch auch meine Gedanken in Bewegung bringen. Ein Umdenken ist passiert. Nicht nur kurzzeitig nach dem Laufen, sondern langfristig. So komisch es für Nichtläufer klingen mag, aber ich kann mit schwierigen Lebenssituationen nun besser umgehen. Laufschuhe an, Welt aus. Oder an, je nachdem was gerade ansteht.

Run For IOV

Wie sehr Laufen das Leben positiv beeinflussen kann, habe ich zuletzt Anfang Juli beim Seiser Alm Halbmarathon gesehen. Obwohl es bei dieser Veranstaltung eigentlich nur einen Bewerb – nämlich den Halbmarathon – gibt, wurde für eine Gruppe von Frauen eine Ausnahme gemacht: 21 Brustkrebspatientinnen gingen gemeinsam mit medizinischem Personal an den Start, um die 21,1 Kilometer in der Staffel zu bewältigen. Jede Dame hat dabei einen Kilometer zurückgelegt, der Zieleinlauf erfolgte gemeinsam. Und obwohl es nur ein Bruchteil der eigentlichen Distanz war, die jede zurücklegte und die Zeit dabei sowas von keine Rolle spielte, überstrahlte die Freude der Frauen alles. Glücklich und stolz präsentierten sie beim gemeinsamen Teamfoto ihre Medaillen im Ziel. Doch es war nicht nur die Freude, die den Lauf so großartig machte: Für jeden gelaufenen Kilometer wurden 200 Euro für das Projekt Run For IOV (Instituto Oncologico Veneto) gespendet.

Entstanden ist das Projekt durch Sandra Callegarin, einer Patientin des onkologischen Instituts Veneto in Padua, die während ihrer Erkrankung im Laufen einen neuen Ansporn und eine Quelle der Energie entdeckte, um den Krebs zu bekämpfen. Sie entschied sich, ihre Erfahrung mit der Krankheit und dem Laufen mit anderen Betroffenen zu teilen. Mit dem Projekt will sie anderen Betroffenen Mut machen und die Sammlung von Spenden zugunsten der Brustkrebsforschung vorantreiben.

Gemeinsam mit ihrem Mann gründete daher die Organisation Run Your Life Again – RYLA. Bereits 2016 stellte sie sich gemeinsam mit einem Team von anderen betroffenen Frauen sowie medizinischem Personal der Herausforderung des New York Marathon. Seither macht das Team weiter und nimmt an unterschiedlichen Läufen teil, um Spenden für die Brustkrebsforschung zu sammeln.

Angesteckt

Auch in meinem Familien- und Bekanntenkreis gibt oder gab es sehr schwere Erkrankungen. Und auch ich habe miterlebt, wie selbst ein absoluter Antiläufer seit Abschluss der letzten Chemotherapie und dem OK vom Arzt nun regelmäßig zu Laufschuhen greift. „Es tut mir gut“, meint er. Waren es anfangs nur ein paar wenige Minuten, geht’s heute schon einmal im Laufschritt die Wiener Hausberge hoch.

Laufen und Kranksein. Eigentlich ein Widerspruch und doch haben sie so einiges gemeinsam: Laufen ist ein Virus – ansteckend und schnell ausbreitend. Aber ein positiver. Und das ist gut so.

Autorin Natascha Marakovits finden Sie auch auf Instagram.