Wellness
22.07.2017

RunNa: High-Running auf der Hochalm

Für Trailläufer und all jene, die es noch werden wollen.

Meeresbrise oder Gipfelsturm? Muss ich mich für eines entscheiden, bevorzuge ich in Sachen Urlaubsplanung ganz klar den Gipfelsturm. Wenigstens einmal im Jahr zieht es mich in die Berge. Nicht zum Skifahren, aber zum Wandern. Zumindest bisher. Dieses Jahr war es erstmals anders. Ich feierte Premiere im Traillaufen und tauschte somit Wander- gegen Laufschuhe.

So geschehen Anfang Juli in Südtirol. DerHalbmarathonauf derSeiser Almwar sozusagen Hardcore-Aufwärmen für die nächsten Tage. Denn die Region veranstaltet nicht nur jeden ersten Sonntag im Juli ein erstklassiges Laufevent, sondern bietet mit ihrem Running-Park insgesamt 20 Trails in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden mit einer Gesamtlänge von 180 Kilometern, die von April bis November belaufen werden können. Acht davon befinden sich direkt auf der Seiser Alm, der größten Hochalm Europas, in einer Höhenlage zwischen 1800 und 2300 Metern. Was gibt es also Feineres, als den geliebten Morgenlauf auf eine der Trailstrecken zu verlegen.

Direkt am Hotel vorbei führte der sogenannte Robert-Cheruiyot-Track, der in den darauffolgenden Tagen quasi zu meiner Heimstrecke wurde. Ein Teil davon entspricht der Halbmarathonstrecke. Mit 11,2 Kilometern und 245 Höhenmetern gilt er als schwierig, was mir nicht verborgen blieb ;-)

Eine kürzere, mittelschwere Strecke ist der Viktor-Röthlin-Track. Der steile Anstieg von Compatsch kann mittels Bahn bequem überwunden werden. Ausgangs- und Endpunkt ist am Puflatsch auf 2092 Metern. Auf 6,3 Kilometer mit 244 Höhenmetern bietet der Rundkurs traumhafte Tiefblicke auf Dörfer und umliegende Almen.

Highlight des Seiser Alm Running-Parks ist die längste und gleichzeitig auch schwerste Strecke – der Paul-Tergat-Track. Auf der 18,4 Kilometer langen und sehr anspruchsvollen Runde überquert man den gesamten südlichen Teil der Seiser Alm. Der Ausblick auf sanfte Almen und schroffes Gebirge entschädigen für die Mühen von 700 Höhenmetern. Diesen Track bin ich selbst nicht gelaufen. Nach dem Halbmarathon waren in Summe zwar nicht kürzere Strecken, aber vor allem weniger Höhenmeter angesagt.

Eine besonders schöne Strecke am Fuße der Seiser Alm ist der Völser-Weiher-Trail. Direkt vom Parkplatz der Seiser Alm Bahn im Tal startet der 8,6 Kilometer lange Rundkurs – einmal zum Naturbadesee Völser Weiher und zurück. Gelaufen wird hauptsächlich im Wald und mitsamt einem Sprung ins kühle Nass ist die Strecke somit ideal für heiße Sommertage. Darüber hinaus eignet sich der knapp einen Kilometer lange, flache Kurs um den See fürs Tempotraining.

Und was macht einen Bergurlaub erst richtig perfekt? Richtig, die Hütteneinkehr. Das Angebot ist so groß wie der Hunger nach vielen Kilometern in den Beinen. Da bleibt dann nur noch die Qual der Wahl ob Südtiroler Pressknödel oder doch der hausgemachte Topfenstrudel mit Buttermilch.

Fazit: Ich war noch nie am Berg gelaufen, geschweige denn in dieser Höhenlage. Gelände, dazu die Höhenmeter und vor allem die Höhenluft machten mir ordentlich zu schaffen. Mehr als gedacht. Wie sehr, zeigte mir meine schlaue Garmin anhand der VO2max. Die rasselte während dieser Woche ordentlich in den Keller. Ganz so schlau ist sie dann nämlich doch nicht: Laufen in der brettlebenen Hauptallee oder auffi und obi auf 2000 Metern sind nicht dasselbe. Dass einem da die Luft ausgeht und die üblichen Hf/Pace-Werte nicht zusammenpassen, ist klar.

Die Luft raubten mir jedoch nicht nur die Höhenmeter, sondern vor allem auch die fantastischen Ausblicke auf die Südtiroler Bergwelt. Abgelenkt durch die Schönheit der Natur kamen da jede Menge Kilometer zusammen. Abschließend kann ich sagen: Traillaufen macht auch keuchend Spaß! Auch beim nächsten Bergurlaub werden die Wanderschuhe wohl eher stehenbleiben und wieder gegen die Laufschuhe getauscht. Und bis dahin wird halt auf die Wiener Hausberge ausgewichen. Auch schön.