Wellness
22.09.2017

Rapunzel-Syndrom: 16-Jährige stirbt an Haarball im Magen

Weil eine 16-jährige Britin jahrelang ihre eigenen Haare aß, formte sich in ihrem Magen ein Klumpen, der schließlich zum Tod des Mädchens führte.

Ein tragischer Todesfall hat sich kürzlich in der englischen Kleinstadt Skegness ereignet: Am 7. November setzten bei der 16-jährigen Jasmine Beever plötzlich Symptome von Übelkeit und Erbrechen ein. Kurze Zeit später verlor sie das Bewusstsein. Das Mädchen wurde daraufhin mit der Rettung ins Krankenhaus gebracht, wo die Ärzte Untersuchungen anordneten und eine Not-OP durchführten.

Der Grund für die extremen Bauchschmerzen: Die Magenschleimhaut der Britin hatte sich wegen eines Haarballs entzündet. Der Defekt der Magenschleimhaut hatte wiederum ein Magengeschwür bedingt, welches platzte und zu multiplem Organversagen bei dem Mädchen führte. Die operative Maßnahme blieb letztlich erfolglos. Die Teenagerin starb noch am selben Tag. Das berichtet unter anderem die Regionalzeitung Lincolnshire Live.

Rapunzelsyndrom - was ist das?

Wie das Blatt berichtet, litt Jasmine Beever an Trichophagie. Trichophagie bezeichnet das krankhafte Verschlucken von Haaren, was zu schwerwiegenden Problemen mit dem Magen oder Darm führen kann. Das damit verbundene Syndrom beim Menschen wird, benannt nach dem langhaarigen Mädchen Rapunzel aus Grimms Märchen, als Rapunzelsyndrom bezeichnet.

Vergangenes Jahr berichtet das Fachmagazin BMJ Case Reports über einen ähnlichen Fall. Eine 38-jährige Frau ließ sich wegen diffuser Beschwerden wie Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung ins Krankenhaus einliefern. Nach zahlreichen Untersuchungen vermuten die behandelnden Ärzte einen Darmverschluss bei der Frau und ordnen eine OP an. Die Operation zeigt schnell, was die Ursache der Beschwerden ist: Ein riesiger Haarball füllt den Magen der Frau aus, ein Fortsatz des Knäuels ragt bis in den Zwölffingerdarm. Im Dünndarm entdecken die Chirurgen noch ein weiteres, kleineres Büschel.

Internist Faiz Anwer von der University of Arizona, der den Artikel in dem Journal publizierte, schreibt in seinem Artikel, dass das Rapunzelsyndrom zwar äußerst selten sei, es dennoch 88 dokumentiere Fälle in der Fachliteratur gebe. Die Betroffenen litten vor allem unter Gewichtsverlust, Blutarmut und Darmverstopfungen. Bei einzelnen kam es aber auch zu Rissen in der Magen- oder Darmwand und zu lebensbedrohlichen Entzündungen. Mehrere Patienten hatten Depressionen, Ängste oder Bulimie.