Ein Bild der Fotoserie "Into Oblivion".

┬ę Maja Daniels

Fotoserie: Ein Blick auf Demenz
12/09/2016

Fotoserie: Ein Blick auf Demenz

Die Fotoserie "Into Oblivion" macht das Leben und den Alltag demenzkranker Menschen zum Thema.

Im Vergessen offenbart sich die Tragik der Demenz. Auch die Betroffenen selbst geraten oft in Vergessenheit. "Into Oblivion", zu Deutsch "In Vergessenheit", ist der Titel der Fotoserie von Fotografin Maja Daniels.

Bevor die schwedische K├╝nstlerin auch nur ein Foto schoss, verbrachte sie fast ein Jahr mit den Mitarbeitern des Krankenhauses St. Thomas de Villeneuve, nahe der franz├Âsischen Stadt Rennes im Nordwestes des Landes. Auch zu den Angeh├Ârigen der dort lebenden Patienten suchte Daniels Kontakt. ├ťber die Monate hinweg baute sie zu manchen Familienmitgliedern enge Beziehungen auf. Dann begann sie zu fotografieren.

Von T├╝ren und Toren

Zwei Jahre sp├Ąter war die Fotostrecke "Into Oblivion" komplett. Beim Betrachten der Bilder f├Ąllt sofort ein zentrales Motiv auf: T├╝ren. Da die demenzkranken Patienten dazu neigen, sich in den R├Ąumlichkeiten des Spitals zu verirren, verbringen sie ihren Alltag in einer geschlossenen Abteilung. Eine versperrte T├╝re trennt sie vom Rest des Krankenhauses.

Obwohl sich die Menschen in der Abteilung frei bewegen k├Ânnen, geht von dieser T├╝re gro├če Faszination aus. Getrieben von Langeweile versammeln sich die Senioren dort t├Ąglich, versuchen das geheimnisvolle Tor zu ├Âffnen und den Ort dahinter zu erkunden - oft stundenlang.

Die Fotoserie dokumentiert nicht nur den Alltag der Spitalsbewohner und die t├Ąglichen Herausforderungen in der Einrichtung, auch die gr├Â├čeren Auswirkungen der ├╝beralternden westlichen Gesellschaft aufgrund der steigenden Lebenserwartung im Zusammenspiel mit der Aufl├Âsung traditioneller famili├Ąrer Strukturen werden zum Thema gemacht.

F├╝r ihre kreative Arbeit wurde Daniels k├╝rzlich vom "Bob and Diane Fund" mit einer F├Ârderung ausgezeichnet. Die Organisation unterst├╝tzt die visuelle Darstellung von Demenz in der ├ľffentlichkeit finanziell.

Demenzprognosen im Wandel

Gemeinsamen Sch├Ątzungen von Weltgesundheitsorganisation WHO und Alzheimer's Disease International zufolge litten 2015 weltweit 46,8 Millionen Menschen an Demenz. In ├ľsterreich leben derzeit 115.000 bis 130.000 Menschen mit der Erkrankung, deren h├Ąufigste Form die Alzheimer-Krankheit ist. Die Prognosekurven f├╝r die kommenden Jahre gehen teilweise steil nach oben. Bis 2050 soll sich der Anteil allein in ├ľsterreich wegen der steigenden Lebenserwartung auf mehr als 260.000 Menschen erh├Âhen.

Eine Studie der University of Michigan ergab jedoch k├╝rzlich, dass der Anstieg nicht so gravierend ausfallen werde. Im heurigen Fr├╝hjahr zeigten auch Studien aus Gro├čbritannien und Spanien einen gewissen R├╝ckgang des Erkrankungsrisikos unter j├╝ngeren Generationen. Verantwortlich f├╝r die positive Entwicklung werden bessere Bildung und der ges├╝ndere Lebensstil der j├╝ngeren Generationen gemacht.

Weitere Informationen zum Projekt "Into Oblivion" und alle Bilder der Serie finden Sie hier.

Jederzeit und ├╝berall top-informiert

Uneingeschr├Ąnkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare