Gegen den Einheitsbrei, für mehr Vielfalt in der Ernährung.

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Gesunde Ernährung ist? - Essen ohne Einheitsbrei
06/18/2016

Gesunde Ernährung ist? - Essen ohne Einheitsbrei

Ernährung ist so individuell wie die Augenfarbe, Selbstgekochtes bewahrt vor Einheitsbrei.

von Ernst Mauritz

Welche Ernährungsweise ist eigentlich "gesund"? – "Ich kann Ihnen das gar nicht sagen", sagte der Ernährungswissenschaftler Christian Putscher Donnerstagabend beim KURIER-Impulsgespräch mit Martina Salomon (stv. Chefredakteurin des KURIER) zum Thema Ernährung in Wien. "Gesunde Ernährung ist individueller als die Schuhgröße, die Haarfarbe oder die Augenfarbe."

Wer zum Beispiel versuche, mithilfe einer speziellen Diät abzunehmen, der stülpe sich ein Konzept von irgendjemandem über, "der Sie womöglich gar nicht persönlich kennt". Putscher warnte vor vorgefertigten Abnehm- und Ernährungskonzepten: "Ich kann Ihnen nur dann sagen, was eine gute Ernährung für Sie ist, wenn ich erfahre, wie Ihr Tagesablauf aussieht, wenn ich viel über Sie und Ihr Ziel weiß."

Und die Konsumenten sollten viele der Werbebotschaften und Allgemeinplätze kritisch hinterfragen: "Wie kann es sein, dass in einem Nahrungsergänzungsmittel die Vitamine angeblich zwei Jahre haltbar sind – in einem Apfel aber nach einer Woche tot sein sollen?" Letzteres werde behauptet – "aber es stimmt nicht".

Naturbelassene Lebensmittel

Wer auf möglichst naturbelassene Lebensmittel setze, könne wenig falsch machen: "Wenn oft gesagt wird, Honig sei nicht besser als Zucker, habe ich ein Problem: Ein Glas Honig haben Sie noch nicht ausgelöffelt, weil bei natürlichen Produkten warnt Sie der Körper, bevor es zu Schäden kommt. Hingegen können Sie von einem Palmöl-Zuckeraufstrich mit Haselnussgeschmack bei Liebeskummer auch ein 400-Gramm-Glas in sich hineinschaufeln – obwohl der Aufstrich zu 50 Prozent aus Zucker und 25 Prozent aus Palmöl besteht." Aber die Zunge kann dieses Fett nicht wahrnehmen. Dabei könne regelmäßiger Palmölkonsum "die Blutfette in die Höhe schnalzen lassen".

Nahrungsmittelvielfalt

Vor einem " Einheitsbrei" in der Lebensmittelversorgung warnte Barbara van Melle, Chefin von Slow Food Wien. "Mit nur zehn Nutztierrassen werden heute 90 Produzent unseres Fleischkonsums abgedeckt, und alleine in Österreich sperren jährlich 60 Bäcker zu." Zur Sicherung der Nahrungsmittelvielfalt hat Slow Food jetzt vier weitere seltene Arten in die "Arche des Geschmacks" aufgenommen: die Leithaberger Edelkirsche, das Waldviertler Blondvieh, das Waldstaudekorn sowie das Lesachtaler Bauernbrot.

Selbstkochen statt Fertigprodukte

Van Melle hielt ein Plädoyer fürs Selbstkochen: "Es ist eine der Überlebensfähigkeiten des Menschen. Erst durch die Zubereitung von gekochter Nahrung konnte das Gehirn des Menschen wachsen." Die derzeitige Entwicklung sei "pervers": "Auf der einen Seite boomen Kochbücher und Kochsendungen, auf der anderen Seite lassen wir – mit den Fertigprodukten – das Kochen von anderen für uns erledigen."

Koproduzenten

Slow-Food-Anhänger "nennen sich nicht mehr KonsumentInnen, sondern KoproduzentInnen", sagte van Melle: "Wir müssen wieder mit den Menschen, die unsere Lebensmittel herstellen, in Kontakt treten. Wenn man fragt, ,wann haben Sie zuletzt Äpfel gepflückt‘, dann merkt man an den Antworten, dass das etwas ganz Seltenes geworden ist."

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