Weihnachten
11.12.2011

Frohe Firmen feiern

Machen Weihnachtsfeiern Stress? Oder doch Sinn? Ein Blick auf die Geschenklisten und Partys der heimischen Unternehmen.

Bei der Meisterstrasse Österreich ist die Weihnachts-Welt noch in Ordnung: Da bäckt die Chefin Kekse, da kocht der Chef Feuerzangenbowle, da kommen Mitarbeiter, ihre Partner und Ex-Mitarbeiter, lachen und fühlen sich wohl. „Sehr unspektakulär, aber wirkungsvoll und einfach nett“, wie Nicole Rath resümiert. Ob schlechtere oder bessere wirtschaftliche Zeiten: „Gefeiert wird“, sagt Rath.

Glücklicher kleiner Familienbetrieb! Aber was tun, wenn das Unternehmen über 38.000 Mitarbeiter zählt? „2012 wird kein einfaches Jahr“, glaubt Tinkler, Sprecherin der Rewe Group (Billa, Bipa, Penny, Merkur). Die Folge: Man spart vorab. 2011 gibt es keine Weihnachtsfeier. Nur ein informelles Get-together mit Punsch und Keksen. 2010 feierte man noch groß im Magna Racino, 1800 Beschäftigte (Mitarbeiter der Zentrale, Verkaufs- sowie Rayons-Leiter) waren geladen, das Show-Programm war kostenintensiv, bei Essen und Trinken war man nicht knausrig. Haben Mitarbeiter Verständnis dafür, dass man ihre Feier absagt? Tinkler: „Ein Stück weit schon. Man muss das gut kommunizieren.“ Nur in den Abteilungen statt zentral und groß gefeiert wird dieses Jahr auch bei der EVN AG. Lieber wollte man für die Kunden der „Gruft“ kochen. Doch es blieb beim schönen Gedanken: Man bekam vor Weihnachten keinen Termin mehr.

 

Beisel statt Hofburg

„Schlechtere wirtschaftlichen Jahre – schlichtere Feiern: Das ist durchaus der Fall, wenn auch nicht in allen Unternehmen“, weiß PR-Profi Angelika Svoboda. Rewe-Konkurrent Spar etwa feiert auch heuer und lädt 700 Mitarbeiter (von 38.000) in das Kongresshaus Salzburg – zu Jubilarehrung, Musik und Dinner. Dass man statt in der Hofburg im Beisl zusammenkommt, wäre aber an sich kein Problem. Svoboda: „Wichtig ist vor allem, Mitarbeitern mehrmals im Jahr die Möglichkeit zu geben, privat Kontakt zu haben.“ Das bedeutet: Gar nicht zu feiern, kostet oft mehr Synergieeffekte, als man Geld spart. „Eine Weihnachtsfeier hat auch mit Wertschätzung zu tun. Es ist wichtig, Dankbarkeit gegenüber den Mitarbeitern auszudrücken und ihren Einsatz für das Unternehmen hervorzuheben“, erklärt Svoboda.

Ein Satz, den man manchen Vorgesetzten auf die Weihnachtskarte schreiben müsste. Denn die Chefetage nutzt die Weihnachtsfeier interessanterweise oft dazu, sich richtig unbeliebt zu machen. Das fängt damit an, gewisse Mitarbeiter – etwa jene in Karenz – nicht einzuladen, setzt sich fort bei der Sitzordnung und gipfelt in der Chef-Ansprache. „Ich habe nicht selten gehört, dass sich Mitarbeiter sehr aufgeregt haben, wenn es einseitige Belobigungen gab, andere jedoch nicht vorkamen“, weiß Werner Leeb, Psychologe und Trigon-Berater. Intelligente Vorgesetzte nehmen die Rede am Jahresende daher auch mit Punschglas in der Hand ernst.

Der Parfümerie- und Kosmetikkette Marionnaud weht in Österreich wirtschaftlich ein rauer Wind entgegen. Weihnachten lässt man trotzdem in jeder der 101 Filialen feiern. Damit die Mitarbeiter nicht nur an der Deko erkennen, dass wieder ein Jahr geschafft ist. Leeb: „Weihnachtsfeiern als rituelle Unterbrechung der Zeit helfen gegen das Hamsterrad-Syndrom. Das Abschließen setzt mentale Entlastungsmechanismen in Gang, die der Mensch braucht.“

 

Steuer: Gemeinsam Trinken ist absetzbar

356 Euro Für Betriebsveranstaltungen, also auch Weihnachtsfeiern, gibt es pro Arbeitnehmer und Jahr einen Steuerfreibetrag von 365 Euro. Ein Mehrbetrag wäre steuerpflichtiger Arbeitslohn. Darüber hinaus bleiben Sachzuwendungen wie etwa Geschenke bis zu einem jährlichen Höchstbetrag in Höhe von 186 Euro je Mitarbeiter steuer- und beitragsfrei.

Wie man sich beim Feiern die Karriere ruiniert

Weniger als zwei Stunden pro Jahr sprechen Mitarbeiter im Schnitt ihre Chefs: Die Weihnachtsfeier wäre die Chance, sich ungezwungen nahezukommen, ob in Buffetschlangen oder am WC. Der perfekte Moment, sich als interessanter Mitarbeiter zu präsentieren? Leider passiert oft das Gegenteil. Die Gründe:

Zu viel Alkohol Alles kostenlos, ständiges Nachschenken – über das eigene Limit zu trinken, ist die größte Gefahr. Unbedingt vermeiden!

Schlechte Manieren Dem Chef die Meinung sagen? Mit dem Praktikanten am Klo schmusen? Auf der Bar tanzen? Lassen Sie es sein. Die Weihnachtsfeier ist keine Privatparty. Verhalten Sie sich so, wie Sie auch während des Büroalltags sollten: Interessiert, höflich, nicht zu emotional.

Falsche Kleidung Enge Leder-Tops, bis zum Bauch aufgeknöpfte Hemden – nicht auf der Weihnachtsfeier. Bleiben Sie in Ihrer Rolle. Je höher in der Hierarchie, desto besser müssen Sie sich kleiden. Schmuddelig oder supersexy ist tabu.

Der Büroflirt Eine harmlose Knutscherei hat schon Karrieren geknickt. Bürotratsch ist bedeutsamer als man denkt. Wer sich wirklich am Fest verliebt: Vereinbaren Sie ein Treffen fernab der Kollegen-Augen.

Die Verbrüderung Da sitzt man endlich am Chef -Tisch, wird wahrgenommen, und irgendwann folgt: „Sag doch Herwig zu mir“. Nehmen Sie Du-Angebote nicht allzu ernst. Auch Chefs trinken über den Durst und sind peinlich berührt, wenn man sie im Jänner plötzlich mit einem jovialen „Servas“ begrüßt.