Die historischen Wurzeln der Proteste im Iran
Die anhaltenden Proteste im Iran lassen sich nicht isoliert betrachten. Sie sind Ausdruck einer jahrzehntelangen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung. Die Ursprünge reichen weit zurück.
Ein zentraler Wendepunkt liegt in den frühen 1950er-Jahren: Damals verstaatlichte der Iran seine Erdölindustrie, um stärker von den eigenen Ressourcen zu profitieren. Die demokratisch gewählte Regierung unter Premierminister Mohammad Mossadegh wurde jedoch 1953 durch einen von den USA und Großbritannien unterstützten Geheimdienst-Putsch gestürzt. In der Folge festigte der Schah seine Macht.
Die jahrzehntelange Repression unter dem Schah, gestützt durch Sicherheitsapparate und politische Verfolgung, führte 1979 zur Islamischen Revolution. Doch der Sturz der Monarchie brachte keine demokratische Öffnung: An ihre Stelle trat die Islamische Republik, ein theokratisches System, in dem religiöse Führungsstrukturen bis heute zentrale politische Macht ausüben.
Seit mehr als vier Jahrzehnten werden politische Opposition, Medienfreiheit und grundlegende Bürgerrechte massiv eingeschränkt. Proteste, etwa von Studierenden, Frauen oder Arbeiterinnen und Arbeitern, wurden immer wieder gewaltsam niedergeschlagen. Der Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini im Jahr 2022, nachdem sie von der Sittenpolizei festgenommen worden war, wurde international zum Symbol dieser Repression und löste landesweite Proteste aus.
Auch die aktuellen Demonstrationen stehen in diesem historischen Zusammenhang: Sie richten sich gegen wirtschaftliche Not, steigende Inflation und politische Unterdrückung – und gegen ein System, das Reformen kaum zulässt. Gleichzeitig kursieren international zahlreiche vereinfachende Erklärungen, Schlagworte und Zuschreibungen, die der komplexen Realität im Iran oft nicht gerecht werden.
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