Auch im Iran geht es ums Öl

Pro-government rally in Tehran
Trotz Sanktionen liefert der Iran nach wie vor Millionen Liter Öl in die Welt, vornehmlich an China. Donald Trump will diesen Ölfluss nun endlich abdrehen– denn das würde die Teheraner Elite schmerzlich treffen.

Was auch immer Donald Trump tut, mit einem Auge schielt er stets auf die Ölpreise. Als seine Leute den venezolanischen Machthaber Nicolas Maduro aus Caracas entführten und in New York vor den Richter stellten, rührte das die Märkte kaum, ebenso wenig die Ankündigung, dass sich die USA das dortige Ölgeschäft unter den Nagel reißen würden. Zu unbedeutend ist Venezuelas jetzige Rolle im großen globalen Ölgeschäft, zu unberechenbar die dortige Zukunft.

Beim Iran ist das anders. Zwar exportiert der Mullahstaat seit 2022 laut offiziellen Teheraner Statistiken kein Öl mehr. Aber seit die Menschen dort gegen ihr Regime auf die Straßen gehen und Donald Trump angedroht hat, darauf „mit voller Härte“ zu antworten, klettert die Ölpreis-Kurve nach oben. Und seit Trump angekündigte, alle Staaten mit Sekundärzöllen zu belegen, die mit dem Iran handeln, steigt der Preis sprunghaft.

Bereits 2000 Tote

Möglich ist das, weil der Iran bei weitem nicht so international isoliert ist wie gewünscht. Zwar haben die EU und die USA die iranische Wirtschaft erst im September massiv sanktioniert, das hinderte die Mullahs und ihre Elite aber nicht daran, das Öl trotzdem weiter in die Welt zu liefern. Geschätzt 1,38 Millionen Barrel Rohöl pro Tag gehen laut dem Branchendienst Kpler allein nach China, das 80 Prozent des iranischen Öls bekommt – das sichert dem Land trotz internationaler Ächtung Platz zehn in der globalen Ölwirtschaft.

Dass Donald Trump nun mit den 25-Prozent-Zöllen für Irans Handelspartner die wirtschaftlichen Daumenschrauben weiter anzieht, bevor ein militärisches Eingreifen auf dem Plan steht, ist darum logisch. Seit vor etwas mehr als zwei Wochen die Teheraner Händler wegen des verfallenden Rial auf die Straße gingen und sich immer mehr Menschen den Protesten anschlossen, haben die iranischen Sicherheitskräfte mit immer weiter eskalierender Gewalt reagiert. 2000 Menschen seien bereits bei den Protesten bereits getötet worden, hieß es am Dienstag – das behaupteten keine NGOs, sondern die Zahl veröffentlichten die iranischen Behörden selbst.

Schlag gegen Elite

Versiegt der Ölfluss Richtung China, träfe das vor allem die korrupte Elite rund um Ayatollah Ali Khamenei. Größter Profiteur des schmierigen Geschäfts ist Reedereibesitzer Mohammad Hossein Shamkhani, dessen Vater, Ali Shamkhani ein enger Berater Khameneis ist. Er führt ein undurchsichtiges Geflecht aus Schattenfirmen, die das iranische Öl per Schiff Richtung Osten liefern – unter falscher Flagge, meist mit gefälschten Papieren. Auch jener venezolanische Öltanker unter russischer Flagge, den die USA kürzlich im Atlantik festsetzen, hatte möglicherweise iranisches Öl an Bord.

Schaffen die USA es tatsächlich, Shamkhanis Geschäfte zu beschneiden, wäre das auch unangenehm für Wladimir Putin. Dessen Firmengeflecht ist auch für Moskau tätig, das sein ebenso sanktioniertes Öl auch per Schattenflotte an seine Abnehmer liefert – und auch hier ist China Handelspartner Nummer eins.

Wenn sowohl Russland als auch der Iran weniger Öl ausliefern, wäre das durchaus im Sinne des Weltmarktführers USA. Und die Mullahs würde ein Ende des Ölgeschäfts doppelt schmerzen: Bisher scheinen die Transaktionen eben wegen der Sanktionen nirgendwo offiziell auf, sondern die Chinesen kaufen das Öl zum Dumpingpreis per Tauschhandel. Peking bezahlt, indem seine Staatsfirmen Infrastrukturprojekte im Iran umsetzen; das Wall Street Journal schätzt, dass 2024 so bis zu 8,4 Milliarden US-Dollar in den Iran geflossen sein sollen.

Was macht Trump?

Über all dem schwebt die Drohung Trumps, auch militärisch eingreifen zu wollen. Er hatte den Protestierenden ja lautstark Beistand zugesagt. Am Dienstag hieß es, er sei einem Militärschlag nicht abgeneigt, wie Axios berichtete, setze aber vorerst noch auf Diplomatie. In Teheran ließen Offizielle wissen, dass man sogar für ein Treffen bereit sei.

Auch die EU denkt über weitere Sanktionen nach, verkündete Außenbeauftragte Kaja Kallas am Dienstag. Man bereite Maßnahmen gegen Iraner vor, die für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich seien, sagte sie.

Konkret müsste das die 200.000 Mann starken Revolutionsgarden treffen, die für Khamenei die schmutzige Arbeit auf der Straße erledigen. Dass sie wie in den USA auf die Terrorliste kommen, ist schon seit Jahren im Gespräch. Damit würde Brüssel dem Regime einen weiteren Geldhahn zudrehen: Die Garde hat einen großen Teil ihrer Reserven in EU-Staaten gebunkert.

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