Kolumnistenpaar Kuhn-Hufnagl: „Ein Lebensabschnitt geht zu Ende“
Nach 14 Jahren erschien die Kolumne „Paaradox“ zum letzten Mal. Ein Blick zurück des „liebevoll getrennten“ Paars.
KURIER: Sprecht ihr euch auch im echten Leben mit „gnä Kuhn“ und „der Mann gegenüber“ an?
Gabriele Kuhn: Nein. Im Normalfall ist er der Michi, und wenn’s ernst wird, der Michael.
Michael Hufnagl: Ironisch rutscht mir das schon manchmal raus, also etwa: „Na, gnä Kuhn, wer wird denn die Flaschen wegbringen?“
Michael, du hast ja eine spezielle Verbindung zum KURIER.
Hufnagl: Ich bin ein „KURIER-Kind“, mein Vater war hier Kulturchef, er hat den Watschenmann und die „Kopfstücke“ geschrieben. Und beim KURIER habe ich dann auch noch die Gaby kennengelernt.
Bei einer Büro-Weihnachtfeier seid ihr euch dann nähergekommen.
Kuhn: Ja – also er ist mir nähergekommen. Es hat rasch gefunkt.
Hufnagl: 1997 im Lusthaus.
Zur ausführlichen KURIER TV-Sendung "Salon Salomon" mit Michael Hufnagl und Gabriele Kuhn
Was verbindet, was trennt euch?
Kuhn: Uns trennt mittlerweile einiges – unser Leben oder eigentlich: unser Zugang zum Leben, wie sich über die Jahre gezeigt hat. Aber uns verbindet auch enorm viel.
War die Kolumne auch ein wenig Therapie für euch beide?
Hufnagl: Ich habe schon manchmal gesagt: „Lies das mal, und dann red’ ma drüber.“ Manchmal haben wir auch gestritten wegen der Kolumne.
Kuhn: Einmal meinte er: „Das kannst du so nicht schreiben.“ Da war ich wohl wirklich übersarkastisch und habe es umgeschrieben.
Hufnagl: Da ging es aber um den Tonfall und nicht um das Thema.
Eure Selbstbeschreibung in einer Kolumne war einmal: „Dauerredner mit Sendungsbewusstsein“: klingt für mich sehr anstrengend.
Kuhn: Ist es auch! Ich gebe zu, ich neige dazu, Dinge bis ins letzte Molekül zu zerreden. Und wir haben beide den Drang, unbedingt recht zu haben – das kann aber er besser.
Hufnagl: Manchmal hat sie mir dann sogar ein Mail – was heißt: ein Epos! – geschrieben, damit sie einmal ohne Unterbrechung einen Gedanken ganz ausführen konnte. Grundsätzlich finde ich das gar nicht so schlecht zu sagen: „Gib mir mal den Raum.“
Kuhn: Wir haben uns ja sogar über Mails im KURIER-internen Netz kennengelernt. Er hat ständig geschrieben – very flirty. So fing es an.
2021 wurde aus dem „Mann nebenan“ der „Mann gegenüber“, weil er aus- aber in die Nähe gezogen ist. Wie ist der Beziehungs-Status quo?
Hufnagl: „Liebevoll getrennt“, weil sich Lebensrealitäten auseinanderentwickelt haben. Und nach – also wie viel Jahren?
Kuhn: 28.
Hufnagl: Da haben wir uns gefragt: „Wie tun wir weiter?“ Das Ausziehen war ein Schritt in Richtung mehr Unabhängigkeit.
Kuhn: Allein zu leben war damals für mich schon eine Horrorvorstellung. Aber er hatte andere Beziehungsvorstellungen und möchte ein viel freierer Mensch sein als ich. Daher war es ein guter Schritt, und mittlerweile liebe ich es, allein zu leben. Dennoch war es nicht einfach, weil es ein Abschied von einem Lebenskonzept war und einer Vision, wie ich alt werden möchte.
Scheidung ist bei euch kein Thema?
Beide: Nein.
Hufnagl: Es gibt noch immer so unglaublich viel Verbindendes, wir haben uns also nicht „auseinandergelebt“, wie man so sagt.
War euer treues Publikum nicht entsetzt über eure Trennung?
Kuhn: Ja, es kamen viele Mails. Etliche haben es aber auch gut gefunden, dass wir neue Wege gehen, ohne einander abzuhaken. Diese tiefe Verbundenheit nennt man Liebe.
Hattest du, Gaby, nicht dennoch manchmal Lust, „den Hut draufzuhauen“, auch bei der Kolumne?
Kuhn: Ja, aber diese Phase haben wir hinter uns. Ich möchte mit ihm Kontakt haben. Uns wird nie fad, und wir gehen immer in die Tiefe.
Viele Paare haben sich bei euren Erzählungen wiedererkannt. Wie viel Feedback kam da? Hufnagl: Wir haben in Summe über 700 Kolumnen verfasst, und es blieb keine einzige ohne Reaktion. Da reden wir über 1000e Mails.
Kuhn: Die vielen Abschiedsmails haben mein Herz tief gerührt.
Seid ihr manchmal auch selbst in eine Therapeutenrolle geraten, weil die Leserschaft ihre Probleme mit euch besprechen wollte?Hufnagl: „Es ist wie bei uns daheim“ haben wir oft gehört. Unsere Botschaft ist: „Man muss miteinander und übereinander lachen können. Bleiben Sie fröhlich!“ Wenn man das nicht mehr zusammenbringt, dann wird es wirklich dunkel.
Kuhn: Bei Menschen, die gerade traurig sind, funktioniert das natürlich nicht. Aber man sollte immer die Fähigkeit zur Vogelperspektive haben, um sagen zu können: „So schlimm ist es auch wieder nicht.“
Auf welche Kolumne kam das meiste Feedback?
Kuhn: Ich glaube, die Ikea-Kolumne.
Hufnagl: Wir haben ja mehrere Ikea-Kolumnen geschrieben. Das hat unglaublich viele Menschen abgeholt. Ich habe immer gesagt: „Wer noch nie dort war, werfe den ersten Elch!“ Wobei uns manche Paare gesagt haben: „Bei uns läuft es aber genau umgekehrt ab.“
Beobachtet ihr einen steigenden Bedarf an Paartherapie?
Hufnagl: Für uns selbst auf jeden Fall. (lacht)
Kuhn: Ja, weil ich mich auch journalistisch damit beschäftige. Es geht sogar schon in Richtung präventive Paartherapie. Leute erkennen, da könnte ein Problem auftauchen, zum Beispiel wenn Kinder kommen, dass man sich ein Stück verliert.
Es gibt gleichzeitig einen großen Trend zur Therapie mittels KI-Assistenten.
Kuhn: Das ist tückisch, weil die KI die Tendenz hat, dir alles recht zu machen. Aber ein Therapeut muss mit dir in Reibung gehen. Die KI gibt dir das Gefühl: „Du bist in Ordnung, das Problem sind nur die anderen.“
Arbeitet ihr selbst mit KI?
Kuhn: Ja, ich bin da schon immer ein Nerd und kann damit gut umgehen, kenne aber auch die Tücken.
Hufnagl: Die KI ist so ein Riesenthema, dass ich es für zunehmend wichtig halte, dass nicht alles künstlich generiert ist und man sagen kann: „Hier ist ein Mensch.“
Michael ist zehn Jahre jünger als du, war das stressig für dich, Gaby?
Kuhn: Ich habe diesen Unterschied sehr lange gar nicht gefühlt. Später im Trennungsprozess schon ein bisschen. Dennoch habe ich mich nie extra angestrengt, jünger zu wirken.
Hat es eure gemeinsame Tochter nie als peinlich empfunden, dass die Mutter Sex-Kolumnistin ist?
Kuhn: Ja, in der Pubertät.
Hufnagl: Jetzt regt sie sich eher darüber auf, ungefragt in einer Kolumne vorzukommen.
Kuhn: Und in ihrer Schlagfertigkeit ist sie die Potenz von uns beiden.
Warum schreibst Du immer zuerst, Gaby, und Michael antwortet?
Kuhn: Weil er ein Deadline-Junkie ist, und ich bin halt ein Mensch, der glücklich ist, wenn alles erledigt ist.
Was wird euch nach dem Ende der Kolumne abgehen?
Kuhn: Ein Lebensabschnitt geht zu Ende, und das ist richtig so. Vielleicht ist es nicht das Finale Grande.
Hufnagl: Melancholie muss erlaubt sein. Für uns ist es – auch mit Hunderten Bühnenauftritten und Büchern darüber – ein journalistisches Lebenswerk.
KURIER-Journalisten:
Gabriele Kuhn schreibt im KURIER über Psychologie, Gesundheit und Sex. Sie war „Leben“-Ressortleiterin, arbeitete davor für die KURIER-freizeit.
Michael Hufnagl zählt zum Autorenteam der Seite 1-Kolumne. Er ist freier Journalist sowie Kabarettist und war Sonntagschef im KURIER.
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