Gegen Dating-Frust? Tinders neue KI-Funktion sorgt für Kritik

Bessere Matches auf Tinder durch Chemistry? Das KI-Feature soll Interessen stärker berücksichtigen und personalisierte Vorschläge liefern.
Tinder-App auf iPhone geöffnet.

Wer regelmäßig Dating-Apps verwendet, kennt womöglich dieses Gefühl: Aus spielerischer anfänglicher Neugier und positiver Aufregung wird mit der Zeit eintönige Routine und die Partnersuche fühlt sich zunehmend ermüdend und erschöpfend an. Das geht so weit, dass sogar von einem Dating-Burnout die Rede ist. 

Der Markt ist übersättigt und es gestaltet sich anstrengend, aus der Flut an mehr oder weniger interessanten Profilen diejenigen herauszufiltern, die ähnliche Interessen und Vorstellungen haben. Tinder, die weltweit bekannteste und meistgenutzte Dating-App, will dieser wachsenden Dating-Müdigkeit ("Dating Fatigue") mithilfe eines KI-gestützten Features entgegenwirken. 

Tinder: KI-Funktion "Chemistry" für personalisierte Vorschläge

Mit "Chemistry" führt Tinder eine neue, optionale Funktion ein, bei der Nutzende auf Basis Künstlicher Intelligenz "kuratierte Empfehlungen" erhalten sollen. Ziel der Innovation ist es, ein personalisiertes, weniger oberflächliches Nutzungserlebnis zu haben, anstatt sich durch sämtliche Profile zu wischen und vorwiegend nur nach der Optik zu entscheiden. 

Spencer Rascoff, CEO der Match Group, dem Mutterkonzern von Tinder, erklärt dazu in einer Presseaussendung: "Wir nutzen KI, um relevantere Verbindungen vorzuschlagen, und erhöhen kontinuierlich die Sicherheitsstandards, damit sich die Nutzer beim nächsten Schritt sicher fühlen." 

Zugriff auf Fotos sorgt für Kritik

Die Funktion soll insbesondere Persönlichkeitsmerkmale, Interessen und Vorlieben stärker berücksichtigen. Kurze Fragen und angegebene Präferenzen fließen in den Matching-Algorithmus ein und sollen passendere Vorschläge ermöglichen. 

Zusätzlich können Nutzer Zugriff auf sogenannte Foto-Insights geben, um noch treffendere Empfehlungen zu erhalten. Laut Tinder handelt es sich bei Foto-Insights um "kurze Beschreibungen deiner Interessen, deiner Persönlichkeit oder deines Lebensstils, die durch die Analyse von Mustern in deiner Fotogalerie generiert werden." Aufnahmen werden direkt auf dem Gerät gescannt, um Inhalte zu analysieren. 

Gerade dieser Aspekt stößt jedoch nicht bei allen auf Zustimmung. In den sozialen Medien äußern manche User ihre Skepsis. Auf Instagram heißt es etwa: "Zeit, wieder anzufangen, Leute im echten Leben kennenzulernen" oder "Datensammeln im großen Stil". 

Auf X melden sich weitere Kritiker zu Wort:

  • "KI, die auf deine Fotogalerie zugreift, ist schon heftig!"
  • "Dass Dating-Apps deine Fotogalerie analysieren, ist entweder geniales Matchmaking oder das größte Datenschutz-Warnsignal überhaupt."
  • "Ein massiver Eingriff in die Privatsphäre – mit einer ziemlich schwachen Rechtfertigung. Das Risiko ist enorm."

Die Einstellung ist jedoch – genau wie das Feature selbst – optional.

"Chemistry" wird derzeit in Australien und Neuseeland getestet, eine Ausweitung auf weitere Länder ist in den kommenden Monaten in Planung. In Österreich ist die Funktion aktuell noch nicht verfügbar. 

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