Frau lacht seit fast 50 Jahren nicht mehr – aus Angst vor Falten
Tess Christian lacht seit ihrem zehnten Lebensjahr nicht mehr. Ihr ungewöhnlicher Anti-Aging-Trick hat jedoch einen traurigen Ursprung.
Vor rund zehn Jahren machte die Geschichte einer Britin Schlagzeilen, die laut eigener Aussage seit ihrem zehnten Lebensjahr nicht mehr gelächelt hat. Ein weiteres Jahrzehnt ist seither vergangen, in dem Tess Christian ihr Pokerface konsequent aufrecht hält. Ein Lächeln, das Mimikfalten entstehen lässt, kommt bei ihr nicht infrage. Inzwischen ist sie Anfang 60 und wirkt im Vergleich zu vielen Gleichaltrigen nahezu faltenfrei.
Frau hat seit 50 Jahren nicht mehr gelacht
Wenn sie sich mit ihren Freundinnen trifft, herrscht ausgelassene Stimmung. Es wird viel erzählt und herzlich gelacht, doch Tess Christian verzieht keine Miene. Diese Gewohnheit pflegt sie seit mehreren Jahrzehnten. Ihr Ziel ist es, auch im Alter ein möglichst jugendliches Gesicht zu bewahren. Natürliches Botox gewissermaßen. Ursprünglich hatte ihre ungewöhnliche Entscheidung jedoch nichts mit Schönheitsidealen zu tun.
Zuletzt gelacht als Kind
In einem taff-Beitrag zeigte Christian eine Schwarzweißaufnahme aus ihrer Kindheit. Es sei das letzte Foto, auf dem sie lachend zu sehen war. "Das war Schulbeginn", erinnerte sie sich. Gegenüber der Daily Mail erklärte die Britin: "Es ist nicht so, als wäre ich unglücklich. Ich liebe das Leben. Ich sehe nur nicht das Bedürfnis, es mit einem aufgesetzten Grinsen im Gesicht zu zeigen."
Strenge katholische Schule war ursprünglicher Grund
Die Angewohnheit, nicht mehr zu lachen, geht auf die strengen Erziehungsmethoden einer katholischen Mädchenschule zurück, die sie als Kind besuchte. Die Nonnen hätten es nicht gerne gesehen, wenn die Mädchen offen lachten. Von den Schülerinnen wurde Zurückhaltung erwartet: "Mir wurde immer gesagt, ich solle mir das Lächeln aus dem Gesicht wischen, also lernte ich stattdessen zu grinsen."
Mimik abtrainiert
Im Jugendalter fand sie schließlich Gefallen an ihrem ernsten Gesichtsausdruck, denn beim Lächeln wirkten ihre Wangen wie "dicke Hamsterbacken". Die "glamouröse Ausstrahlung" von Hollywood-Ikonen wie Marlene Dietrich bewunderte sie hingegen sehr.
Anfangs sei es schwer gewesen, die Gesichtsmuskeln unter Kontrolle zu halten, doch im Laufe der Jahre trainierte sie sich ihre Mimik regelrecht ab. Im Interview mit taff erklärte sie, jährlich nur zwei- bis dreimal etwas so witzig zu finden, dass ein Lachen nicht unterdrückbar ist. Dann beugt sie sich nach vorne, lacht in den Bauch hinein und hält das Gesicht dabei möglichst ruhig.
Tess Christian im Alter von 19 Jahren (links), 36 Jahren (mittig) und in ihren 50ern.
Auch kein Lächeln bei Hochzeit oder Geburt ihrer Tochter
Nicht einmal bei ihrer Hochzeit 1993 entwich ihr ein Lächeln – auch nicht, als sie der Fotograf aufforderte. Selbst bei der Geburt ihrer Tochter Stevie behielt Christian die Kontrolle über ihre Mimik: "Nach Stevies Geburt war ich überwältigt vor Freude, verspürte aber dennoch nicht das Bedürfnis, zu lächeln." Zu diesem Zeitpunkt war es für sie bereits zur zweiten Natur geworden, keine Miene zu verziehen.
Noch nie Botox verwendet
Mit 40 Jahren bemerkte Christian erste Unterschiede: Während ihre Freundinnen bereits erste Fältchen im Gesicht bekamen, war ihre Haut prall und glatt: "Mir wurde klar, dass ich jünger aussah, weil ich mein Leben lang nicht gelächelt hatte", erklärte die Britin gegenüber der Daily Mail.
Botox habe sie nie verwendet, das bestätigte auch ihre Tochter.
"Alle fragen mich, ob ich Botox habe spritzen lassen, aber das habe ich nicht. Ich weiß, dass das daran liegt, dass ich seit meiner Jugend nicht mehr gelacht oder gelächelt habe. Meine Disziplin hat sich ausgezahlt, ich habe nicht eine einzige Falte im Gesicht."
Ihre Strategie verfolgt die Britin, die sich selbst als "eitel" bezeichnet, weiterhin konsequent. Im Interview mit taff wurde sie gefragt, was passieren würde, sollte sie eines Morgens eine Falte entdecken. "Ich würde mir eine Papiertüte aufsetzen", antwortete Christian, die dabei keine Miene verzog.
Jugendlich bleiben um jeden Preis?
Der Fall von Tess Christian verdeutlicht, wie stark der gesellschaftliche Druck auf Frauen wirken kann, ihr Äußeres bis ins hohe Alter möglichst jugendlich zu bewahren. Während Männer mit grauem Haar und Falten oft an Ausstrahlung und Charme gewinnen, werden Frauen dafür umso strenger verurteilt.
Unrealistische Schönheitsideale setzen unter Druck
Unrealistische Schönheitsideale setzen weiterhin Maßstäbe, die selbst Bewegungen wie No-Filter oder Selbstakzeptanz in den sozialen Medien kaum zu durchbrechen vermögen. Den Spagat zu meistern zwischen würdevoll altern und zugleich sichtbar und wahrgenommen bleiben, ist nahezu unmöglich. Wer dabei auf zig Anti-Aging-Cremes, Botox oder gar chirurgische Eingriffe zurückgreift, riskiert erneut Kritik und Verurteilung.
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