Dieses Wort soll Wutanfall bei Kindern stoppen: Das sagt Kinderärztin dazu
Der Jessica-Trend auf TikTok soll schreiende, weinende Kinder sofort beruhigen. Wie funktioniert der virale Hack und hilft er wirklich bei einem Wutanfall? (Symbolbild)
Wenn Kinder einen Trotz- oder Wutanfall bekommen, kann das für alle Beteiligten ganz schön anstrengend und belastend sein, sowohl für die Eltern als auch für das Kind. Besonders schwer fällt es, das Schreien und Weinen mitanzusehen, wenn gefühlt nichts hilft. In der Öffentlichkeit kommt oft noch der Druck von außen hinzu: genervte Blicke, die den Eindruck vermitteln, die Eltern hätten die Situation nicht im Griff.
Ein in den sozialen Medien verbreiteter Trick soll hier aber schnell Abhilfe schaffen. Mit einem gezielten Moment der Verwirrung will er Kinder aus ihrem emotionalen Zustand holen und für schnelle Ablenkung und Erleichterung sorgen.
Trick soll bei Wutanfällen bei Kindern helfen
Angeblich genügt ein einziges Wort, um die Aufmerksamkeit so stark zu verschieben, dass sich Kinder innerhalb von Sekunden beruhigen. Sogar Schauspielerin und Zweifachmama Jessica Biel versuchte sich kürzlich an dem Erziehungstrend und demonstrierte den Effekt in ihrer Instagram-Story.
Doch wie genau funktioniert der virale Hack und was sagen Experten dazu?
Der Trick? Einen Namen rufen
Die Idee hinter dem "Jessica-Trend" ist simpel: In Momenten, in denen sich Kinder kaum mehr beruhigen lassen, sagt man nur ein einziges Wort, nämlich man ruft einen beliebigen Namen. In den meisten Fällen wird "Jessica" verwendet. Eltern tun so, als würden sie die Person suchen, und rufen etwa: "Jessica? Jessica, wo bist du?" und blicken sich dabei suchend um.
"Wo ist Jessica?"
Zahlreiche Videos auf TikTok und Instagram zeigen, wie die Kleinen daraufhin abrupt mit dem Schreien aufhören, innehalten und sich irritiert umsehen. Die Kinder werden dadurch offenbar aus der emotionalen Sackgasse, aus der sie sich oft nur schwer befreien können, durch einen äußeren Impuls, der eben völlig unerwartet kommt, herausgeholt. Aus intensiver Wut wird in dem Moment schlagartig Neugier.
Eltern äußern Bedenken: Trotzanfall immer begleiten oder nicht?
Der Trick scheint in vielen Fällen zu funktionieren, dennoch äußern zahlreiche Eltern in den Kommentarspalten Bedenken. Sie befürchten, man würde die Gefühle der Kinder mit dieser Methode einfach nur abtun und dass man einen Trotzanfall besser einfühlsam begleiten solle, bis er abklingt.
Das sagt eine Kinderexpertin zum "Jessica-Trend"
Die US-amerikanische Kinderärztin Dr. Mona Amin hat sich den Jessica-Trend genauer angesehen und ordnet ihn differenziert ein: "Eine gezielte Ablenkung oder Umlenkung ist nicht dasselbe wie das Abwerten von Gefühlen. Gerade kleine Kinder können sich leicht in einer emotionalen Schleife verfangen. Ihr Gehirn ist überflutet, die Aufmerksamkeit fixiert sich ganz auf den Auslöser, und es fällt ihnen schwer, aus eigener Kraft wieder herauszufinden."
Eine "spielerische Unterbrechung", so Amin, könne helfen, den Kreislauf zu durchbrechen und das Nervensystem zu beruhigen. Sie betont: "Manchmal ist das Ziel zunächst, das Kind so weit zu beruhigen, dass überhaupt wieder echte Verbindung möglich wird."
Nicht jeder Trotzanfall muss "durchgestanden" werden
Problematisch wird es allerdings, wenn man dem Kind vermittelt, seine Gefühle seien "störend" und müssten von Erwachsenen "beseitigt" werden. Die Expertin stellt klar: "Das ist etwas völlig anderes als die Erfahrung: 'Meine Bezugsperson hat mir geholfen, aus einer Überforderung herauszukommen, ist ruhig geblieben und hat sich danach wieder einfühlsam mir zugewandt.'"
Amin macht deutlich, dass nicht jeder einzelne Trotzanfall gemeinsam mit dem Kind "durchgestanden" werden muss, sondern Ablenkung könne in angemessenem Maß manchmal durchaus helfen, Kinder zunächst aus ihrer emotionalen Sackgasse zu holen.
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