Wirken wir im Job unprofessioneller, wenn wir Emojis verwenden?
Eine neue kanadische Studie hat gezeigt, dass Arbeitnehmer, die Emojis im Job verwenden, inkompetenter wirken können. (Symbolbild)
Ein Forschungsteam der University of Ottawa hat untersucht, wie sich Emojis im Arbeitsalltag auf das Image auswirken. Dabei kam heraus, dass eine falsche Emoji-Wahl in einer beruflichen Nachricht die Wahrnehmung der Kompetenz und Professionalität des Absenders durch Kollegen und Kolleginnen verändern kann. Insbesondere ein wütendes Emoji kann diesen Eindruck beeinträchtigen.
Emoji-Experiment in Studie
Vor allem durch die Pandemie hat die Nutzung von Instant Messaging am Arbeitsplatz weiter zugenommen. Dass man hier und da einen Smiley zur Nachricht hinzufügt, ist also alles andere als ungewöhnlich. Dennoch können die Emoticons nicht immer positive Auswirkungen haben. Die Experten und Expertinnen warnen, dass bei der Nutzung von Emojis „mehr auf dem Spiel“ stünde, als den Arbeitnehmern und -nehmerinnen bewusst sei.
Erin L. Courtice, Megan Lawrence, Charles A. Collin und Isabelle Boutet entwarfen eine Studie, um zu testen, wie Emojis in Verbindung mit Nachrichten am Arbeitsplatz die Beurteilung des Absenders beeinflussen. Für die Untersuchung wurden 243 Teilnehmer (134 Männer und 109 Frauen), allesamt Studierende, mit einem Durchschnittsalter von etwa 21 Jahren, befragt.
So wurde das Experiment durchgeführt:
- In dem Experiment lasen die Probanden und Probandinnen Nachrichten, die in einem hypothetischen beruflichen Szenario verschickt wurden. Dabei wurde meist behauptet, dass die Nachricht von einem Kollegen oder einer Kollegin desselben oder des anderen Geschlechts verschickt wurde.
- Die Nachrichten wurden vorab getestet, um sicherzustellen, dass sie als wirklich positiv („Habe gerade wieder eine super effektive Präsentation besucht“) oder negativ („Das wird alles ruinieren“) oder neutral („Findet heute eine Besprechung statt?“) wahrgenommen wurden.
- Jeder Satz wurde mit einem lachenden Emoji, einem wütenden Emoji oder ohne Emoji angezeigt.
Anschließend bewerteten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen den
- emotionalen Tonfall der Nachricht,
- die wahrgenommene Kompetenz des Absenders/der Absenderin
- und die berufliche Angemessenheit der Nachricht.
Befragte, die die Aufmerksamkeitskontrollen nicht bestanden oder sich nicht an das Geschlecht des Absenders erinnern konnten, wurden ausgeschlossen.
Mehr negative Emojis, weniger Professionalität?
Die Auswertung des Experiments zeigt, dass sowohl die Art des Emojis als auch der Inhalt der Nachricht die Wahrnehmung der Absender und Absenderinnen beeinflussen. Wer negative Emojis verwendete, wurde vermehrt als inkompetent wahrgenommen. Die Kombination eines wütenden Gesichts mit einem positiven oder neutralen Satz verschlechterte die Wahrnehmung der Kompetenz des Kollegen/der Kollegin erheblich.
- Die Beispielnachricht „Wir haben tolle neue Bürostühle“, gefolgt von einem wütenden Emoji, war eine Art von Diskrepanz, die die Teilnehmer und Teilnehmerinnen als besonders abschreckend empfanden.
- Selbst wenn das wütende Emoji zu einem negativen Satz passte, blieben die Kompetenzbewertungen der Verfasser und Verfasserinnen niedrig. Unabhängig vom Wortlaut ließ sie das wütende Emoji weniger kompetent erscheinen.
Lachende Emoticons nicht immer positiv
Nachrichten, die vom Inhalt her positiv oder neutral waren und mit einem lachenden Emoji ergänzt wurden, bekamen eine bessere Kompetenzwahrnehmung als Nachrichten mit wütenden Smileys. In Kombination mit einer negativen Nachricht wirkte das lachende Smiley jedoch unpassend und verbesserte die Kompetenzbewertungen nicht. Richtig eingesetzt schadet ein positives Emoji nicht; falsch eingesetzt signalisiert es eine Diskrepanz, die den Absender/die Absenderin untergräbt.
Die Befragten fanden Nachrichten ohne Emojis am professionellsten, dicht gefolgt von denen mit einem lachenden Smiley. Wer böse Emojis in seinen Nachrichten benutzte – egal ob der Inhalt positiv oder negativ war – landete auf dem letzten Platz im Ranking. Ein wütendes Emoji in eine Nachricht am Arbeitsplatz einzufügen, ist eines der deutlichsten Anzeichen dafür, dass der Absender/die Absenderin die beruflichen Normen nicht versteht.
Unterschied zwischen Männern und Frauen
Obwohl die befragten Männer und Frauen ähnlich auf die Emojis im Experiment reagierten, war eine Erkenntnis besonders spannend für das Forschungsteam. Frauen waren bei der Bewertung von Nachrichten, die von weiblichen Kollegen stammen, wesentlich strenger.
- So beurteilten sie negative Nachrichten – insbesondere solche mit wütenden Emojis oder negativen Sätzen ohne Emoji – als weniger angemessen als männliche Teilnehmer bei der Bewertung derselben Nachrichten.
- Dieser Effekt trat bei Nachrichten, die Männern zugeschrieben wurden, nicht auf.
„Double Bind“ bei Frauen
Laut den Experten und Expertinnen hängt dies vor allem damit zusammen, dass Frauen im Job unter einem Phänomen namens „Double Bind“ leiden. Das bedeutet, dass Frauen, die „traditionell männliche“ Eigenschaften wie Durchsetzungsstärke und Wettbewerbsorientierung zeigen müssen, um als kompetente Chefinnen wahrgenommen zu werden. Dennoch werden von ihnen aber auch „traditionell weibliche“ Eigenschaften wie Herzlichkeit und Empathie erwartet, um nicht an Sympathie zu verlieren.
Dieser Geschlechtereffekt zeigte sich laut dem Forschungsteam nur bei der Beurteilung der Angemessenheit, nicht bei der Kompetenzbewertung, und die Effektstärken waren gering. Dennoch stimmte das Muster mit früheren Forschungsergebnissen überein, die darauf hindeuten, dass Frauen möglicherweise strenger von anderen Frauen bewertet werden, wenn sie am Arbeitsplatz negative Emotionen zum Ausdruck bringen.
Weitere Untersuchungen ausstehend
Mehrere Aspekte schränken die Übertragbarkeit der Studie ein. Da die Probanden und Probandinnen mit einem Durchschnittsalter von etwa 21 Jahren teilnahmen, wurden Meinungen von älteren oder erfahreneren Arbeitnehmern und -nehmerinnen ausgeschlossen. Der berufliche Werdegang wurde nicht direkt erfasst, und die Studie stützte sich auf ein hypothetisches Szenario statt auf reale Interaktionen am Arbeitsplatz.
- Die Auswahl an Emojis war auf nur zwei Optionen beschränkt – das lachende und das wütende Smiley –, wobei häufig verwendete Emojis am Arbeitsplatz, wie der Daumen hoch, unberücksichtigt blieben.
- Die Befragten absolvierten die Studie auf Englisch, und diejenigen, deren bevorzugte Sprache nicht Englisch war, wurden ausgeschlossen.
- Schließlich wurden Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die sich nicht mit der binären Geschlechterkategorie „Mann/Frau“ identifizierten, aufgrund ihrer geringen Anzahl ausgeschlossen, was die Relevanz der Studie für nicht-binäre Personen einschränkt.
Kommentare