Wiedersehen macht keine Freude: Bei der WM 2010 gewannen die Brasilianer gegen Chile mit 3:0.

© EPA/KERIM OKTEN

WM 2014
06/28/2014

Südamerika-Gipfel im Achtelfinale

Ganz Brasilien zittert im Achtelfinale vor Angstgegner Chile.

Als hätte er es schon vor Monaten geahnt. Als hätte er hellseherische Fähigkeiten. Schon bei der Auslosung zur WM meinte Brasiliens Teamchef Felipe Scolari: "Hoffentlich schafft es Chile nicht eine Runde weiter." Er wusste damals schon, wovon er sprach.

Sein Wunsch wurde von Chile nicht erfüllt, als Gruppen-Zweiter hinter den Niederlanden erreichten sie das Achtelfinale, wo sie heute (18 Uhr MESZ) in Belo Horizonte Brasilien zum heißen Tanz bitten. Der brasilianische Ronaldo posaunte selbstbewusst in die Fußball-Welt hinaus: "Die Chilenen müssen sich weit mehr Sorgen machen als wir." Doch nicht alle im Land teilen die Meinung des (Noch-)WM-Rekordtorschützen.

Brasilien ist nervös, hat Angst vor einer Pleite im Achtelfinale. Der brasilianische TV-Sender Globo hat sogar das Geheimtraining von Chile kurzerhand aus der Luft beobachtet. Chiles Trainer Jorge Sampaoli unterbrach daraufhin am Donnerstag die Übungseinheit im WM-Quartier Toca da Raposa II in Belo Horizonte. Der Medienbeauftragte sorgte dafür, dass die Aufnahmen nicht veröffentlicht werden. Die Spieler nahmen es mit Humor. "Wir haben versucht, den Helikopter mit dem Ball zu treffen. Das haben wir aber nicht geschafft", meinte Mauricio Isla lachend.

Detailverliebt

Alexis Sanchez, Starspieler der Chilenen, will mit seinem Team Geschichte schreiben. "Wir haben mit Spanien den regierenden Weltmeister geschlagen. Danach haben wir gegen die Niederlande verloren, weil wir Fehler machten. Aber wir wissen, welche Fehler das waren, die werden wir jetzt nicht wiederholen." Arturo Vidal pflichtet ihm bei: "Fast keine Mannschaft kann so einen Druck ausüben wie wir."

Zudem ist Teamchef Jorge Sampaoli ein aufgewecktes Kerlchen, nicht nur weil er um 5 Uhr in der Früh aufzustehen pflegt. Zu Tagesbeginn sitzt er meist vor dem Computer und studiert den kommenden Gegner. Sampaoli, der den Argentinier Marcelo Bielsa als Vorbild hat, gilt als akribischer Arbeiter, der nichts dem Zufall überlässt.

Brasilien ist jedenfalls bestens gerüstet für das südamerikanische Duell. Scolari hat die Qual der Wahl, wird im defensiven Mittelfeld der Seleção neben Luiz Gustavo diesmal wohl auf Fernandinho setzten, weil Paulinho zuletzt schwächelte. Innenverteidiger David Luiz bekam im Training einen Schlag auf den Rücken, soll aber fit sein. Falls nicht, könnte Dante von den Bayern sein WM-Debüt geben.

Unter Druck

"Die Mannschaft weiß um den Druck, den sie von jetzt an hat. Wir wissen, dass es eine entscheidende Phase ist", so Luiz Gustavo. Er soll den Chile-Angriff um Sánchez bereits im Mittelfeld abfangen. Den Torjäger fürchten die Brasilianer am meisten, sein Barcelona-Klubkollege Dani Alves bittet auf der rechten Abwehrseite um Unterstützung: "Da brauchen wir Hilfe, weil er einen ähnlichen Stil hat wie Neymar."

Apropos Neymar. Der führt mit vier Volltreffern die WM-Schützenliste mit Müller und Messi an und muss die Erwartungen abermals erfüllen. Er soll’s richten. Mitspieler Willian meint gar: "Neymar hat noch gar nicht angefangen zu zeigen, was er kann."

Brasilien ist gewarnt, denn im vergangenen Jahr gab es in einem Testspiel ebenfalls im Estádio Mineirao ein 2:2 gegen Chile. Während Scolari und die Spieler ausgepfiffen wurden, wurden die Chilenen bejubelt. Von den Brasilianern.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.