Ausgelassene Stimmung bei den kroatischen Fans in Ottakring.

© KURIER/Gilbert Novy

Lokalaugenschein
06/13/2014

Public Viewing auf Kroatisch

Wie Wiener Kroaten mit ihrem Nationalteam erst jubelten und dann litten.

von Monika Payreder

Eins geht noch: Schon vor dem Anpfiff werden die ersten Lokalrunden geschmissen. Die (bei den Burschen meist sehr durchtrainierten, bei den Mädchen so gut wie nicht vorhandenen) rot-weiß beleiberlten Schachbrettbäuche bewegen sich inbrünstig im Schunkeltakt der Musik, die aus den Lautsprechern dröhnt. Und Thompson, „der ist quasi der Rainhard Fendrich Kroatiens“, singt. Und singt. Eins geht noch. Ein bisserl sehr viel Nationalstolz schwinge in seinen Liedern mit, sagt Klara. Manchmal sage er auch Dinge, an die er sich dann nicht mehr erinnern kann. Aber was soll’s. Er besingt Kroatien. Und nur darum geht es heute. Und deshalb singen auch alle mit.

Kein Leiberl

Gut 70.000 Kroaten leben in Österreich. Gefühlt die Hälfte davon ist am Donnerstagabend auf der Ottakringer Straße in Wien unterwegs, etwa im (und vor allem vor dem) Café Aurora. Der einzige, der jetzt ein gelbes Leiberl hat und sich hierher verirrt, entpuppt sich als Zettelverteiler aus Bangladesch – der sein Outfit nur zufällig gewählt hat, aber für Brasilien die Daumen drückt.

"Es ist schön, dass wir beim Eröffnungsspiel dabei sind“, sagt Stanko. Allein darauf kann man ja schon mal ein Pivo trinken. Zivjeli! Prost! Dabei sein ist also schon alles? „Naja, ich glaube, dass es Unentschieden ausgeht. Das wär’ okay.“ An den Sieg mag vor dem Match keiner so recht glauben.

Klara und Klara – die eine in Österreich geboren, die andere 1990 mit ihren Eltern „5 vor 12“ vor dem Krieg geflüchtet – ist das auch nicht so wichtig, sie sind keine Hardcore-Fans. „Wenn wir verlieren, können wir wenigstens sagen, wir haben gegen Brasilien verloren.“ Ganz unvorbereitet sind die beiden aber nicht: „Ich hab heute gelesen: 1998 haben wir schon gegen Brasilien gewonnen.“ Von Beki kommt prompt ein Assist: „Das stimmt nicht. Aber heute gewinnen wir zwei zu eins!“ Ernsthaft? „Nein, das sagt nicht mein Kopf, das sagt mein Herz.“

Waschechte Wiener

Dass in der Brust vieler österreichischer Kroaten ein waschechtes Wiener Herz schlägt, zeigt sich Minuten später: Der erste missglückte Torschuss von Hrvatska! wird nicht etwa mit „Jebem ti“ verflucht, nein – „Bist du deppert, he!“ Klara sieht’s aber positiv: „So wie es ausschaut, gewinnen wir das.“

Nur einen Schluck Pivo später gibt Brasilien ihr (und Beki) recht. „Gol! Gol! Gooool!“ Hätte Stipe! Stipe! Stiiipeee! doch bloß den Elfer gehalten... Und dann...

Naja, Thompson wird auch nächsten Mittwoch wieder singen.

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