Erfolgsteamchef: Costa Ricas Trainer Jorge Luis Pinto.

© REUTERS/LEONHARD FOEGER

Jorge Luis Pinto
06/29/2014

Temperamentvoller Taktikfuchs

Costa Ricas kolumbianischer Trainer steckt viel Lob ein, kann aber auch austeilen.

von Günther Pavlovics

Klein, aber oho. Das trifft nicht nur auf Costa Rica mit seinen 4,3 Millionen Einwohnern zu. Auch Trainer Jorge Luis Pinto ist mit seinen 1,65 Metern Körpergröße kein Gigant auf der Trainerbank. Oder besser: Davor, denn den impulsiven Kolumbianer hält es nicht auf seiner Bank.

Es ist sein Temperament, das ihn auf den Beinen hält, und nicht das Bewusstsein, dass eine Trainerbank ganz schnell zum Schleuderstuhl werden kann. Der 61-Jährige hat in 30 Trainerjahren Titel in Kolumbien, Peru, Costa Rica und Venezuela geholt. Trotzdem hat er schon 19 Trainerstationen hinter sich.

Vielleicht kommt daher seine Demut. "Ich habe immer darum gekämpft, eine Mannschaft bei einer WM zu betreuen", sagt er. Und: "Dass wir zwei frühere Weltmeister geschlagen haben, macht mich stolz." Gegen England, einen weiteren Ex-Weltmeister, gab es ein Remis. Und es ist Pinto, der wegen seiner Personalentscheidungen und seiner taktischen Varianten als Baumeister des Erfolgs angesehen wird.

Italiens Teamchef Cesare Prandelli lobte nach der Niederlage gegen Costa Rica: "Die Mannschaft ist glänzend vorbereitet, physisch sehr stark und in der Defensive außergewöhnlich gut aufgestellt." Óscar Tabárez, sein Kollege, aus Uruguay, meinte: "Costa Rica hat das sehr gut gemacht. Und das war auch das Werk ihres Trainers." Pinto spielte mit zwei Viererketten, die Giancarlo González je nach Offensiv- oder Defensivbedarf zu einer Fünferkette macht. Dabei muss Pinto bei der WM auf drei Stammspieler verzichten. Doch der Coach ließ kein Jammern zu und stärkte den Teamgeist, indem er die Verletzten mitnahm und Fußball-Idol Paulo Wanchope ins Betreuerteam einbaute.

Kenner des lateinamerikanischen Fußballs hatten eher Pinto als seinen mexikanischen Kollegen Herrera auf der Karte der emotionalen Trainervulkane: Pinto brach nach erfolgreicher WM-Qualifikation in Tränen aus. Er lieferte sich mit einem Kollegen eine Schlägerei, stieß einen vierten Offiziellen und beschimpfte mexikanische Presseleute als "Clowns, die sich als Journalisten verkleidet haben".

Mich überrascht Costa Rica nicht

Der Friede ist gerettet: Zumindest bis 13. Juli wird im Hause Chinchilla Vega nicht gestritten. Denn erst am Tag des Endspiels könnte Costa Rica auf Deutschland treffen. Pablo Chinchilla Vega hat seine deutsche Frau, mit der er zwei Kinder hat, bei seinem zweiten Vorarlberg-Engagement kennengelernt. "Sie behauptet, dass Costa Rica keine Chance hat gegen Deutschland."

Alle Jahre wieder fliegt er in seine Heimat, zuletzt war er im März dort.

Hören Sie die Fußballbegeisterung heraus, wenn Sie mit Ihrer Familie telefonieren?Pablo Chinchilla:Natürlich. Das ist aber nichts Neues. Das war schon so, als ich selbst noch im Team gespielt habe.

Warum ist das so?

Wir leben den Fußball ganz anders als hier. Wenn die Nationalmannschaft bei der WM spielt, dann sind alle auf der Straße, fiebern mit und feiern wie bei dieser WM.

Können Sie sich an die ersten WM-Teilnahme von Costa Rica erinnern?

Das war 1990, und ich war elf Jahre alt. Die Begeisterung war unglaublich.

Costa Rica ist die große Überraschung des Turniers.

Überhaupt nicht. Mich überrascht die Leistung von Costa Rica nicht. Ich kenne den Teamchef gut und weiß, wie er seine Arbeit macht.

Warum kennen Sie ihn so gut?

Unter Jorge Luis Pinto habe ich bei Alajuelense gespielt. Und später noch in seiner ersten Amtszeit als Teamchef von Costa Rica.

Was zeichnet den kleinen Kolumbianer denn aus?

Er macht alles zu hundert Prozent. Er will nicht nur dabei sein, er will mitspielen. Er hat aus der Nationalmannschaft eine starke Gruppe geformt. In der Mannschaft stimmt die Mischung aus jungen, begabten Spielern und Führungspersönlichkeiten. Das waren die Jungen, als ich noch gespielt habe.

Was ist anders als 2002? Damals standen Sie im WM-Kader.

Jetzt spielen viele Teamspieler in Europa, haben auch Erfahrung in der Champions League gesammelt. Sie werden ständig gefordert. In der Liga in Costa Rica gibt es mit Alajuelense, Saprissa und Herediano nur drei bedeutende Klubs. Der Rest hat kaum Zuschauer.

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