Zwei Länder unter Wasser und Schlamm: Die Österreichische Bauindustrie half spontan mit Gerät und Hilfslieferungen und unterstützt den Wiederaufbau nun auch mit einer kräftigen Finanzspritze.

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Spenden
06/28/2014

Bauwirtschaft hilft nach Hochwasser-Katastrophe

Bosnien und Serbien wurden von der schlimmsten Flut ihrer Geschichte heimgesucht. Die Österreichische Bauwirtschaft unterstützt die Betroffenen mit Soforthilfe und Finanzspritzen.

Ende Mai erreichten uns die schockierenden Bilder aus Südosteuropa. Tagelang andauernde schwere Niederschläge führten in der Region zu umfassenden Überschwemmungen – der Notstand wurde ausgerufen. Zehntausende Menschen mussten evakuiert werden, Hunderttausende sind betroffen und haben buchstäblich alles verloren.

Die Österreichische Bauwirtschaft hat Hilfslieferungen und Finanzsspritzen beschlossen. Der Fachverband der Bauindustrie, die Bundesinnung Bau, die Bauinnung Wien sowie die Gewerkschaft BAU-HOLZ entschlossen sich spontan, mit Bausteinen sowie mit Know-how die Aktion von KURIER AID AUSTRIA zu unterstützen.

Aufbausteine

15 Aufbausteine im Wert von jeweils 5000 Euro hat die Bauwirtschaft bis dato zur Finanzierung von Hilfsprojekten zugeschossen.

Die Firma PORR schickte etwa 30.000 Euro nach Serbien und unterstützte eine Mitarbeiter-Spendenaktion. "Weiters wurden schwere Baufahrzeuge zur freien Nutzung durch die Behörden in die Krisenregion entsandt", sagt PORR-Chef Karl-Heinz Strauss.

Auch die Strabag hat spontan geholfen: Der gesamte Fuhrpark und Material aus einem Stützpunkt bei Odzak in Bosnien wurde für die Aufräumungsarbeiten zur Verfügung gestellt.

Die Firma Swietelsky organisierte in einer Hochwasser-Hilfsaktion für die Gemeinde Odzak Hilfsgüter, die dringend benötigt und nach Bosnien gebracht wurden.

"Die Baufirmen sind mit Firmenstandorten in den betroffenen Ländern vertreten und die Familien vieler Mitarbeiter kommen aus den verwüsteten Regionen. Im Bewusstsein dieser sozialen Verantwortung und als Zeichen der Solidarität war es selbstverständlich, sich als Bauwirtschaft am nachhaltigen Wiederaufbau zu beteiligen", schildert Manfred Katzenschlager von der Wirtschaftskammer.

Fachverbandsobmann Hans Peter Haselsteiner, Bundesinnungsmeister Hans-Werner Frömmel, Landesinnungsmeister Rainer Pawlick und der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Bau-Holz, Beppo Muchitsch, waren sich einig, dass des notwendig ist, professionell organisierte Projekte zu unterstützen.

PORR-CEO Strauss: "Wir können den Verlust nicht wiedergutmachen, aber wir können ein starkes Zeichen der Unterstützung zeigen."

Hilfe für Südosteuropa - Mehr Informationen gibt es hier.

So können Sie helfen

Spenden Sie für einen Baustein im Wert von 5000 Euro und unterstützen Sie damit den Wiederaufbau von Häusern, der Landwirtschaft oder die Hilfe zur Selbsthilfe. Mit jedem Spendenbetrag tragen Sie zur Fertigstellung eines Bausteins bei:

IBAN: AT92 3100 0001 0403 6315
BIC: RZBAATWW

Ihre Spende ist steuerlich absetzbar – als Nachweis genügen Einzahlungsbelege oder Kontoabbuchungen. Gerne senden wir Ihnen auch eine Spendenbestätigung zu. Geben Sie dafür bei der Einzahlung Namen und Adresse an. Jeder Spender mit vollständigen Daten wird namentlich auf kurier.at genannt.

Großspender, die um 5000 Euro ganze Bausteine finanzieren, werden im KURIER mit einem „Aufbaustein“ veröffentlicht. Großspender können sich gerne unter 01/52100-2362 oder suedosteuropa@kurier.at direkt an den KURIER wenden. Bitte sehen Sie von Sachspenden ab, diese können leider aus logistischen Gründen nicht angenommen werden.

Mehr als 300.000 Euro sind bisher eingelangt. Rund die Hälfte von Leserinnen und Lesern des KURIER und rund die Hälfte von Unternehmen und Fachverbänden wie der Bauwirtschaft.

Alles mit sich gerissen, alles überflutet, alles vernichtet

Bojana Susakovic steht in ihrem Häuschen. Es ist wie leergefegt. Eine Uhr hängt noch an der Wand. Sonst ist nichts mehr geblieben. Schlammschlieren am Holzboden und braune Flecken an der Wand zeugen noch davon, was vor mehr als einem Monat geschehen ist. Unfassbares, sagt Frau Susakovic. Das Wasser ist gekommen. Das Wasser der Bosna. Alles hat es mit sich gerissen, alles überflutet. Alles vernichtet. Nur ein Bett hat sie mittlerweile wieder. „Eine Hilfslieferung aus der Türkei.“

„Es hat früher schon Hochwasser gegeben“, erzählt die 74-Jährige. „Aber bis zu den Häusern ist es nie gekommen.“ Das war Mitte Mai 2014 anders. Die Fluten ergossen sich über weite Teile Bosniens und Serbiens. Auch die Gegend im Nordosten Bosniens, eine Senke in der Pisari liegt, wurde komplett überflutet. Es gibt in der Gegend kein Haus, das nicht meterhoch von der Bosna überflutet war.

Bojanas Schwiegertochter Slavica Susakovic wohnt nebenan. Ihr Haus ist ein alter Ziegelbau. Sie weiß nicht, ob es aus statischen Gründen abgerissen werden muss. „Aber wir müssen hier bleiben. Wir haben ja nichts anderes.“ Krank fühle sie sich, weil alles feucht ist. Gekocht wird jetzt im Freien. Die Waschmaschine fehlt, „um das wenige Gewand waschen zu können“.

Der Veteran

Etwas weiter lädt Stojan Sinisa auf seine Terrasse. An der Mauer lehnt noch der Reisigbesen. Besenrein ist alles in seinem Haus. Die Holzböden sind herausgerissen. Kühlschrank und Herd haben die Überflutung überstanden. „Ich habe sie gereinigt und sie funktionieren noch.“

Er hilft aber auch anderen. „Ich verteile Essen an die alten Leute im Dorf“, sagt Sinisa, der nicht nur Veteran aus dem Jugoslawien-Krieg ist, sondern gemeinsam mit anderen Ex-Soldaten als Friedensbotschafter durch Schulen zieht, um die Abkehr von Gewalt zu predigen.

Stojan Sinisa lebt, wie so viele in dem kleinen Ort, alleine. Seine Eltern sind jung gestorben. Nach seiner schweren Kriegsverletzung kehrte er nach Pisari zurück. Frau hat er keine gefunden. „Hier im Dorf leben Serben, Kroaten und Muselmani. Wir helfen uns alle gegenseitig.“ Es gebe keine ethnischen Probleme. „Nema Problema.“
Das Problem in der armen Region ist das fehlende Geld, um die Schäden der Flutkatastrophe zu beseitigen. Bojana Susakovic lächelt erstmals: „Sagen Sie allen Menschen die uns helfen, dass wir ihnen ewig dankbar sind.“

„Können in der Summe Enormes bewirken“

Hans Peter Haselsteiner, Obmann des Fachverbandes der Bauindustrie und Generalbevollmächtigter des STRABAG-Konzerns, im KURIER-Interview über die Notwendigkeit, den Menschen im Hochwassergebiet von Bosnien und Serbien zu helfen.

KURIER: Warum unterstützt die österreichische Bauwirtschaft den Wiederaufbau in Südosteuropa?
Hans Peter Haselsteiner:
Soziale Verantwortung endet nicht vor der eigenen Haustüre. Bei Katastrophen aufgrund extremer Naturereignisse – wie jetzt in Südosteuropa – wäre es moralisch problematisch, sich einerseits CSR-Konzepte auf die Fahnen zu heften und dann ungeachtet der erschütternden Bilder der Verwüstung die Augen und die Spenderherzen zu verschließen.

Viele Ihrer Mitarbeiter waren direkt oder indirekt betroffen?
Die Familien vieler Mitarbeiter der Bauwirtschaft kommen aus den betroffenen Gebieten. In den meisten Fällen haben die Arbeiter spontan von sich aus Initiativen gesetzt, die von den Baufirmen zusätzlich unterstützt wurden. Der Fachverband der Bauindustrie hat sich gemeinsam mit dem Baugewerbe und der Gewerkschaft BAU-HOLZ entschlossen, zusätzlich KAA-Bausteine im Wert von 60.000 Euro zu spenden. Die Bauwirtschaft hat sich auch in der Vergangenheit immer wieder an Hilfs- und Sozialprojekten beteiligt.

Zum Beispiel bei der Wiederaufbauhilfe nach dem Tsunami in Sri Lanka.
KURIER AID AUSTRIA hat hier durch die Errichtung von 700 Häusern und ein Dutzend Infrastruktur-Einrichtungen Großartiges zu Stande gebracht. Ein anderes Beispiel ist der Bau eines noch immer sehr wichtigen Kinderspitals in Gyumri nach dem schrecklichen Erdbeben vor 15 Jahren in Armenien. Es freut mich, dass sich auch diesmal wieder die Arbeitgeberverbände und die Gewerkschaft BAU-HOLZ gemeinsam an der Aktion beteiligen.

Welche Sofortmaßnahmen wurden seitens der Unternehmen getroffen?
Wo es der Bauindustrie mit einsatzbereiten Geräten und Maschinen vor Ort möglich war, wurde akute Soforthilfe bei den Aufräumarbeiten und Sicherungsmaßnahmen geleistet. Zudem wurden in einigen Firmen auch spontan Spendenaktionen initiiert, bei denen die gesammelten Beträge von den Unternehmen nochmals aufgestockt wurden.

Die Soforthilfe – etwa die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln und Trinkwasser – funktioniert gut und nahezu flächendeckend. Welche Maßnahmen sind in der Katastrophenregion jetzt vorrangig?
Wichtig ist, dass die Aufräumarbeiten zügig voranschreiten, sodass die Wohnversorgung spätestens bis zum Winter wieder intakt ist und die Grundbedürfnisse der Menschen, wie Nahrung, medizinische Betreuung, Heizmaterial und dergleichen sichergestellt sind.

Es gibt mehr als 1,6 Millionen Betroffene in Bosnien-Herzegowina und Serbien. Ist es nicht schwierig, hier die richtigen Hilfsmaßnahmen zu setzen?
Die Kooperationspartner Rotes Kreuz und Caritas verfügen über die Erfahrung und die Netzwerke vor Ort, um professionell zu eruieren, welche Hilfe sinnvoll und notwendig ist, und um gewährleisten zu können, dass die Hilfe verlässlich bei den Bedürftigen ankommt.

Bauunternehmen sorgten in den ersten Wochen für Sachspenden in die Region. Jetzt wird im Rahmen von KURIER AID AUSTRIA um Spenden ersucht. Weshalb ist Geld jetzt so wichtig?
Wenn die örtliche Versorgung funktioniert, ist es in der Regel effizienter über finanzielle Unterstützungen zu helfen, da bei Sachspenden der logistische Aufwand unverhältnismäßig hoch ist.

KURIER-Leser haben bereits mehr als 100.000 Euro gespendet. Die ersten Unternehmen, haben viele Aufbausteine um 5000 Euro erstanden. Ein erster Erfolg?
Diese Welle der Solidarität ist beeindruckend, ich kann nur an die Firmen appellieren, dieses Projekt weiter zu unterstützen, damit auch eine nachhaltige Hilfe möglich ist. Aber nicht nur Großspender, sondern auch viele kleinere Einzelspenden können in der Summe Enormes bewirken.

Die Hilfsaktion für die Hochwassergebiete in Südosteuropa ist nicht kurzfristig angelegt. Wie lange wird die Aktion etwa dauern?
Während der ersten Tage und Wochen nach einer Katastrophe geht es vor allem darum, Leben zu retten und das Überleben zu sichern. Bei einem umfassenden und nachhaltigen Katastrophenhilfsprojekt mit Wiederaufbau- und Präventionsmaßnahmen kann das schon eineinhalb Jahre dauern.

Warum der lange Zeitraum?
Für nachhaltige Katastrophenprävention bedarf es schrittweise einer Konzeptions- und Planungsphase, ausreichender Kommunikation mit der Bevölkerung und den lokalen Institutionen, Bewusstseinsbildung, sowie der konkreten Umsetzung der Maßnahmen.

Kurz zur politischen Perspektive: Sowohl Bosnien-Herzegowina, als auch Serbien drängen in Richtung EU. Wie beurteilen Sie die Bestrebungen?
Ohne realistische EU-Beitrittsperspektive würden viele Reformen, Demokratisierungsmaßnahmen und Aufarbeitungsprozesse nicht im erforderlichen Ausmaß erfolgen. Die EU ist aber nach den Erfahrungen der letzten Erweiterungsphasen zurückhaltender, sodass kurzfristig eine Vollmitgliedschaft nicht zu erwarten ist.

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