Umars Familie stammt aus Dagestan, heute lernt er im Lernhaus

© Kurier/Jeff Mangione

Lernhaus
12/09/2018

Lernhaus: Der Ort, an dem lernen Freude macht

Lachen, lesen, schreiben, rechnen: Beim Lernen entsteht eine schöne Gemeinschaft – so werden die Kinder fit für die Schule gemacht.

Peter Kuckacka bezeichnet sich selbst als „Urgestein“. Schon kurz nach der Gründung des Lernhauses im Jahr 2011 kam er erstmals in die Einrichtung in der Wiener Schwendergasse. „Jeden Dienstag bin ich seither hier, an diesem Tag hat meine Frau Ruhe vor mir“ scherzt der pensionierte Marketing-Profi.

Eigentlich, so erzählt er, gehe es im Lernhaus traditionell zu. „Zuerst reden wir ein bisschen und dann beginnen wir mit den Hausübungen.“ Zwei von insgesamt 22 Volksschulkindern sind ihm zugeteilt. Diese Hilfe ermöglicht es, dass die Kinder die Schule erfolgreich meistern.

 

 

Die Schüler, die Kuckacka betreut, sind richtige Vifzacks. „Ich lade für sie oft Arbeitsblätter aus dem Internet herunter. Neulich habe ich ihnen Rechenübungen gegeben und eine Stoppuhr vor sie gelegt. Sie sollten in drei Minuten möglicht viele Multiplikationen lösen. Ich war erstaunt, was die beiden schaffen.“

Fürs Lesen zuständig

Über die Zeit wachsen die Kinder den Betreuern – viele Freiwillige und drei angestellte Pädagogen – ans Herz. Das erlebt auch Martha Steiner. „Ich habe von einer Bekannten aus dem Turnverein erfahren, dass es das Lernhaus gibt“, erzählt die 67-Jährige. Seit zwei Jahren ist sie nun dabei und hat es keinen Tag bereut. „Ich bin fürs Lesen zuständig“, freut sie sich. „Den Kindern macht das Lesen auch einen großen Spaß, und sie machen riesige Fortschritte.“ Klar – am Anfang tun sich manche schwer. „Wenn ich merke, dass sie müde werden, lese ich eben mehr. Und die Wörter, die sie nicht verstehen, erkläre ich ihnen.“ Am beeindruckendsten ist für Martha Steiner der Fleiß der Kinder: „Ich wäre in dem Alter nicht so fleißig gewesen“, schmunzelt sie.

 

Fünf Standorte in Niederösterreich   

Die Lernhäuser sind eine Idee, die Schule macht: In Niederösterreich gibt es mittlerweile fünf Standorte (s. re.).  Und da wird nicht nur gelernt, sondern auch viel unternommen. So besuchten   die Tullner heuer z. B. das Kraftwerk Theiß der EVN, während die Gänserndorfer  im Wiener Motorikpark großen Spaß hatten. In Bruck/Leitha  machten die Kinder  einen Yoga-Kurs, der ihnen dabei helfen soll, sich besser zu konzentrieren.
Viele traditionelle Feste wurden und werden  übers Jahr gefeiert: Bei Erntedankfesten bastelten die Kinder mit Naturmaterialien, an Halloween schminkten sie sich „gruselig“ und in Herzogenburg zogen sie  zum Martinsfest in die Pflegestationen des Martinsheims, wo sie Gedichte und Lieder vortrugen.
Das Nikolofest ist gerade erst vorbei – auch das war in allen Häusern ein Thema: Die Geschichte des Heiligen wurde erzählt, manche verkleideten  sich  oder bereiteten kleine Geschenke vor.
Bei alledem kommt das Lernen nicht zu kurz: Meist kommen die Kinder an drei Nachmittagen in die Lernhäuser. Dass sie davon profitieren, zeigt sich auch in der Schule. Die Kinder kommen im Unterricht besser mit, was sich in den Zeugnissen niederschlägt.

Schichtwechsel

Gegen 17 Uhr kommen die „Großen“: Schüler der 5. bis 9. Schulstufe schauen ein bis zwei Mal die Woche vorbei. „Schüler der Neuen Mittelstufe und der ersten Klasse einer berufsbildenden Schule sind bei uns“, erzählt Daniel Jonas. „Besonders der Übergang in die Oberstufe ist für viele eine Herausforderung, bei der sie Hilfe benötigen.“ Manche kommen noch vorbei, wenn sie gar nicht mehr im Lernhaus sind, erzählt seine Kollegin Katharina Ivansich. „Besonders, wenn sie auf Lehrstellensuche sind, unterstützen wir sie, indem wir ihnen z. B. helfen, Bewerbungen zu schreiben.“

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