Thomas Stipsits: Der Kofferjäger

Foto: Hoanzl

Nr. 67. Herzensgute Unschuld vom Land, jedoch "Erbarmungslos": Ein Roadmovie. Der Stipsits-Bua hat eine Mission!

Das Leben kann schrecklich grausam sein. Besonders im Südburgenland. High Noon in Stinatz. Der heimelig-grindige Duft aus Unruhe, Angst und Polenta liegt in der Luft. Hilfssheriff Pepi Grandits stürzt schwer atmend in den Saloon. Bevor er ins Gras beißt, stammelt er: "Der silberne Koffer ist verschwunden - und mit ihm der Mythos!"

Das Dorf verlangt ein Opfer: den Stipsits-Buam! Der Junge mit der Mundharmonika wird angeheuert. Er muss den Koffer finden - oder Stinatz ist dem Untergang geweiht. Aber schon bald stellt sich heraus: Auch andere sind hinter dem mysteriösen Koffer her ...

Wunderkind

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Die Mission beginnt und mit ihr ein Pointen-Feuerwerk. Stipsits macht sich auf den Weg, die Welt zu erobern. Von Gstatterboden bis Pinkafeld geht's per Anhalter. Vorher lässt er sich in die Künste der Undercover-Ermittlung einführen.
Derart geschult, besticht er dunkle Gestalten mit einem Hofer-Reiskocher und drei Runden "Mensch-ärgere-dich-nicht".

Misstrauen und eine Gitarre sind seine einzigen Gefährten bei diesem Abenteuer. Mit "Erbarmungslos" (2004) wurde der erst 21-jährige Obersteirer mit Stinatzer Wurzeln zum Shootingstar der heimischen Kabarettszene. Das Programm ist reich gespickt mit aberwitzigen Nonsens-Szenen. Frei nach Franzobel - "Das Typische an Österreich ist das Schlechte an Geschmack!" - zeigt Stipsits Personen, die so sind, wie Manfred Deix sie zeichnet.

Vielstimmig

Die ganzen Strapazen hat er sich nur eingebrockt, weil er nicht "Nein" sagen kann. Er hat eine Karriere als Schulmilchkassier und Tafelordner hinter sich. Außerdem beherbergt er am Samstagmorgen sämtliche ungewollten Zeugen Jehovas.

Seine Geschichte erzählt Stipsits mit vielen verschiedenen Stimmen, Dialekten, Liedern und Seitenhieben auf die österreichische und deutsche Schlagerszene.
Von Zeit zu Zeit lässt Stipsits von der Kofferverfolgungsjagd ab und sinniert über die Bedeutung von bemalten Hoden in der Kunst. Über mögliche letzte Worte. Und über die zwei Möglichkeiten, in die Geschichte einzugehen.

Entweder man wird irgendwo Erster oder möglichst böse. Wie Judas und Jack the Ripper. Oder erinnert sich noch wer an die übrigen elf Apostel oder die Opfer?
Am Ende möchte man am liebsten tief in die Tasche greifen, wenn Stipsits aufruft, für seinen Lebenstraum zu spenden: "Baut's a Freibad in Stinatz!"

(kurier) Erstellt am
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