Stermann und Grissemann

© APA/Hans Leitner

Edition Kabarett
10/19/2013

Stermann & Grissemann: Notorisch brachial

Bei „Stermann“ hat das Kabarett eine dauernde Aufenthaltserlaubnis an der Grenze zur Geschmacklosigkeit.

von Werner Rosenberger

Stermann spielt in „Stermann“ die erste Geige. Und Grissemann? Den Störenfried. Die beiden polarisieren seit eh und je. Die einen lieben die Brachialkomiker, andere hassen sie. Ob ihrer Flapsigkeiten und Frechheiten. Auch „Stermann“, das Programm, „nach dem Dirk Stermann benannt wurde“, ist hemdsärmelig, hemmungslos goschert und bös. Ein Balanceakt an der Schmerzgrenze des Humors.

Vorlaut bis wüst

Dirk Stermann und Christoph Grissemann, bekannt vom Late-Night-Talk „Willkommen Österreich“, „pflegen seit 20 Jahren ihren Hardcore-Comedy-Mix aus Bühnen-Stand-Up, Radio-typischen Telefonaten und Video-Einspielern“, schrieb die Süddeutsche Zeitung. „Lassen dabei stets den großen Holzhammer niedersausen ...“
Stermann hat „aus reiner Unkonzentriertheit“ vergessen, „Text für seinen Kollegen Grissemann reinzuschreiben“. Aber schon das ist pure Blödelei. Die Wahrheit, wenn’s denn eine gibt? „Wir waren fünf Tage in Nizza und haben uns ausgedacht“, so Stermann, „dass ich versuche, über mich und mein Leben zu reden.“ Was Grissemann als Störenfried zu vereiteln versucht und dem anderen prompt ständig in die Quere kommt: „Ich zerstöre sein Stück und damit seinen Lebenstraum.“

Witzeprogramm

Stermann“ ist „ein für mich sehr peinlicher und sehr schmerzhafter Abend, den die Leute sehr, sehr lustig finden“, so Stermann. „Wir machen 160 Witze in zwei Stunden. Die meisten funktionieren auch, wie schon die Previews gezeigt haben. Das ist ein demokratisch gewähltes Witzeprogramm.“
Alles läuft ab „wie immer eigentlich“. Als Plauderei. Mit Gags und Gags und Gags. Die Zwei haben’s gern, wenn der Witz dort explodiert, wo’s wehtut. Wenn einer sagt: „Das Einzige, was mich am Leben hält, ist der Gedanke an Selbstmord.“
Aber Provokation war gestern, so Stermann: „Inzwischen macht es mir auch Spaß, auf der Bühne Oma- und Opa-Witze zu erzählen.“ Und Grissemann glaubt, dass „Humor grundsätzlich keine Grenzen hat“.
„Aber wenn wir uns lustig machen“, so Stermann, „dann sowieso zu 90 Prozent über uns selber.“ Wegen ihrer Radioherkunft seien sie von der Kritik lange nicht ernst genommen worden“, vermutet die Süddeutsche Zeitung. „Ein Fehler: Erstens, weil fast immer eine intellektuelle Metaebene die Szenen überwölbt. Zweitens, weil sie im Sprachwitz die meisten Hochkabarett-Preisträger locker ausstechen. Und schließlich, weil sie zwar bös und morbid bis zum Abwinken, aber auch unglaublich lustig sind.“

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