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Best of Kabarett
11/11/2015

Otto Schenk König des Humors

Ein heiteres Potpourri aus Musik, Anekdoten und Klassikern der gepflegten Unterhaltung: „Humor nach Noten“ mit Otto Schenk

von Werner Rosenberger

Der Humor ist bei ihm so trocken, dass kein Auge trocken bleibt. Und obendrein unser Herz berührt. Wie kaum einem anderen ist Otto Schenk die Kunst gegeben, Menschen zum Lachen zu bringen. Wobei der Witz die Unzulänglichkeit der Welt entlarvt, während der Humor uns über sie hinweghilft. Dabei sagt Schenk: „Ich bin ja nur notgedrungen Komiker. “Peter Turrini nannte seinen Freund einmal einen „Tanzbären über den
Abgründen der Menschen“, der tanzt, um sie zu unterhalten und ihre wie seine Trauer zu bannen.

Dirigent

Der begnadete Geschichtenerzähler, der heuer seinen 85. Geburtstag feierte, plaudert aus dem Nähkästchen des gefragten Opernregisseurs, schildert, wovon Kapellmeister insgeheim träumen, sinniert über die besten Schlaftechniken im Konzertsaal, wobei böse Gesichtsentgleisungen vermieden werden sollten, und greift auch selbst zum Taktstock. Otto Schenk rezitiert und parodiert in seinem pointenreichen Programm „Humor nach Noten“ – und dirigiert die Ungarische Kammerphilharmonie. Das Orchester erweist sich dabei als kongenialer Partner der Theaterlegende, die dessen musikalischen Leiter Konrad Leitner bald an die Tschinellen strafversetzt. Um bei einem Ungarischen Tanz von Brahms und zum Finale bei „Radetzkymarsch“ und „Unter Donner und Blitz“-Polka von Johann Strauß mit Händen, Füßen und höchst agilem Hüftschwung selbst das Dirigentenpult zu erobern.

Gustostückerl

Außerdem gibt es für den König des intelligenten Humors nach wie vor viel zu erzählen: Geschichten und Anekdoten aus seinen Büchern wie „Darum das ganze Theater. Nichts ist so komisch wie das Leben“, „Sachen zum Lachen“ oder „Es war nicht immer komisch“, literarische Gustostückerln wie Franz Werfels „Der Dirigent“ und eigene Beobachtungen aus seiner jahrzehntelangen Karriere als Regisseur und Schauspieler. Man hört ihm immer wieder gerne zu.

Dass sich Menschen gerne vorlesen lassen, versteht er sehr gut. Aber es bedürfe „einer großen Liebe, um einen Text jemandem nahezubringen. Ein Freund sagte einmal: Die Bücher, die wir lieben, sind von uns selbst geschrieben.“ Otto Schenk ist der lebende Beweis dafür, dass Humor die Unzulänglichkeiten etwas zulänglicher macht, den Schaden etwas leichter, den Schmerz etwas erträglicher.
Nur die Überheblichkeit macht er lächerlich, die lacht er aus.