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Best of Kabarett
11/11/2015

Lukas Resetarits Die graue Eloquenz

Tribute to Lukas Resetarits: Die Großen der Kleinkunst waren mit einem Best-of aus 35 Bühnenjahren live in der Wiener Stadthalle

von Werner Rosenberger

Es war ein Fest für den Doyen der Kabarettszene: Lukas Resetarits, feierte seinen 65. Geburtstag, sein 35-jähriges Bühnenjubiläum und die Fortsetzung seines „Unruhestandes“ am 26. November 2012 mit der heimischen Kabarett-Elite vor 7200 Zuschauern in der Wiener Stadthalle.
„Entschuldigen! Bitte! Wo Thaliastraße? “Resetarits' vielleicht berühmtester Sketch „Tschusch-Tschusch“ aus dem Jahr 1983 ist längst österreichisches Kulturerbe.

Zeitlos

In einer aktualisierten Variante treffen Jugo und Türke als eingebürgerte ehemalige Migranten in der Tramway wieder aufeinander und fürchten sich nun beide vor den Tschetschenen: „G’sindel.“ Thomas Stipsits, Klaus Eckel und Michael Niavarani spielen den Klassiker. Nia ruft als „echter Wiener“ dem „Tschuschen“ und dem „Kimmeltirken“ nach: „Ausländer raus aus dem Ausland!“

Der Live-Mitschnitt ist ein Best-of der mehr als dreistündigen Geburtstagsgala. Erstaunlich frisch und aktuell wirken die zum Teil mehr als 30 Jahre alten Nummern aus 24 Solo-Programmen des Altmeisters, der sich als „typischer Ost-Österreicher, ein sich pessimistisch äußernder Optimist“ sieht. So hatte er schon 1981 in seinem fünften Solo mit dem bezeichnenden Titel „A Krise muaß her“ Kluges und Erhellendes zu sagen. Die Vergangenheit ist Programm und spielt doch immer wieder gnadenlos ins Heute: Wenn der Kabarettist auf die (erb)ärmlichen politischen Verhältnisse verweist und sarkastisch anmerkt: „Mancher ist mit 80 g’sunder Milliardär.“ Wenn Andreas Vitásek seiner
Puppe auf die Frage „Was ist das, eine Krise?“ antwortet: „Wenn das Staatsschiff schlingert.“


Zum Brüllen komisch

Wenn Resetarits’ Slogans zuspitzt zu bitteren Pointen wie „Ausländer raus aus Österreich, Ausländer raus aus Europa, Ausländer raus aus dem Ausland“, wird einmal mehr klar: Kabarett ist bei ihm der Ort, an dem das Lachen zur Vernunft kommt. Oder kommen sollte. Roland Düringer und Alfred Dorfer parlieren als Schnösel näselnd im Klassiker „Tanno und Wildo im Golfbiotop“. Düringer hat sich – in „Wahllokal“ brüllend komisch – „in geheimer Wahl verwählt“ und nervt nun u. a. den „Wahlbeisitzer“ Josef Hader. Erwin Steinhauer ist zum Zerkugeln, wenn er – frei nach Franz Grillparzer – seine „Ode an den Würstelstand“ rezitiert. Und der Jubilar? „Es ist, bitte, Folgendes ...“ Er spielt in seiner eigenen Liga. Aber das tat er eigentlich immer.