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Best of Kabarett
11/11/2015

Klaus Eckel Der Querdenker

Klaus Eckel ist „dagegenstemmender Pessimist“, möchte aber mit seinem 8. Solo „Weltwundern“ Menschen Mut machen

von Werner Rosenberger

Die Welt ist ja global.“ Und weitgehend auf Sinnlosigkeit trainiert, sagt Klaus Eckel in seinem Solo „Weltwundern“. Und klug ist, wer’s weiß. Aus dieser Erkenntnis fabriziert der Kabarettist Pointen im Dutzend. Oft herrlich naiv um die Ecke gedacht. So redet sich KLaus Eckel in Rage über manche Hintergründigkeiten im Alltag und Phänomene der Zeit wie die „Frühförderung“ oder die weit verbreitete „Meinungsinkontinenz“. Amüsiert sich über die allerorten allerwichtigste Frage der Jugend: „Habt ihr WLAN?“

Was-wäre-wenn-Fragen

Meeresspiegel steigt – Geburtenrate sinkt – Politikermachtmüde – Bienen sterben – Rettungsgasse stockt – Weltuntergang abgesagt ... Schlagzeilen rattern nonstop durch unser Gehirn, das nur 1,3 Kilo wiegt. „Die ganze Welt passt einfach nicht unter eine Schädeldecke“, so Eckel. „Es wird Zeit, das Gehirn auf den Kopf zu stellen.“ Und Querdenker- Fragen zu stellen: Was wäre, würden negative Gedanken dick machen? Was wäre, könnte man sich im Internet ein neues Gewissen kaufen? Was wäre, müssten dieIdioten aller Länder ein eigenes Land gründen? Er sinniert über „Intelligent Food“. Denn „das ist viel Druck für einen Müsliriegel oder für ein Gute-Laune-Joghurt“. Oder denkt sich bei Politdiskussionen: „Schade, dass die Schweigepflicht nur für Ärzte gilt.“ Frank Stronach ist für ihn der „Beweis, dass Männer ab 65 in Pension gehen sollten.“ Jedenfalls müsse sich der Austro-Kanadier nicht „gegen Geistesblitzschlag versichern“.

Saukomisch

Originell und skurril auch die Vorstellung, der Vater könnte sich bei seinem Sohn beschweren: „Du hast meinen Charakter raubkopiert.“ Aber ist nicht jeder Mensch eine Urheberrechtsverletzung? Die besten Jahre verbringt der Mensch ohnedies im Konjunktiv, ist Eckel überzeugt.Und brütet über dem Problem: Wie kann man sich selber hinters Licht führen, aber ohne dass man es merkt? Jede verbale Anspielung verrät gesunde Distanz zu zeitgeistigen Merkwürdigkeiten: Wenn er in Zeiten, da vom Coffee bis zum Redakteur alles „to go“ zu haben ist, auf einem Bösendorfer „to go“ vulgo Keybord die Tasten drückt.Oder bekennt: „Wenn ich auf ein Hundstrümmerl steige, ist mein erster Gedanke nicht: Artenschutz.“ Oder genervt anmerkt: „Mit dem Wort ,Bildungsreform‘ kann man schon ein Nashorn betäuben.“ Und am Ende der aus genauen Beobachtungen destillierten saukomischen Geschichten die Logischste aller Fragen stellt: Wie alt darf eigentlich eine neue Idee sein?