Gery Seidl - Schöne Bescherung

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Foto: Hoanzl

Gery Seidl in „Aufputzt is!“: ein charmantes Lästermaul über den ganz normalen Wahnsinn und ein „Weihnachtsdebakel“.

Er spielt längst in der Oberliga der Austro-Kabarettisten und erzielt mit scharfer Zunge und schnellem Mundwerk Himmelstürmerquoten in der heimischen Unterhaltungsbranche: Gery Seidl gab nicht nur neben vielen anderen Radio- und TV-Werbespots auch demFlamingo seine Stimme, der in der Billa-Werbung seine „Geeerti“ suchte, er ist, wie er selbst sagt, auch als Optimist tätig.

Leise rieselt der Schmäh

Im Solo „Aufputzt is! Ein Weihnachtsdebakel!“ wirkt er leicht genervt bei den letzten Vorbereitungen fürs große Fest der Familie. Aber was ist schöner, als einmal im Kreise der Liebsten in Ruhe und Besinnlichkeit den Heiligen Abend zu feiern? Wenn der Truthahn dann im Rohr brutzelt, der Tisch gedeckt, der Baum geschmückt ist, und die Geschenke fertig eingepackt sind ... Alles paletti. Bis plötzlich eine Unachtsamkeit passiert und das Verhängnis seinen Lauf nimmt ... Und er nach Pannen, unerfüllten Wunschträumen und unerfüllbaren Erwartungen etwa an Neujahrsvorsätzen („Es gibt ja Leute, die glauben, die Pummerin entschlackt. Aber Sie können davon ausgehen, wer am 24. Dezember blad ist, der ist es am 1. Jänner auch.“) kläglich scheitert an Aufputz, Braten und einer sündteuren Eingangssicherheitstür. Eine 100-jährige Nachbarin, die am Heiligen Abend nicht einsam bleiben soll, hat alle Höhen und Tiefen erlebt – vom Kaiser bis zu Werner Faymann. Außerdem lernt man Seidls Frau Andrea kennen, Onkel Heinzi („Was ist der Unterschied zwischen Ehe undKriegsgefangenschaft? In Russland haben wir geglaubt, wir kommen frei.“) und Tante Mizzi mit Mutterwitz und Tarnkappen-Hauskleid.

Ein-Mann-Komödie

Lacher provozieren auch Themen wie Körndlkost, Handy-Apps, Schilling-Nostalgie und Lifestyle-Tipps („Reisen sollte man, solangeman sich noch an zu Hause erinnern kann.“). Seidl lästert herzerfrischend über Magermodels, Rolltreppenlinkssteher, Facebook-Freunde und „Passivhaus- Gschroppen“ und erzählt von seiner im Rückblick allein optisch umwerfenden Jugendfreundin Sigrid, „der zartesten Versuchung, seit es Implantate gibt. Das waren herrliche Berge, sonnige Höhen, aber die Almhütte komplett unbewirtschaftet. Jeder Buddhist schreit, er ist amZiel, wenn er so eine Leere in der Zentrale hat.“ Aber wenn man älter wird, vergeht die Zeit schneller. „Über 50 ist jedes Jahr zweimal Weihnachten.“ Dann macht diese Ein-Mann-Komödie – für Weihachtsmuffel garantiert die stärkste Ersatzdroge – also doppelt so viel Freude ...

(Werner Rosenberger) Erstellt am
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