Georg Ringsgwandl: Paradiesvogel

Kein Zweifel: Hier steht einer, der die ganz normale Absurdität des Alltags kennt.
Foto: Hoanzl

Nr. 74. "Trulla! Trulla!": Witzig, komisch, wunderbar. Und sehr bayrisch: Der Karl Valentin des Deutsch-Rock in drei Konzerten.

Die Gesellschaft habe in seinen Liedern den gleichen Stellenwert wie die Sau in der Wurst, sagt Georg Ringsgwandl. Er gehört - laut Eigendefinition - zur "jahrhundertealten Gattung der Schelme und Narren, die sich über ihre Gesellschaft lustig machen". Oft sind die Pointen zwischen seinen Liedern noch schärfer als die in den Liedern.

"Trulla! Trulla!"

Kein Zweifel: Hier steht einer, der die ganz normale Absurdität des Alltags kennt. Foto: Hoanzl Kein Zweifel: Hier steht einer, der die ganz normale Absurdität des Alltags kennt.

"Trulla! Trulla!" eröffnet der Doktor Ringsgwandl aus Garmisch mit dem Hang zur messerscharfen Satire mit dem aberwitzigen "Heut liegt was in der Luft".
Stars Im berühmt-berüchtigten Fetzer "Der Placido Domingo" nimmt der Gaudibursch neben den Herren Bruce Springsteen und Michael Jackson das Live-Entertainment auf die Schippe. Live-Boom, verrückte Konzertbesucher, Massenhysterie, Startum - der Song hat schon alles vorweggenommen. Klassiker zum Wiederhören sind der "Gartennazi", "Mein Hund wird falsch ernährt" und "Wuide unterwegs" mit einer zusätzlichen Strophe.

Wie immer gibt sich der frühere Kardiologe als kunterbunter Paradiesvogel: Urviech und Sauhund mit verquerem Charme, knallharter Sprachkünstler und großartiger Fabulierer.

So manchem Häuselbauer hat das Lied "Mir baun" vorhergesagt, dass der Herzinfarkt ihn "z'sammenstaucht". In "Nix mitnehma", einer genialen Cover-Version von Bob Dylans "Gotta Serve Somebody", intoniert der Bühnenexzentriker seinen Blues von der menschlichen Vergänglichkeit.

In Bayern wird der Songpoet des Absurden für den "wurschtigen Witz" seiner fein-ironischen Geschichten und seine satte Musikalität geschätzt, anderswo gilt er mit seinen meist schrillen Outfits als "schräg und abgefahren". Kein Zweifel: Hier steht einer, der die ganz normale Absurdität des Alltags kennt.
Wenn er so erzählt, sich von einer Assoziationsliane zur anderen schwingt, wirkt er manchmal wie ein Rocker von der traurigen Gestalt, eine Art Don Quijote im Kampf gegen den Comedy-Schwachsinn.

Ringsgwandl war die Kleinkunstszene zu bieder. Der Entertainer brachte den Punk auf die Bühne: "Ich habe mich bemüht, eine möglichst grelle Erscheinung zu geben."
Neben hintergründigem Witz und pointenreichem Klamauk kennt das Multitalent auch die leisen Töne: In poetischen, skurrilen Songs, die dann doch eine Botschaft haben - aufmerksam zu sein, die anderen zu sehen, sich nicht über den Tisch ziehen zu lassen - "Hühnerarsch, sei wachsam".

(kurier) Erstellt am
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