Besuch bei Elfriede Ott zuhause in Wien am 03.04.2013

© KURIER /Gruber Franz

Edition Kabarett
10/19/2013

Elfriede Ott: Die Lachwurzen

Ein Schatz aus dem ORF-Archiv mit Elfriede Ott, in Dur und Moll anno 1977: „Ottpourri“.

von Werner Rosenberger

Gerhard Bronner sitzt im Publikum. Jazz-Klarinettist Fatty George steht mit „picksüßem Hölzl“ und Quartett bereit. Und sie tritt auf mit „Erst wann's aus wird sein, mit aner Musi' und mit'n Wein“. Elfriede Ott sendet ihr umwerfendes Lächeln in die Runde, dass man glaubt schon zu wissen, was ihre Show von anderen unterscheiden wird: Eine im Nu bis in die entlegenen Ecken des Aufnahmestudios blinkende und augenblicklich in die Gemüter dringende Fröhlichkeit. Sie plaudert und singt mit „Mäus und Grilln“ ein „abstraktes Wiener Volkslied, weil man sich darunter eigentlich nichts vorstellen kann“.

Wienerisches Temperament

Doch was ihr „Ottpourri“ von 1977 so aufregend macht, ist eine gar nicht so aufregende, sondern ungemein entspannte, durchsichtige, heitere Stimmung. Nicht, dass anderswo nicht auch gelächelt und gestrahlt wird – aber hier wurde es so gekonnt wie ehrlich getan.

Hans Weigel habe „das eigentliche Potenzial“ der Künstlerin erkannt, schrieb einst die Schriftstellerin Hilde Spiel, „ihre Fähigkeit, alle Seiten des wienerischen Temperaments, das Graziöse wie das Grantige, das Maliziöse wie das Sentimentale, das Raimund'sche Gemüt wie das Nestroy'sche Gift in rascher Aufeinanderfolge abzuwandeln“.
Wie schon bei den legendären „Ö-Dur“-Musikprogrammen der Ott in den 1960er-Jahren gilt auch für „Ottpourri“: Beim wortspielerischen Titel, abgeleitet vom französischen Potpourri für „Allerlei oder kunterbunte Mischung“, spielt das Musikalische eine große Rolle, aber auch das Helle, das Heitere, das Wache.

Österreich mit Kritik und Ironie

Vor allem das Österreichische. „Im Mittelpunkt war bei mir immer Österreich. Mit Bewunderung, Liebe, Kritik und Ironie.“ Die Ott, die sich selber eine „Lachwurzen“ nennt, ist zärtlich und spöttisch, strahlend und wehmütig, kraftvoll und zerbrechlich, tiefernst und komisch. Etwa wenn sie die Frage stellt: Kennt jemand ein lustiges Wienerlied?
Hier lässt sich eine Gefühlsbilanz ziehen. Beim Aufspüren der sentimentalen Einflüsse, die das Lebensklima eines Künstlers bestimmen.
Die Heimatstadt bedeutet der liebenswerten Wienerin in Dur und Moll viel. Diese schönen einschmeichelnden Melodien zu „Fein, fein schmeckt uns der Wein, wenn man zwanzig ist, und auch die Liebe ...“
Johann Nestroy sowieso. Und ihr Wien-Bild ist der Gedanke des Knieriem im „Lumpazivagabundus“: „Die Welt steht auf kein' Fall mehr lang.“ Also die Apokalypse im Drei-Viertel-Takt ...

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