Klaus Eckel und Günther Lainer und ihr Programm "99".

© Volker Weihbold

Edition Kabarett
10/17/2013

Eckel & Lainer: Positivistisch

Zwei Spaßvögel – ein Programm: „99“ mit Klaus Eckel und Günther Lainer.

von Werner Rosenberger

Ein ungleiches Paar im Kampf gegen den Bodenlurch: Klaus Eckel, per Selbstdefinition „Clown in Arbeit“, und der „Gausl“, Günther Lainer aus Linz, lassen in ihrem ersten Duo-Programm „99“ zwei Lebenswelten aufeinanderprallen. Die Männer in Grau mit roter Krawatte haben auf den ersten Blick nichts gemeinsam. Und auf den zweiten schon gar nicht.

Menschenbilder

Schreiner und Zeckel sind Standlverkäufer der Firma Schmutzengel auf verlorenem Posten. Der eine, ein resignativer und anzipfter Grantler, der die Mundwinkel am Boden festgetacktert hat, verklopft zur Staubbeseitigung Beserln mit integriertem Zitterschutz. Der andere, stylish und hip, entpuppt sich als charmant-hyperaktive Nervensäge, getrieben von aggressivem Optimismus. Der Typ Sonnenschein von Gemüt versucht sein Verkaufsglück mit einem ultramodernen Handstaubsauger mit beheizbarem Griff und Dreiganggetriebe.

Zwei Welten: Tradition und Schnickschnack. Jeder der Männer hat seine Strategie und einen eigenen Blick auf das Leben. Das liefert die Reibungsfläche für Pointen, wenn sich Eckel alias Zeckel fragt: Warum müssen Hühner vor dem Schlachten glücklich sein? Warum gibt’s im Flugzeug am Klo kein Fenster – wer soll da reinschauen? Warum erfreut uns die Stimme der Netrebko? Weil wir die von Gerda Rogers kennen?

Weltsichten

Was Schreiber und Zeckel verbindet: Jeder will der Chef des anderen werden. Aber wer erreicht als Erster das Ziel von 100 verkauften Staubkillern?
Die anderen sind immer anders. Und je mehr man sie verändern will, umso mehr bleiben sie gleich. „Von 100 Menschen kann man sich 99 nicht aussuchen“, sagt Klaus Eckel. Ob Verwandte, Kollegen oder Nachbarn ... Mitmenschen sind oft zu aufdringlich, zu impulsiv, zu ehrgeizig, zu stur, zu faul, zu dumm. Vor allem: Sie sind einfach da wie singende Geburtstagskarten, die Finanzkrise oder das Wimmerl auf der Nase.
An den meisten Dingen im Leben lässt sich sowieso nichts ändern. Nur am eigenen Zugang dazu. „Man muss sich die Dinge manchmal schönreden“, ist Eckel überzeugt. „Dann kommt man mit dem Tag einfach besser zurecht.“
Und die Moral von der G’schicht? Zeckels Motto ist statt „Lebe deinen Traum“ – in einer Art Flucht in die Fantasie – „Träume dein Leben“.
Wie viele Menschen sind gescheitert am Versuch, ihren Traum zu leben? Vielleicht ist „Träume dein Leben“ die gescheitere Philosophie. Denn die Realität lässt sich schwerer ändern als das eigene Weltbild.

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