Thema | Best of Kabarett
05.12.2011

Andreas Vitásek: Selbstmitleidlos

Nr. 63. "Doppelgänger" ist von einer speziellen Ironie geprägt, von einem wachen Sinn für die Komik des Irrationalen.

Von depressiven Delfinen, die nach ihren " Flipper"-Auftritten immer so schlecht gelaunt sind, ist die Rede. Von Zündhölzern, die - vorausgesetzt, man hat gerade einen LSD-Trip geworfen - ihre Köpfe aus der Schachtel erheben und sich über ihre beengte Lage beschweren. Und vom Mannesalter, "in dem man keinen Sex mehr hat, aber noch nicht Golf spielt".

"Doppelgänger" ist eigentlich zwei Programme in einem. Sowohl Andreas Vitásek tritt auf als auch sein kabarettistisches Alter Ego - in einer halben Doppelconférence.

Ein Klon

Alles oszilliert um den Menschen im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Ein intelligenter - anfangs ausschweifender, später beklemmender - Monolog über bewusstseinsbildende Drogen, über pädagogische Hilfestellungen und orthopädische Fehlstellungen, über sich selbst erfüllende Prophezeiungen und optische Täuschungen.

Andreas Vitásek macht, was er am besten kann: Erzählen. Über sich. Aus seinem Leben. Obwohl gerade er als scheuer Mensch Distanzlosigkeit hasst. Im wirklichen Leben. Da hat er auch einen echten Doppelgänger ... Und schon sind wir mittendrin im lustvoll-koketten Spiel: Ich bin in Wahrheit ein ganz anderer.

Auch wenn es kein wirklich gutes Rezept gibt für und gegen das Ich. Eine gewisse Sachlichkeit bringt enorme Vorteile, wenn ein Doppelgänger frühmorgens im Spiegel auftaucht. Dieses philosophische Problem der Selbstentfremdung betrifft auch "Kommissar Rex". Der wird, so der Kabarettist, von fünf Hunden dargestellt: "Deshalb ist die Serie auch so unbeliebt bei Schäferhunden. Die kennen sich nämlich nicht mehr aus."

Der feinsinnige Kabarettist entzündet seinen Humor an den Trivialitäten einer Hansi-Hinterseer-CD ebenso wie an den großen Lebensfragen: "Warum ist die Liebe nie da, wenn man sie braucht?" Vitásek geht nicht nur gewandt mit Worten um. Er kann sich seinen Arm wie einen Schal um den Hals werfen, zugedröhnt zu Pink Floyd tanzen oder als trockene Pflanze verenden.

Im Zwiegespräch mit seinem Sohn tauchen Jugenderinnerungen auf. Nostalgie wechselt zu selbstmitleidloser Komik. Die Trauer über gescheiterte Beziehungen und sonstige Verpfuschungen ("Wenn man wirklich allein ist, freut einen das Alleinsein nicht mehr") fahren schließlich mit bei einer Autofahrt, die im Total-Crash endet. "Endnummernmäßig kein Populist."