Andreas Vitásek - Lachen als Qualität

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„Unterwegs“ mit Andreas Vitásek – ein Evergreen, eine sentimentale Zeitreise mit viel Platz für Pantomime, Poesie und Selbstironie.

Die Zeit sei keine fixe Größe, heißt es in seinem 12. Solo „Sekundenschlaf“. Sie kann sich unendlich ziehen, aber sie kann auch verfliegen. Quasi über Nacht sei er ergraut und die Kleidung geschrumpft. Er habe sich auseinandergelebt, stellt er mit Blick auf seine Leibesmitte fest. Anders der frühe Andreas Vitásek, der im zeitlosen Klassiker mit Jonglage „Der rote Ball“ auf den Zug wartet und sagt: „So eine Ewigkeit kann verdammt lange dauern.“ Und vor einer gefühlten Ewigkeit sind auch Nummern wie „Fahrt ins Blaue“ oder „Die sieben Leben des Max Kurz“ entstanden.

Spezielle Ironie

Das war, als die Zeit noch kaum merkbar durch die Sanduhr rieselte, als man „Darling, ich bin im Kino“ sagte und sich den Andi mit den strahlend blauen Augen in „Müllers Büro“ von Niki List ansah, und der Regisseur gestand: „Als wir den Film drehten, war Lachen an sich schon so etwas wie Qualität. Man könnte es auch als Dienst an der Gesundheit des Publikums sehen.“Vitásek brachte auch live frischen Wind in die Kleinkunst und kreierte Programme, die von einer speziellen Ironie inklusive Selbstironie, von akrobatischen Elementen und von einem wachen Sinn für die Komik des Irrationalen geprägt waren. Da erzählte einer plötzlich ziemlich komische Geschichtenmit und ohne Worte, tänzelnd zwischeneinem Lächeln und einer Träne der Melancholie. Er ist ja gern lustig, solange die Lustigkeit nicht aufgesetzt ist. Die gezwungene Heiterkeit ist ihm zuwider: „Eigentlich mag ich es lieber, wenn jemand leicht depressiv ist. Das entspricht der Welt vielmehr. Meiner zumindest.“ Er will bis heute den Leuten nur zeigen, dass da oben auf der Bühne einer mit denselben Problemen steht: „Ich bin ein sehr durchschnittlicher Mensch. Das ist vielleichtmeine Stärke. Vieles, was mich betrifft, betrifft auch alle anderen.“

Witzig und rasant

Vor allem körpersprachlich beredt war er schon damals und scheute nicht davor zurück, als Clown auf der Kabarettbühne auch der Poesie, der Lyrik und der Stille Platz einzuräumen. „Unterwegs“ zeigt die Anfänge einer großen Karriere mit einemblutjungen Kabarettisten und Pantomimen. „Unterwegs“ ist schließlich auch eine Reise ins Vorgestern, als noch der Schilling die Währung war, als es noch Münztelefone gab, und in Kleinkunstlokalen noch geraucht werden durfte ...Und die Zeit selbst? „Die wird so schnell“, sagt Vitásek, „dass man Mühe hat nachzukommen.“

( kurier.at ) Erstellt am 21.10.2016