Alfred Dorfer, hier im "ORF-Sommerkabarett".

© APA/Ali Schafler

Edition Kabarett
10/19/2013

Alfred Dorfer: Gedankenturnen

Sehr sprunghaft und verschlungen, wie alle Programme von Alfred Dorfer: „Ohne Netz“ (1994)

von Werner Rosenberger

Ana von die Bad Boys: I reiß dir den Schädel o und scheiß dir in den Hals ...“ Ja, der Umgangston ist ein bisschen rüde beim Rap im Gemeindebau. Wo beim Frühschoppen die Sulmtaler singen: „Marion, oh Marion, zeig mir doch dein Silikon ...“
„Ohne Netz“, Alfred Dorfers zweites Stück nach „Alles Gute“, live aufgenommen im Mai 1994 in der „Kulisse“, ist ein kabarettistisches Melancholical, begleitet von Lothar Scherpe (Keyboards und Schlagzeug), Günther Paal (Bass und Gscheit reden), Peter Herrmann (Gitarre) und Robert Peres (Technik).

Figur mit Schattenseiten

Denn ganz im Gegensatz zu den meisten Kollegen in der Kabarett-Bundesliga steht Dorfer nicht allein auf der Bühne, sondern hat auch in seinen Soloprogrammen meist die Band dabei. „Das ist auch eine Stilfrage, die Musik ist wesentlicher Bestandteil des Abends“, erklärt Dorfer. „Ich sehe mich auch nicht als Solist mit Begleitcombo, sondern als Mitglied eines Ensembles.“

„Ohne Netz“ – Show oder Musikkabarett? Egal. „Es ist dies die wundersame Geschichte eines erfolgreichen Entertainers“, so Dorfer, „dem wir abseits vom Glamour des Showbiz in seine eigenen kleinen Schattenseiten folgen dürfen.“
Sein Lebensweg führte ihn unaufhaltsam in Irrgärten und in Sackgassen, beruflich wie privat.
Und das kann Alfred Dorfer exzellent: Ungusteln, also verschiedene ausgesucht ungute Vertreter der Spezies Mann, auf die Bühne stellen. Mit einem hundsgemeinen Schmäh.
Etwa wenn Fredl Frühling, ein Herzerl von einem Menschen, Spätgeborene darüber aufklärt: „2CV, das ist keine Studentenverbindung. Mit der Vierten hat man die älteren Jogger g’schnupft.“

Trauriger Clown

Der gefeierte Entertainer „geht aus sich heraus, da hat er es ja nicht weit“. Er erinnert sich an den vaterlosen „Burli“, der „kein Geistesblitz“ ist. Aber: „Immer b’soffen ist auch ein geregeltes Leben.“ Bis eines Tages „die einzigen Vorfälle, die noch passieren, von den Bandscheiben kommen“. Und er dasitzt und „zurückblickt auf viele Enttäuschungen, aber auch schlechte Zeiten“ ...
„Jeder Satz eine unpolierte Pointe“, schrieb die Münchner Abendzeitung. Dorfers Programme sind so sprunghaft und verschlungen wie unser Denken. Vielleicht sind sie auch deshalb so beliebt, weil bei ihnen der Wiedererkennungseffekt enorm ist.
Denn Dorfer lenkt seinen kabarettistisch-satirischen, aber nicht mitleidslosen Blick gern auf Existenzen, denen jeder schon mal begegnet ist. Manchmal sogar in sich selbst.

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