Style
29.09.2018

Was Sarah Jessica Parker heute über "Sex and the City" denkt

Die Schauspielerin im KURIER-Gespräch über ihr Verhältnis zu Mode und warum sie die Serie teilweise als veraltet empfindet.

Es ist, als ob Carrie Bradshaw höchstpersönlich vor einem sitzen würde. Die Kultserie "Sex and the City" (SATC), in der über sechs Staffeln hinweg das Leben von vier Freundinnen aus New York beleuchtet wurde, wurde vor 20 Jahren zum ersten Mal ausgestrahlt. Auch nach so langer Zeit wirkt Sarah Jessica Parker im KURIER-Gespräch wie die Sexkolumnen schreibende Journalistin aus dem Fernsehen. Die langen Haare sind wie bei Carrie zu lässigen Locken gestylt, das Outfit könnte genauso gut aus dem Kleiderschrank der modeverrückten Protagonistin stammen. Selbst die Gestik scheint beim Interview, zu dem das Unterwäsche-Label Intimissimi geladen hat, sehr vertraut.

Die 53-Jährige ist das neue Gesicht der italienischen Dessous-Firma, sie selbst sieht sich im Vergleich zu Carrie Bradshaw jedoch keineswegs als Fashion Victim. "Wir zwei sind sehr verschieden", betont die Schauspielerin. "Ich sage immer: Wir sehen uns ähnlich, aber der Rest ist sehr unterschiedlich." Bei der Wahl ihrer Outfits wolle sie sich von niemandem beeinflussen lassen. "Ich treffe einfach Entscheidungen, die sich für mich richtig anfühlen. Ich bin eine Mutter, manchmal geht es einfach darum, irgendwie aus dem Haus zu kommen, um die Kinder zur Schule zu bringen. Ich ziehe mich einfach für mein alltägliches Leben an", sagt Parker, die zu Terminen in ihrer Heimatstadt New York am liebsten zu Fuß geht.

Während ihr "Sex and the City"-Charakter nie ohne 10-Zentimeter-Absätze das Haus verließ, trifft man sie nur bei offiziellen Terminen wie diesem in Stöckelschuhen an. Paparazzi-Fotos zeigen die 53-Jährige meist in Jeans und Biker Boots.

Postfeminismus

Neben den bis ins kleinste Detail durchdachten Designer-Outfits der Protagonistinnen sorgte vor allem das Drehbuch zum Start der Serie im Jahr 1999 für Schlagzeilen. "Sex and the City" stellte die vorherrschende stereotype Darstellung von Frauen in Kino und Fernsehen auf den Kopf: Singles über 30 wurden nicht mehr als verzweifelte Jungfern dargestellt, über Sex und Männerprobleme sprachen Carrie, Miranda, Samantha und Charlotte ungewohnt offen.

Auf die Frage, ob die Serie ein wichtiger Schritt für die feministische Bewegung war, findet Sarah Jessica Parker keine eindeutige Antwort. "Ich bin mir nicht sicher, ob ich zu hundert Prozent berechtigt bin, diese Frage zu beantworten. Es gibt dazu sehr verschiedene Meinungen. Manche sagen, dass sie nicht gut für den Feminismus war", gesteht die Schauspielerin. Das Storytelling sei konventionell gewesen und Carrie ist schlussendlich mit Big (ihrer langjährigen On-Off-Beziehung in der Serie) zusammengekommen.

"Daran haben sich viele Feministinnen gestört, weil sie es als Kompromiss empfanden." Sie selbst sieht SATC als wichtigen Teil des Postfeminismus. "Frauen, die über ihr privates Leben reden und Entscheidungen treffen, die nicht ausschließlich konventionellen Regeln entsprechen – das war die Ernte der postfeministischen Bewegung." Parker ist sich jedoch sicher, dass die Serie heute, im Zuge der #MeToo-Bewegung, eine andere wäre. "Es wird Dinge geben, die nun veraltet wirken. Aber es war eine Show über die damalige Zeit und New York, wie es damals war. Es ging um vier Frauen, deren Geschichte und deren Blickwinkel."

Keine Bürde

Dass sie von Fans und Presse auch nach so vielen Jahren eng mit Carrie Bradshaw in Verbindung gebracht wird, stört Sarah Jessica Parker nicht: "Es ist keine Assoziation, die ich als limitierend empfinde. Es ist jedoch mein Job, dass ich die Leute daran erinnere, dass ich eine Schauspielerin bin und viel zu bieten habe." An Aufträgen mangelt es auch zwei Jahrzehnte nach "Sex and the City" nicht. In den vergangenen zwei Jahren war sie in der HBO-Produktion "Divorce" als Frau zu sehen, deren Ehe den Bach runtergeht. Neben diversen Aufträgen als Werbegesicht und der Arbeit an ihrer eigenen Schuhlinie SJP ist die New Yorkerin heute auch als Verlegerin tätig. Ab Anfang November ist Parker mit dem Drama "Here and Now" wieder in den internationalen Kinos zu sehen.

Wie sie das alles unter einen Hut bringt und dennoch genügend Zeit für Ehemann Matthew Broderick und die drei gemeinsamen Kinder findet? "Ich empfinde das weder als sonderlich beeindruckend, noch inspirierend, dass ich das alles mache", erklärt die Multitaskerin. Schließlich habe sie die finanziellen Ressourcen, um ihren Beruf ihren Wünschen entsprechend auszuüben.

Wieder ein Punkt, in dem sich Sarah Jessica Parker deutlich von ihrem Alter Ego Carrie Bradshaw unterscheidet. Diese konnte sich in New York als einer der teuersten Städte der Welt mit nur einer Kolumne pro Woche ein großes Appartement mit einem begehbaren Kleiderschrank voller Designermode leisten. "Wir sollten viel mehr über die Millionen Frauen und Männer reden, die sich und ihre Familie mit jeweils drei Jobs über Wasser halten und keine Kinderbetreuung haben."