© Grégoire Vieille/Louis Vuitton

Grand Palais in Paris
12/14/2015

Louis Vuitton-Ausstellung: Vom Koffer zur It-Bag

Louis Vuitton begann als Koffermacher, heute sind die Taschen Kult. Eine Ausstellung widmet sich dieser modischen Reise.

von Maria Zelenko

Ob „Speedy“, „Neverfull“ oder „Petite Malle“ – der Name Louis Vuitton ist unzertrennlich mit edlen Handtaschen verbunden. Bekannt wurde der Franzose jedoch zuerst auf einem ganz anderen Gebiet – dem der Kofferherstellung. Ob er bei der Gründung im Jahr 1854 ahnen konnte, dass sein Unternehmen rund 160 Jahre später den Luxusmarkt beherrschen würde?

Koffer mit dem gewissen Etwas

16 Jahre zuvor war Vuitton von seinem Heimatort Anchay im Osten Frankreichs aufgebrochen, um Paris zu erobern. Die Handtasche war zu dieser Zeit noch nicht erfunden, die Leidenschaft der betuchten Gesellschaft galt maßgefertigten Koffern.

Als erster, der zugleich leichtes und doch robustes Gepäck mit flachen Oberflächen produzierte, wurde der damals 30-Jährige zum Erfinder des modernen stapelfähigen Gepäcks. Um sich von der Konkurrenz abzuheben, spezialisierte sich Vuitton auf modische Anfertigungen, in denen Kleidung, Schuhe und Hüte perfekt organisiert mit auf Reise gehen konnten. Von cleverer Kundenbindung verstand er schon damals viel: Stammkundinnen wurden Mini-Koffer mit Blumen (sog. „Flower Trunks“) zugeschickt, aus denen sie später Schmuckschatullen anfertigen lassen konnten.

Die Geburtsstunde des Monogramms

Nachdem er 1892 verstorben war, ehrte Sohn Georges vier Jahre später seinen Vater mit einem neuen Koffer-Design, welches heute das bekannteste Markenzeichen des französischen Traditionsunternehmens ist – das Monogramm. Dessen Einführung ist nicht zuletzt dem Umstand zu schulden, dass bereits damals so mancher Konkurrent den von Louis Vuitton kreierten Grauton „Trianon“ schamlos kopierte. Mit dem „LV“-Logo war man das erste Haus, welches seine Identität in dieser Form nach außen trug – und zeitgleich eine neue schuf.

Erste Handtasche: Eine Aufbewahrung für Schmutzwäsche

Es war ausgerechnet eine für das Innere der Koffer angefertigte Aufbewahrungsmöglichkeit für getragene Kleidung, die man rückblickend als die erste Handtasche bezeichnen kann. Die „Steamer Bag“ wurde aus Stoff gefertigt, hatte einen kleinen Lederhenkel und konnte gefaltet werden. Heute steht sie in den Regalen der Louis Vuitton-Stores – dreckige Socken und Unterwäsche werden freilich nicht mehr in ihr aufbewahrt. Und sie ist bei weitem nicht das einzige Stück Vergangenheit, das heute noch in den Kollektionen zu finden ist.

Nicolas Ghesquière, der seit 2013 für die Damenkollektion verantwortlich ist, lässt in seinen Kreationen den Ursprung von Louis Vuitton als Kofferhersteller immer wieder neu aufleben. Anfertigungen, die ursprünglich für andere Zwecke designt wurden, sind heute Accessoire-Bestseller: Die It-Bag „Sac Noel“ wurde für den Transport von fünf Champagner-Flaschen konzipiert, das Modell „Speedy“ war eine leichte Kreation speziell für die Bedürfnisse des Reisens.

Bei genauer Betrachtung einiger Versionen der „Petite Malle“ sind auf der Vorderseite drei kleine Kreuze zu erkennen. Diese waren zwischen 1910 und 1930 Teil der Spezialanfertigungen für den berühmten Banker Albert Kahn, der auf diese Weise seine Gepäckstücke personalisieren ließ. Auch hier ließ sich Ghesquière von der Geschichte des Traditionsunternehmens inspirieren, die sich wie ein roter Faden durch sämtliche Kollektionen zieht.

Dass seine Arbeit bis weit nach seinem Tod von Bedeutung sein würde, ahnte Louis Vuitton wohl schon zu Beginn seiner Karriere. Wie sonst ließe sich erklären, dass der Koffermacher unzählige seiner Anfertigungen archivierte, noch bevor sein Name bis zu den entlegensten Ecken der Welt ein Begriff wurde. Dieser Voraussicht ist es zu verdanken, dass man derzeit im Pariser Grand Palais einen einzigartigen Einblick in die über 160-jährige Geschichte der Marke erhält. Unter dem Titel „Volez, Voguez, Voyagez“ hat der Kurator Oliver Saillard zum Teil bisher ungesehene Stücke aus privaten Sammlungen und Institutionen zusammengetragen, und zeichnet mithilfe von neun Szenebildern die Reise von Louis Vuitton von 1854 bis heute nach.

Ausstellung: „Volez, Voguez, Voyagez – Louis Vuitton“ bis 21. Februar 2016.

Adresse: Grand Palais Paris, 3 Avenue du Général Eisenhower, 75008 Paris

Eintritt frei

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